Bet-at-Home-Chef Franz Ömer: „Für uns gibt es keine Rezession“

Die Liberalisierung des Wettmarktes stockt. Bet-at-home-Chef Franz Ömer agiert vorerst in der Grauzone. Ein Gespräch über Wettbewerb, Heuchelei und Spielsucht.

Foto: Mersch

Herr Ömer, Sie kennen als Wettanbieter die Psyche der Deutschen. Lieben wir das Risiko?

In der Regel wetten die Leute auf Favoriten. Die typischen Wetter meiden das Risiko und gehen mit dem voraussichtlichen Sieger.

Das heißt: Ein Spiel, bei dem der krasse Außenseiter gewinnt, ist gut für Ihr Geschäft?

Langfristig ist es egal, das ist alles in den Quoten eingepreist. Wichtig ist für uns, dass ein Event spannend ist und live sichtbar im TV. Als Michael Schumacher noch gefahren ist, war es in der Formel 1 zum Schluss total unspannend, bei solcher Dominanz geht alles nach unten: Wettquoten, Interesse, Zuschauerzahlen.

Die Person

1999 hat der Diplom-Ingenieur Franz Ömer gemeinsam mit Jochen Dickinger die Firma bet-at-home.com im österreichischen Wels gegründet – anfangs als reine Sportwetten-Plattform. Nach einem Studium von „Software-Engineering“ hatte der Österreicher Ömer als Berater für Business-Process-Reengineering gearbeitet. Nach Unternehmensangaben hat der heute 38-Jährige neben Bet-at-home noch „diverse Technologie- und Gamingunternehmen“ gegründet.

Gilt das auch für die Bundesliga, wenn Bayern wie zuletzt total dominiert?

Auch schlecht für uns. Je länger das spannend bleibt, desto besser ist es.

Wie sehr lassen sich die Fans beim Wetten vom Wunsch leiten, dass ihr Team gewinnen möge? Konkret: Gehen in Deutschland – zu Ihrer Freude – irrational viele Wetten auf einen deutschen WM-Sieg ein?

Nicht unbedingt. Das Phänomen gibt es zwar, dass Fans auf ihr Team wetten. Aber Realismus steht hier gegen Patriotismus. Und es gibt auch das entgegengesetzte Phänomen, dass sich Fans mit einer Wette emotional hedgen. Sprich: Sie setzen 100 Euro auf Brasilien. Wenn Deutschland verliert, könnten sie wenigstens noch Geld verdienen.

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Die Überwachungsfirma Sportradar sagt: Weltweit werden auf ein Bundesligaspiel 50 Millionen Euro gesetzt, beim Champions-League-Finale gehen rund eine Milliarde Euro Wettumsätze ein. Wie viel erwarten Sie für ein WM-Spiel?

Global kann ich das nicht abschätzen, ganz schwierig. In Asien kann man ja gar nicht reingucken. Es hängt für uns viel vom Verlauf der Weltmeisterschaft ab. Wenn wenig europäische Mannschaften weiterkommen, sinkt hier die emotionale Bindung und das Interesse. Wir erwarten für unser Unternehmen pro WM-Spiel Wettumsätze von rund fünf Millionen Euro.

Wie schneiden die deutschen Wetter insgesamt ab. Sind sie gute Zocker?

Mittelmäßig. Der Deutsche ist ein typischer Gelegenheitswetter. Er schaut die Bundesliga am Samstag, platziert vorher irgendwo ein Kombiticket und versüßt sich den Nachmittag, indem er so das Spiel ein bisschen spannender für sich macht. Der Engländer legt mehr Wert auf Quoten, die außerhalb der Wahrscheinlichkeit liegen – und spielt höhere Einsätze.

Dennoch scheint der deutsche Markt ja extrem spannend für Sie zu sein. Sie sponsern Schalke 04, bewerben sich um eine der 20 deutschen Sportwett-Lizenzen und kämpfen – in der rechtlichen Grauzone – schon jetzt um eine gute Ausgangslage für den nach EU-Rechtsprechung zu liberalisierenden Wettmarkt. Rechnen Sie mit höheren Umsätzen, wenn Sie die deutsche Lizenz erhalten?

Unser Fokus liegt auf Mittel- und Südeuropa. Wir machen ein Viertel unseres Umsatzes in Deutschland. Ich denke, das würde ziemlich gleich bleiben. Der Trend geht so oder so in Richtung der privaten Wettanbieter – weg vom langweiligen Oddset-Kioskgeschäft hin zu Online, hin zu Livewetten, die schon heute 40 Prozent bei uns ausmachen. Man hat ein wesentlich größeres Spielangebot. Wenn das Spiel zu Ende oder ein Ereignis eingetreten ist, wird unmittelbar abgerechnet, der User kann sofort weiterwetten. Das geht nur online.

