Philippe Blatter: „Wir haben hier null Toleranz“

Der Infront-CEO im Interview über Korruption im Sport, Chancen und Grenzen der Kommerzialisierung – und den Marktwert von Günter Netzer.

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Philippe Blatter ist President und CEO der Infront Sports & Media AG.

Herr Blatter, in wenigen Tagen beginnt die WM in Brasilien. Es scheint sich überall nur noch um Fußball zu drehen: TV-Spots, Werbeflyer – und natürlich Sammelbilder von Panini. Auch bei Ihnen?

Ich habe Zwillingssöhne, die sind jetzt neun Jahre alt, und das Paninifieber ist auch bei uns ausgebrochen. Sie tauschen auf dem Pausenplatz und kannten innerhalb einer Woche alle Spieler auswendig. Schade, dass es Panini nicht auch für Englisch oder Mathematik gibt.

Paninibilder sind international etabliert. Aber analog, fast altmodisch. Ist es nicht erstaunlich, wie gut das in der zunehmend digitalisierten Welt funktioniert?

Als ich Kind war, gab es Panini auch schon – einen Moment …

Philippe Blatter geht zu seinem Schreibtisch, öffnet eine Schublade und kommt mit einer Plastikhülle zurück. Darin drei Paninibilder aus dem Jahr 1974 – die Weltmeister Paul Breitner, Gerd Müller, Günter Netzer.

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Die Bilder haben meine Kinder getauscht. Ein Günter Netzer ist heute noch recht viel wert auf dem Pausenplatz. Meine Kinder haben es mitgebracht und sagten: Das musst du Herrn Netzer mal zeigen.

In Deutschland ist Günter Netzer das Gesicht von Infront. Was macht er konkret?

Günter Netzer sitzt im Verwaltungsrat und ist gleichzeitig Executive Director. Er ist regelmäßig hier im Büro. Er ist in viele Themen involviert, speziell in Deutschland, wo er oft unterwegs ist mit Vertretern unserer Klubs oder des DFB. Er hat langjährige Erfahrung, hat sehr viel gesehen, bringt Weisheit mit. Ich bin sehr froh, dass er dabei ist und sich immer noch so viel Zeit nimmt für Infront.

Zurück zu Panini: Müssten die Kinder heute nicht HD-Hologramme sammeln?

Es gab doch vor ein paar Jahren einmal den Vorschlag, dass man die Paninibilder auf dem Mobilgerät sammelt und sie so auch tauscht. Aber die Kinder wollen einen Stapel mit den Doppelten in der Hand halten.

Die Person

Philippe Blatter, 50, ist seit 2006 President & CEO der Infront Sports & Media AG mit Sitz im schweizerischen Zug. Vor seinem Einstieg beim Sportmarketing-Unternehmen im Jahr 2005 arbeitete er zehn Jahre für das Beratungsunternehmen McKinsey, wo er die Gründung Global McKinsey Sports Practice initiierte, deren Leitung er übernahm. Der Neffe von Sepp Blatter, dem Präsidenten des Weltfußballverbands Fifa, ist passionierter Triathlet und hat mehrere Ironman-Wettbewerbe absolviert.

Lässt sich das auf den Sport insgesamt übertragen? Stößt die Digitalisierung an ihre Grenzen?

Nein. Die Digitalisierung eröffnet neue Welten im Sport. Die Geräte werden immer ausgefeilter, der Medienkonsum wächst – vor allem im digitalen Bereich über Smartphones und Tablets. Wenn ein Verband eine WM organisiert – egal ob Eishockey oder Fußball – dann wollen die Leute dies überall und jederzeit verfolgen. Es geht einerseits um Komfort, aber auch um das Erlebnis. Die Fans wollen wirklich den Eindruck haben, dabei zu sein – auch außerhalb des Stadions.

Was erwarten Sie mit Blick auf Brasilien von den Übertragungsformaten?

Mit einer Fußball-WM sind immer neue Technologien verbunden: HD in 2006, 3D in 2010. Und jetzt in Brasilien gibt es das erste Mal den ultra-hochauflösenden Standard 4K. Der Zuschauer soll den Eindruck haben, vor Ort dabei zu sein.

Der Versuch, 3D über die WM 2010 in den Markt zu bringen, hat nicht funktioniert. Woran lag es?

Es stimmt schon, dass der Start nicht so lief, wie es erwünscht war. Aber wenn man das Beispiel HD nimmt: 2006 haben wir entschieden, die Fußball-WM in Deutschland in HD zu produzieren. Das war etwas völlig Neues. Es gab dann in den zwei, drei Jahren danach noch sehr wenig Programm in HD. Jetzt, acht Jahre später, man kann sich gar nicht vorstellen, Inhalte nicht in HD anzubieten.

Bei 3D dagegen tut sich immer noch wenig…

In China werden inzwischen Basketballspiele in 3D übertragen – auch ohne dass man eine Brille tragen muss. Es geht bei 3D nicht nur um Sport. Das Problem ist einfach: Der Content ist nicht da. Wenn man bei einer WM zehn Spiele in 3D produziert, dann reicht das nicht für einen 3D-Kanal. Und mit Ultra-HD 4K ist 3D fast obsolet geworden. Wenn man jetzt die Qualität betrachtet, dann ist das quasi 3D ohne Brille. Der Effekt ist der gleiche: Der Zuschauer fühlt sich als Teil des Events im Stadion. Aber bis jeder von uns zuhause 4K-kompatible Geräte hat und die entsprechenden Inhalte ausreichend verfügbar sind, werden schon noch ein paar Jahre vergehen.

Das Unternehmen

Infront Sports & Media ist nach eigenen Angaben die weltweite Nummer zwei im Sportmarketing – hinter dem US-Konkurrenten IMG. Infront entstand nach der Pleite der Kirch-Gruppe als Nachfolgerin der Kirch Sport. Es vertreibt Medien- und Marketingrechte und übernimmt die Medienproduktion für zahlreiche Sportereignisse. Ursprünglich stark auf das Fußballgeschäft fokussiert, diversifizierte Infront unter Philippe Blatter stark. Das Portfolio umfasst inzwischen über 25 Sportarten – ein Schwerpunkt liegt auch im Wintersport. Das Unternehmen hat über 500 Mitarbeiter und 20 Büros in zehn Ländern. Mehrheitseigentümer ist der europäische Finanzinvestor Bridgepoint. Für den Weltfußballverband Fifa übernimmt Infront über die Tochter HBS bei der WM 2014 in Brasilien die Produktion der Fernsehbilder. Gemeinsam mit der japanischen Agentur Dentsu ist Infront zudem verantwortlich für den Vertrieb der Medienrechte in Asien.

Wie konsumieren Sie selbst Sport? Nutzen Sie den Second Screen? Twittern Sie während eines Spiels?

Ich verfolge, was geschieht – und weiß, wie es funktioniert. Aber ich persönlich teile nicht jede Stunde auf Facebook oder Twitter mit, was ich gerade mache.

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Welche Bedeutung haben soziale Netzwerke für Sie als Vermarkter? 

Es reicht vielen Leuten nicht mehr, im Stadion zu sein und zum Sitznachbarn zu sagen: tolles Tor. Man will selbst vor Ort über soziale Medien kommunizieren. Schon letztes Jahr beim Champions-League-Finale wurden Tweets während der Halbzeitpause auf den Bildschirm im Stadion gespielt. Diese soziale Komponente ist auch für Sponsoren sehr wichtig, um die Fans zu erreichen. 30 Prozent der Sponsoringbudgets fließen inzwischen in die digitale Welt.

Geht es also immer weniger um das Spiel selbst?

Man will schon Action sehen. Aber ein Sportereignis ist ja viel mehr – und es startet weit vor Anpfiff.  Früher konnte man Fernsehen schauen und am nächsten Tag die Zeitung lesen. Heute gibt es Diskussionen in Foren, bei Twitter, Youtube oder Facebook vor, während und nach dem Event: Warum ist der Spieler verletzt, war die Gelbe Karte gerechtfertigt? Auch nach dem Spiel ergeben sich neue Aktivierungsmöglichkeiten. Sponsoren und Verbände können so die Aufmerksamkeitsspanne für ihren Event immer mehr erweitern. Man hat nicht nur zwei mal 45 Minuten oder drei mal 20 Minuten, sondern kann weit darüber hinausgehen.

Es muss auch den Moment geben, in dem es nur um den Sport geht. – Philippe Blatter

Ist der Trend eher angebots- oder nachfragegetrieben?

Es ist beides. Aber am Ende entscheidet der Fan, ob eine Dienstleistung gut ist oder nicht. Und es gibt keinen Sponsor mehr, der investiert, ohne genau zu wissen: Was hat es gebracht, wie stark wird es genutzt? Heute wird alles gemessen.

Was antworten Sie Kritikern der wachsenden Kommerzialisierung?