Fünf Prozent Steuer vom Umsatz – das ist totaler Wahnsinn und auch krank von der Logik her.

Wollen Sie also gar keine Lizenz?

Wo immer Lizenzen vergeben werden, bewerben wir uns darum. Dies ist Teil unserer Geschäftspolitik und gilt daher auch für den deutschen Markt. Die Frage ist, wie diese Lizenz überhaupt ausgestaltet wird, welche Limitierungen es gibt. Es ist so viel unklar, die Lizenzen hätten letztes Jahr im April vergeben werden sollen. Jetzt ist ein Jahr ins Land gezogen, und es ist noch immer nichts passiert.

Sie wirken dennoch entspannt. Wenn wir Sie richtig verstehen, ist die juristische Hängepartie für ihr Geschäft nicht schädlich. Sie können auch in der Grauzone gut wirtschaften?

Das ist richtig, ja. Eine Lizenz hat immer einen Vor- und einen Nachteil. Man hat Rechtssicherheit, aber unter Umständen auch einige Restriktionen, was Einsätze und Spielarten betrifft.

Der Glücksspielmarkt

Der weltweite Glücksspielmarkt wächst nach Einschätzung der Beratung H2 Gambling Capital um jährlich 9 Prozent. 2012 erwirtschafteten die Anbieter – ungeachtet des Schwarzmarktes – 21,7 Milliarden Dollar Bruttorohertrag, das ist die Summe aller Wetteinsätze abzüglich der ausgezahlten Gewinne. In Deutschland ist auf Druck der EU die Liberalisierung des Glücksspielmarktes zwar beschlossene Sache, aber die Umsetzung hinkt dem Zeitplan hinterher. Nach dem neu gefassten Glückspielstaatsvertrag, der am 1. Juli 2012 in Kraft trat, sollen maximal 20 Lizenzen vergeben werden. Noch aber läuft die Evaluation im zuständigen hessischen Innenministerium. Einige aktive Online-Anbieter, darunter Bet-at-home, berufen sich auf vorhandene Lizenzen aus anderen EU-Ländern, agieren so auf dem deutschen Markt in einer rechtlichen Grauzone, zahlen aber Steuern an den deutschen Fiskus. Experten rechnen mit einer Klagewelle der Ausgeschlossenen – allein, weil die gesetzliche Beschränkung auf 20 Marktteilnehmer willkürlich erscheint.

Auch die Steuer wird im Staatsvertrag geregelt…

Ja, aber da würde sich in Deutschland für uns nichts mehr ändern. Wir zahlen jetzt schon die fünf Prozent vom Umsatz, ein totaler Wahnsinn und auch krank von der Logik her. Man kann nur den Ertrag besteuern, sollte man meinen. In anderen Lizenzmodellen liegt die Steuer bei 15 bis 25 Prozent vom Rohertrag, was auch viel ist. Aber fünf Prozent vom Umsatz wie in Deutschland – das entspricht letztlich unserem gesamten Rohertrag.

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Warum sind sie dann noch hier?

Wir reichen es eins zu eins an den Kunden durch – wie alle Anbieter in Deutschland. Wenn er ein Wettticket platziert, werden ihm die fünf Prozent Wettsteuer sofort abgezogen. Was für den Nutzer dann unattraktiv ist, sind Favoritenquoten unter 1,05. Selbst wenn er gewinnt, kann er nichts verdienen.

Ist es richtig, dass der Staatsvertrag vorsieht, Livewetten zu beschränken auf die Voraussage des Endergebnisses? Suchtforscher halten das für einen wichtigen und einfach zu realisierenden Punkt der Prävention. Man müsse die Ereignisfrequenz senken.

Das ist noch komplett unklar. Es ist schwierig, Ergebnis- und Ereigniswetten auseinanderzudividieren. Es gibt die Überlegung, dass es gewisse Einschränkungen gibt. Etwa Wetten auszuschließen, die manipulationsverdächtiger sind – etwa jene auf die nächste gelbe Karte und so weiter.

Ist das Problem Spielsucht lösbar?