Kommerzialisierung gehört zum Sport und ist eine unglaubliche Chance. Das Geld fließt in den Sport, man kann Events weiterentwickeln und Infrastruktur bauen. Investitionen von Sponsoren und Medienunternehmen sind ein wichtiger Teil davon. Wichtig ist: Die Integrität und Identität des Sports muss dabei erhalten bleiben. Partner müssen die Möglichkeiten haben, ihr Engagement zu aktivieren. Aber es muss auch den Moment geben, in dem es nur um den Sport geht.

In Brasilien kommt es vor Beginn der WM zu Ausschreitungen. Bereitet Ihnen das Sorge?

Natürlich schauen wir, was passiert. Brasilien ist eine Demokratie und die Leute haben ein Recht, sich auszudrücken. Aber es wäre schön, wenn das ohne Gewalt passieren würde. Für uns steht die Sicherheit unserer Mitarbeiter im Vordergrund. Nur dann können Sie auch Qualität liefern.

Manche Kommentaroren fürchten, dass die WM wegen Unruhen unterbrochen werden könnte…

Ich habe die Chance, viel zu reisen. Und ich spüre überall Begeisterung für diese WM. Sie ist das Hauptthema, die Leute sprechen darüber. Man hat auch vor den Olympischen Winterspielen in Sotschi oder vor Olympia in London über mögliche Gefahren, wie Terroranschläge, gesprochen. Es  kann immer etwas passieren. Aber ich weiß, dass die brasilianische Regierung, das lokale Organisationskomitee und die Fifa alles tun, damit die WM gelingt.

Egal ob Katar, Russland oder Brasilien – die Länder kennen ihre Verantwortung. – Philippe Blatter

Gibt es keinen Zweifel, dass die Vergabe von Fußball-Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen in Wachstumsmärkte wie Brasilien und Russland oder auch Katar der richtige Schritt war?

Jede Region dieser Welt hat das Recht, ein großes Sportereignis zu organisieren. Wenn Leute sich begeistern können und wenn die Rahmenbedingungen stimmen, dann finde ich gut, wenn die WM auch in Wachstumsmärkte geht: egal ob Katar, Russland, Südafrika oder Brasilien. Die Länder kennen ihre Verantwortung. Über Katar wurde viel geschrieben. Es gibt nun hoffentlich viele Verbesserungen für die Menschen, die dort arbeiten – auch dank der WM und dem medialen Fokus. Auch die Winterspiele in Sotschi waren super organisiert. Und die Fußball-WM hat Südafrika viel gebracht, die Stimmung war toll. Und ich bin sicher, dass in Brasilien, dem Land des Fußballs, die Leute am Ende mit Begeisterung mitfiebern werden.

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Im Zusammenhang mit der WM-Vergabe nach Katar wird wegen Korruption ermittelt. Generell wird die Befolgung von Anti-Korruptionsregeln, Compliance genannt, in Ihrer Branche immer strenger überwacht. Wie stellen Sie sicher, dass dies bei Infront gelingt?

Wir haben sehr strenge Compliance-Richtlinien, die sich an den geltenden Gesetzen ausrichten, außerdem einen eigenen Compliance-Officer. Jeder Infront-Mitarbeiter – von der Rezeptionistin bis zum Verwaltungsratschef – muss einmal im Jahr einen Test absolvieren. Dabei müssen 85 Prozent der Fragen richtig beantwortet werden. In jedem unserer Büros gibt es in der Landessprache eine Hotline, um Fragen zu stellen, sowie eine Whistleblower-Hotline, die von einem Anwaltsbüro betreut wird. Alle müssen ein Training absolvieren, das auf die gesetzlichen Bestimmungen im jeweiligen Land angepasst ist. Wir haben hier null Toleranz.

Wenn wir einen Verdacht haben, dass ein Partner gegen unsere Compliance-Auflagen verstößt, arbeiten wir nicht mit ihm zusammen. – Philippe Blatter

Gilt das auch für Ihre Geschäftspartner – Verbände, Sportklubs und Sponsoren?

Das ist uns ganz wichtig. Wir haben Checklisten, bevor wir mit Sponsoren neue Verträge abschließen. Wenn alle Punkte erfüllt sind, steht der Partnerschaft nichts im Wege. Falls nicht alles klar ist, wird mit dem Compliance-Desk gesprochen – es werden eventuell Zusatzinformationen eingefordert. Wenn wir einen Verdacht haben, dass ein Partner gegen unsere Compliance-Auflagen verstößt, arbeiten wir nicht mit ihm zusammen.

Sportverbände allerdings scheinen immer noch anfällig für Korruption zu sein. Und oft kommt das ja erst viel später heraus – was tun Sie dann?

Jede erfolgreiche, einflussreiche Organisation ist stärker unter Beobachtung. Auf Verbände wird mittlerweile aufmerksam von allen Seiten geschaut, damit solche Sachen sich nicht wiederholen. Was in der Vergangenheit geschehen ist, kann ich nicht ändern. Aber die Frage ist vor allem: Was wird unternommen, damit es nicht mehr passiert? Es gibt zahlreiche Beispiele für Verbände die konkrete Maßnahmen treffen. Wenn Sie im Compliance-Bericht sehen, was die Fifa alles gemacht hat – da gibt es viele andere Organisationen, die noch nicht so weit gehen.

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Fifa-Präsident Sepp Blatter ist Ihr Onkel. Er hat nun angekündigt, noch einmal für den Posten zu kandidieren. Hat Sie das überrascht oder hatten Sie zuvor darüber gesprochen?

Nein, das ist seine Entscheidung. Da müssen Sie ihn fragen, wie da sein Entscheidungsprozess ist.

Sehen Sie sich regelmäßig?

Ich habe im März meinen 50. Geburtstag gefeiert. Da habe ich ein Fest organisiert und die gesamte Familie ist gekommen. Sonst sehe ich ihn nicht so oft. Normalerweise an Weihnachten, aber letztes Mal nicht, weil ich in Dubai war. Allerheiligen ist für uns auch ein Familienfest. Da gehen wir alle ins Wallis. In den letzten sieben Monaten habe ich ihn zweimal gesehen.

Reden Sie dann auch über den Job?

Wir sprechen über alles und nichts. Aber es ist nicht so, dass ich unbedingt über das Geschäft reden muss, wenn ich ihn sehe. Wir reden so, wie Sie das mit Ihrem Onkel auch tun.

Infront ist Nachfolger der Kirch Sport und hielt die Übertragungsrechte für die Fußball-Bundesliga. Nach der Kirch-Pleite übernahmen Investoren um den früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus. Anschließend gab es Reibereien mit der Deutschen Fußball Liga. Der Ex-Ligasekretär Wolfgang Holzhäuser sagte 2003: „Die Zeit der Agenturen ist vorbei.“ Hatten Sie eine Antwort, als Sie 2005 zur Infront stießen?

Außer dem Essen im Hospitality-Bereich hat sich in der Branche alles verändert – sei es auf dem technischen Level oder in der Art und Weise, wie wir mit Verbänden zusammenarbeiten. Aufseiten der Sportrechtehalter hat eine starke Professionalisierung stattgefunden. Sie wählen ihre Dienstleister in ganz spezifischen Bereichen, die sie mit ihren Experten und Teams nicht selber umsetzen können. Mit dieser Entwicklung hat sich unser gesamtes Geschäftsmodell verändert.

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Beschreiben Sie doch einmal.

Vor 15 Jahren  waren wir die Bank – sie kauft die Rechte für 100 und hofft, sie dann für 120 zu verkaufen. Wenn die Kosten 10 betragen, bleiben 10 Profit. Heute arbeiten wir sehr transparent mit unseren Partnern. Wir müssen immer neue Konzepte entwickeln und Innovationen anregen. Die Qualität unserer Dienstleistungen ist enorm wichtig. Als Sportmarketingfirma können wir zudem ein großes Distributionsnetzwerk in Medien und Wirtschaft bieten. Diese Vertriebsstärke können die Verbände meist nicht replizieren.

Wo sehen Sie noch Wachstumsmärkte des globalen Sports?

Großes Potenzial sehen wir in aufstrebenden Wachstumsmärkten wie Osteuropa, dem Nahen Osten oder Südamerika. Unser Kerngeschäft liegt in Europa und Asien. Wir sind beispielsweise seit 2005 im Basketball in China tätig – das war am Anfang nicht einfach. Inzwischen ist die CBA League eine der führenden Ligen in Asien, die Rechte werden sogar nach Amerika verkauft. Beim letzten Allstar Game hatten wir über 100 Millionen Zuschauer an einem Wochenende. Auch in der Türkei hat Basketball großes Entwicklungspotenzial – wir haben gerade ein Mandat des dortigen Verbands bekommen.

Sie haben ja auch „Gateway China“ ins Leben gerufen, also eine Art Türöffner-Initiative. Wer hat das schon genutzt?