Sehr schwierig. Wir könnten natürlich theoretisch für uns Beitragsgrenzen einführen, aber am Ende kennen wir die Vermögensverhältnisse der einzelnen User nicht. Wir wissen nicht, was für den Einzelnen bedrohlich ist. Mancher verliert 15.000 Euro und sagt: Ist mir auch wurscht. Es ist wie mit dem Wirt, der nicht weiß, ob er das eine Bier, das er gerade verkauft, einem trockenen Alkoholiker überreicht.

In Ihrer Kundenansprache bezeichnen Sie Wetten als einen Luxus, den man sich gönnt …

… ein kleiner Luxus …

… und Sie haben beobachtet, dass das auch unabhängig von Rezession funktioniert.

Genau. Das ist sicher einer der größten Vorteile der Branche: Dass wir wirtschaftliche Rezessionen gar nicht spüren. Nur wenn es ganz verheerend ist, wie in Griechenland, dann spürt man das schon. Aber die Finanzkrise vor ein paar Jahren, ist ganz an uns vorbei gegangen. Ganz im Gegenteil: In solchen Jahren kaufen wir wieder günstiger Werbung ein.

bet-at-home.com Entertainment GmbH

Apropos: Ihre Werbung ist uns aufgefallen als hart an der Grenze zum Sexismus. Hören Sie so etwas öfter mal?

Eine Werbung muss polarisieren, sonst wäre sie schlecht. Sexismus – so würden wir das nicht sehen. Wir gehen einfach weg von dem: beste Quoten, bester Service. Wir wollen einen jungen, coolen Brand darstellen. Es mag sein, dass Manchen das nicht gefällt. Aber ich denke nicht, dass das über das Ziel hinausschießt.

Wir haben eine von 2009 gesehen, wo ein junger Mann im Swimmingpool ist und drei barbusige Frauen auf ihn zusteuern. In so einer Art Saunaclub.

Das war nur als virale Marketingkampagne gedacht. Es ist aber kein Mediabudget reingelaufen, in dem Sinn. Sie kennen vielleicht auch das Zungenkussplakat, was ein großes Thema war. Da gibt es immer wieder Leute, die sich beschweren, das ist so.

Das Unternehmen Bet-at-home

Bet-at-home zählt als Anbieter von Online-Glücksspielen nach eigenen Angaben rund 3,7 Millionen Kunden weltweit. Das in Wien und Frankfurt seit 2004 börsennotierte Unternehmen hat Niederlassungen in Deutschland, Österreich, Malta und Gibraltar. Die Bruttoerträge der bet-at-home.com AG betrugen aus dem Wett- und Gaminggeschäft 2013 über 85 Millionen Euro, davon entfielen rund die Hälfte auf Sportwetten, der Rest auf Online-Casinospiele und virtuelles Pokern. Für 2014 ist ein zehnprozentiges Wachstum prognostiziert. Mit einer in Malta ausgestellten Lizenz agiert der Online-Anbieter im europäischen Rechtsraum. Die maltesische bet-at-home.com Internet Ltd. erhielt 2011 zudem eine italienische Zulassung und Ende 2012 eine Lizenz des schleswig-holsteinischen Innenministeriums für Online-Casinospiele. Mehrheitsaktionär ist mit 65,1 Prozent der Aktien die französische Betclic Everest SAS. 24,9 Prozent der Aktien befinden sich in Streubesitz, je fünf Prozent halten die Gründer Franz Ömer und Jochen Dickinger. Um die Bekanntheit zu steigern, gab Bet-at-home 2013 über 34 Millionen Euro für Werbung und Sponsoring aus. In Deutschland sponsert man unter anderem Schalke 04, den Eishockey-Klub Kölner Haie und das Hamburger Tennis-Turnier am Rothenbaum, das in „Bet-at-home-Open“ umbenannt wurde.

Kann man sagen, dass Sie den Spieltrieb anheizen?

Anheizen, würde ich jetzt nicht sagen. Der Markt wächst ja an sich. Wir versuchen einfach, den größten Teil davon abzukriegen. Der typische User von uns, der spielt vorher Oddset irgendwo am Kiosk und kommt dann irgendwann mal auf die Idee, dass er im Internet bessere Quoten und besseren Service kriegt.

Auf Ihrer Startseite präsentieren Sie in einer Box sogar stets die aktuell größten Glückspilze mitsamt ihrer Gewinnsummen. Eine Idee zur Prävention: Einfach auch die größten Verlierer anteasern. Wäre das was?

Na ja…

Sie haben die Marketingbudgets im Vorjahr signifikant runtergefahren. Wo liegen Ihre Werbeausgaben in diesem Jahr?

Wir schätzen so um die 40 Millionen Euro. In 2014 wird es wieder leicht steigen, alleine durch das Großereignis WM. Die User sind zu dieser Zeit sehr umtriebig – manch einer wettet nur zur WM. Da wollen wir natürlich, dass der nicht beim Mitbewerber spielt. Denn man hört einige Jahre nichts von solch einem User, und dann spielt er weiter. Über alle Märkte haben wir Akquisitionskosten von 130 Euro pro aktivem Nutzer.

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Welche Umsatzerlöse erhoffen Sie sich dieses Jahr?

Wir rechnen mit gut 90 Millionen Euro Bruttowettertrag, das ist die Summe aller Wetteinsätze abzüglich der ausgezahlten Gewinne. Das wäre dann eine zehnprozentige Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Im Ergebnis kommen wir auf ein ähnliches Niveau wie im letzten Jahr. Der Rohertrag liegt etwas höher, aber mit ein bisschen mehr Werbung gleicht sich das wieder aus.

Aktuell bewegt sich Ihre Aktie bei rund 50 Euro – zwischendurch war sie auch schon auf 5 Euro abgerutscht. War das der Diskussion um den Wettmarkt geschuldet?

Nein, Hauptgrund damals war die Finanzkrise, in deren Zuge sämtliche Börsenkurse am Boden waren.

Wie erklären sie den sehr starken Kursanstieg in den letzten ein, zwei Jahren?

In der Vergangenheit haben wir alles ins Marketing reinvestiert – und so relativ wenig Ergebnis ausgewiesen. Ein zweiter Faktor: Zu gewissen Zeiten haben wir uns wesentlich weniger an Budgets gehalten. Ist am Jahresende ein guter PR-Deal reingekommen, haben wir den auch gemacht. Die Früchte haben wir in der Zukunft geerntet. Wir wollen jetzt weniger Ertragsschwankungen haben, was klarerweise auch von den Aktionären befürwortet wird. Wir zahlen jetzt ja auch 80 Cent Dividende. Die Aktionäre haben gesehen, dass sie langfristig auch was erwirtschaften können.

Für Sie persönlich ist der Aktienkurs ja relevant, weil Sie 5 Prozent am Unternehmen halten. Wann wollen Sie die verkaufen?

Das ist derzeit kein Thema. Ich könnte sie ja ohnehin nur an den aktuellen Mehrheitseigentümer verkaufen. Der möchte langfristig eher aufstocken als Anteile abgeben.

Der Mehrheitsaktionär, der französische Medienunternehmer Stéphane Courbit, hat also ein Vorkaufsrecht. Hat er denn noch Geld, nachdem seine Yacht 2012 gesunken ist. Das Video vom Untergang ist ja ein Hit auf Youtube.

Ich nehme an, dass das nicht das große Problem darstellt.

Besitzen Sie auch Luxusgüter dieser Dimension?

Es gibt nicht viele Leute, die eine Yacht in dieser Dimension haben. Ich gehöre jedenfalls nicht dazu.

Träumen Sie davon – so wie auch Ihre Kunden vom großen Gewinn träumen?

Eigentlich nicht. Viele Leute träumen davon, nicht mehr arbeiten zu müssen. Mir macht es Spaß, ich will mich nicht zur Ruhe setzen.

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Wie viel Heuchelei steckt in dem Geschäft?

Sehr viel. Für die meisten Staaten gilt es, die Monopole so lange wie möglich zu erhalten. Sie wissen, dass sie gegen EU-Recht verstoßen, sie haben Vertragsverletzungsverfahren laufen und wollen trotzdem nichts ändern.

Was ist der Grund?

Es geht um Einnahmen aus den staatlichen Lotterien und um die Steuern der privaten Anbieter. Man hat keine Eile, etwas zu ändern, obwohl man weiß, dass man es ändern muss. Das andere Thema: Es wird immer von Spielerschutz und Geldwäscheprävention gesprochen. In Wahrheit hat der Gesetzgeber null für den Spielerschutz getan, seitens des Staates ist faktisch gar nichts geregelt. Jeder kann sein Haus verzocken. Es ist zwar schwierig, gesetzlich etwas zu machen, aber der Versuch bleibt auch aus.

Haben Sie schon Klagen vorbereitet für den Fall, dass Sie keine Lizenz auf dem deutschen Markt bekommen?

Man muss sehen, wie es kommt. Dass am Ende des Tages geklagt wird, ist vollkommen klar. Jeder, der keine Lizenz bekommt, wird klagen.