Wir bringen das in verschiedenen Sportarten ein – etwa mit dem Damentennisverband WTA, als sie ein Büro in China eröffnet haben. Wir haben auch internationale Marken in den chinesischen Sport gebracht: UPS; Stanley Black & Decker, ExxonMobil. Und wir führen Gespräche mit europäischen Fußballklubs wie dem AC Milan, um sie in China zu begleiten. Auch in die andere Richtung funktioniert es – die  chinesische Modemarke 361° engagiert sich im internationalen Curling – das ist in China ein sehr beliebter Sport.

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Ist die starke Diversifikation die Folge davon, dass große Rechtehalter im Fußball wie die Verbände Fifa und Uefa mehr Rechte selber vermarkten?

Als ich zu Infront gekommen bin, lag der Fokus sehr stark auf Fußball. Ich habe mit den Eigentümern gesprochen und geraten: Infront sollte sich diversifizieren. Wintersport war strategisch wichtig für uns. Wir haben Akquisitionen getätigt, die uns ganz klar als Nummer eins positioniert haben. Mittlerweile arbeiten wir mit sechs von sieben olympischen Wintersportverbänden zusammen. Diese Entwicklung hin zu einem breiten Portfolio ist nur natürlich, da unser Geschäft sehr zyklisch ist. Letztes Jahr haben wir bei 20 Weltmeisterschaften in verschiedenen Sportarten einen Beitrag geleistet. Infront trägt jedes Jahr zu mehr als 3.400 Eventtagen im Spitzensport bei. Wir lernen bei jeder Sportart immer sehr viel und bringen das als Best Practice in andere Disziplinen ein.

Ihr größter Konkurrent, der Marktführer IMG, fokussiert stark auf die Vermarktung von Stars – auch außerhalb des Sports. Reizt Sie dieses Geschäft?

IMG ist anders positioniert. Sie sind stark in den USA, wo wir weniger präsent sind. Ich glaube, was uns auszeichnet sind Qualität, Innovation und unsere Mitarbeiter. Wir sind bei Sport-Events jeder Größe, auf nationaler und internationaler Ebene involviert. Ein wichtiges neues Feld für uns ist Ausdauersport: Wir haben in diesem Jahr B2RUN akquiriert, den europaweit größten Anbieter von Firmenläufen mit jährlich mehr als 100.000 Teilnehmern. Das werden wir auf weitere Städte wie Bremen und Länder wie die Schweiz ausweiten. Auch in China gibt es ein großes Interesse an Breitensport. Man merkt, dass Körperbewusstsein und Gesundheit für die Bevölkerung immer wichtiger wird.

Wird IMG im Sport an Boden verlieren nach dem Verkauf an die Talentagentur William Morris Endeavor und den Finanzinvestor Silver Lake Partners für 2,3 Millionen Dollar Ende 2013?

Jeder ist gespannt, was passieren wird. Auch wir. Der Preis war relativ hoch, wenn er stimmt. Wir werden sehen, wie das umgesetzt wird.

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Welche Rolle spielt die Übernahme von Infront durch die Private-Equity-Firma Bridgepoint vor drei Jahren für Ihre Strategie?

Bridgepoint unterstützt die bereits seit 2006 eingeschlagene Wachstums- und Expansionsstrategie. Als Infront verkauft wurde, haben wir eine Prognose gemacht. Wie viele unserer Rechteinhaber – es sind heute 130 in 25 Sportarten – würden bei uns bleiben? Das gleiche haben wir bei den Sponsoren gemacht, die mit uns arbeiten. Das Ergebnis: Über 90 Prozent vertrauen nach wie vor auf uns und neue sind dazugekommen. Das war eine Bestätigung, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Der europäische Verband Uefa hat die Nations League beschlossen – von außen betrachtet vielleicht eine gute Idee, weil es mehr Länderspiele gibt, in denen es um etwas geht. Sie als Vermarkter sind unmittelbar betroffen, weil von Ihnen vermarktete Freundschaftsspiele wegfallen.

Die Uefa hat sehr kompetente Mitarbeiter, die über Monate und Jahre überlegt haben, was sich optimieren lässt. Deshalb respektiere ich diese Entscheidung. Und jeder neue Wettbewerb ist eine neue Chance, so sehen wir das. Die Uefa Nations League ist eine gute Idee und wird sich etablieren. Infront als Vermarkter bietet sie ebenfalls Möglichkeiten.

Das heißt, Sie würden es probieren?

Warum nicht? Wir halten es wie der Eishockeystar Wayne Gretzky. Der hat einmal gesagt: 100 Prozent der nicht gemachten Schüsse gehen nicht rein.

Haben Sie vielen Dank für das Gespräch!

Thomas Mersch und Stefan Merx für das Wall Street Journal Deutschland

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