In Wahrheit hat der Staat null für den Spielerschutz getan.

Das hessische Innenministerium ist federführend zuständig, die Bewerber für die 20 vorgesehenen Lizenzen zu sortieren. Wo sehen Sie sich in diesem Prozess?

In der ersten Runde wurde auf 35 Bewerber reduziert. Alle Anbieter, die in die zweite Runde gekommen sind, wurden zum Interview eingeladen – wir auch. Dann hieß es aber: Alle zurück an den Start, weil keiner dieser Teilnehmer die Mindestkriterien erfüllt. Auch nicht das staatliche Oddset.

Wonach wurden Sie im Interview gefragt?

Konkret wurden das Infrastruktur- und IT-Konzept präsentiert. Zweitens musste jeder sein Sozialkonzept vorlegen, eben wie er mit dem Spielerschutz und Geldwäscheprävention umgeht.

In welchem Teil hat es gehakt?

Das haben die Behörden nicht gesagt.

Aber dass Ihre IT funktioniert, davon muss man ja ausgehen.

Denke ich auch, ja.

Wie sieht Ihr Spielerschutz denn aus?

Man muss nach den gesetzlichen Anforderungen die User identifizieren. Dann gibt es Selbstsperren oder Limitierungen bestimmter Spieler. Die privaten Wettanbieter in Europa haben selbst ein System für den Spielerschutz aufgebaut, das setzen wir auch bei uns um und gehen damit über die aktuellen gesetzlichen Anforderungen hinaus.

Der Einsatz muss dem Nervenkitzel angepasst sein.

Sie sorgen ernsthaft dafür, dass die für Sie lukrativsten Kunden rausgedrängt werden?

Ein Kunde, der sich um Kopf und Kragen spielt, ist nicht unser Ziel. So wenig, wie Sportwagenhersteller ihren Kunden einen Unfall wünschen. Es gibt ja User, die verspielen 5.000 Euro und können deswegen ihre Familie nicht mehr ernähren. Andere aber spielen von Haus aus hoch – und können es sich leisten. Der Einsatz muss dem Nervenkitzel angepasst sein – und dieser Kick ist vom Vermögen jedes Users her unterschiedlich. Es ist schwierig, es in Zahlen zu fassen. Wohl auch ein Grund, weshalb sich der Gesetzgeber schwer tut.

Gibt es Kontakte zu anderen Anbietern, eine gemeinsame Datei von gesperrten oder limitierten Spielern? Sonst müssen die ja nur ihr Wettkonto wechseln.

Genau so ist es. International gibt es da nichts Vernünftiges auf staatlicher Ebene. In Italien läuft es alles über einen zentralen Server. Der Nutzer muss sich registrieren mit Steuernummer und allem. Wenn er einmal gesperrt ist, kann er keine Wette mehr platzieren – abgesehen vom Schwarzmarkt. Eine solche zentrale Datenbank ist grundsätzlich gut – sie müsste aber europaweit abgeglichen werden.

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Wie ist ihr persönliches Verhältnis zum Glücksspiel? Gehen Sie ins Casino, platzieren Sie Sportwetten?

Nein, ich schaue auch keine Fußballspiele. Ich bin eigentlich froh, dass ich in der Freizeit mit dem Thema nichts mehr zu tun habe.

Was hat Sie damals bewogen, überhaupt in diesen Sektor einzusteigen?

Das Wettgeschäft ist skalierbar, eben ein typisches Internetgeschäft. Unsere erste Webseite war sehr stark angelehnt an Consors Discount Broker – ein anderes perfekt geeignetes Internetgeschäft.

Wie sieht Ihr Worst Case Szenario für den deutschen Markt aus? Kann der Punkt kommen, an dem sie ihre Marketingmillionen als sinnlos verbrannt ansehen müssen?

Der Worst Case sieht für uns so aus, dass wir jetzt eine Lizenz kriegen, es für uns sehr viele Restriktionen gibt und unsere User abwandern an den Schwarzmarkt oder die nicht Lizensierten, die dann irgendwann klagen und das ganze System kippen. Dann wären wir zurück am Start und hätten User an die Mitbewerber verloren. In Summe halten wir das Szenario aber für unwahrscheinlich.

Sie bewerben sich also mit hohem Aufwand auf ein Blanko-Produkt. Das Leben ist ein Spiel?

Genau. Aber eines, bei dem wir unsere Quoten jederzeit gut steuern.

Haben Sie vielen Dank für das Gespräch.

Thomas Mersch und Stefan Merx für das Wall Street Journal Deutschland

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