Stefan Ludwig: „Wir sind nicht klickgetrieben“

Der Leiter der DFB-Wirtschaftsdienste über das neu gestaltete Amateurportal Fussball.de, Chancen für kleinere Vereine und die Frage, wem die Spieldaten gehören.

Quelle: DFB

Herr Ludwig, in dieser Woche hat der DFB die Seite Fussball.de neu gestartet. Wie sind die ersten Zahlen nach dem Relaunch?

Fussball.de hatte im vergangenen Jahr mehr als zwei Milliarden PIs. Aber es gibt bei Internetportalen ja unterschiedliche Parameter. Beispielsweise die Visits, Unique User und vor allem die Verweildauer. Natürlich wollen wir möglichst viele Klicks auf der Seite genieren, aber wir sind nicht klickgetrieben und haben daher bei der Seite auch sehr auf Userfreundlichkeit geachtet und einige Klicks, die den User in der Vergangenheit genervt haben, abgeschafft.

Können Sie schon über die aktuellen Zugriffe sprechen?

Wir hatten am Tag des Launches knapp zwei Millionen PIs. Aber bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir diese Zahlen noch nicht analysieren oder interpretieren. Wir warten jetzt erstmal den ersten kompletten Monat ab, dann sehen wir genauer wo wir stehen.  Wir wissen aber bereits heute, dass die Zugriffe auf Fussball.de stark vom Spielbetrieb beeinflusst werden. Letztes Jahr hatten wir beispielsweise im September mit 290 Millionen PIs den stärksten Monat.

Begleiten Sie den Start mit einer Werbekampagne?

Nein, Fussball.de baut sozusagen auf der Amateurfußballkampagne „Unsere Amateure. Echte Profis.“ auf, die der DFB und seine Landesverbände im vergangenen Oktober gestartet haben und die beispielsweise das Kicker-Sportmagazin als die innovativste der DFB-Geschichte bezeichnet hat. Fussball.de ist sozusagen die digitale Erweiterung dieser Kampagne, die ebenso wie das Portal ein expliziter Wunsch der Basis gewesen ist.

Wie sind die ersten Reaktionen?

Wir bekommen sehr viel Feedback auf die Seite. Überwiegend ist dieses positiv, denn die Amateure freuen sich über ein Portal, dass nicht länger nur die Ergebnisse und Tabellen präsentiert, sondern viel mehr Service und Information. Damit muss sich der der ein oder andere User, der jahrlange an das alte Fussball.de gewohnt war, erst gewöhnen. Deshalb gibt es auch ein wenig Kritik, die wir sehr ernst nehmen und – so sie berechtigt ist – auch als Ansporn nehmen, die Seite Tag für Tag weiter zu entwickeln.

Wie groß ist die Redaktion?

Die Kollegen aus der Kommunikation haben ein Team mit acht Redakteuren aufgebaut, das sich im Schichtdienst an sieben Tagen in der Woche um Fussball.de kümmert.

Wie hoch liegen die Aufwendungen für das Portal? Sponsor´s nennt die Summe von 6,5 Millionen Euro jährlicher Investitionen durch den DFB. Stimmt das?

Diese Zahl kommt der Realität recht nah.

Soll Fussball.de über den Premiumpartner Deutsche Post hinaus monetarisiert werden? Werden die Einnahmen aus dem erweiterten Post-Sponsoring zweckgebunden für den Amateurfußball verwendet?

Die Anzahl der Partner für Fussball.de ist stark limitiert. Neben der Deutschen Post als „Strategischen Hauptpartner“ werden zukünftig noch weitere, wenige sogenannte „Offizielle Partner“ Fussball.de unterstützen. Alle Sponsoring-Einnahmen werden zweckgebunden für den Betrieb und die Weiterentwicklung von Fussball.de, also für den Amateurfußball, verwendet.

DFBnet hat zu signifikanten Kosteneinsparungen und Prozessoptimierungen geführt.

Hinter dem Portal steht die internetbasierte Fußballmanagement Software DFBnet, die in den letzten zwölf Jahren von DFB-Medien einer 100%-Tochter des DFBs entwickelt wurde. Die Software wird von allen fünf Regional- und 21 Landesverbänden sowie den mehr als 26.000 Vereinen und einer Million ehrenamtlicher Mitarbeiter zur Prozessunterstützung und elektronischen Datenverarbeitung des kompletten Spielbetriebs in Deutschland eingesetzt. Die integrierten Module garantieren bei annähernd vier Millionen aktiven Spielern, 78.000 Schiedsrichtern, 70.000 Trainern und zahlreichen Funktionären standardisierte Prozesse, einheitlichen Datenhaltung, höchste Datensicherheit und digitale Kommunikation. DFBnet hat bei den Vereinen und Verbänden zu signifikanten Kosteneinsparungen und Prozessoptimierungen geführt. Zudem ist in den Finanzierungskosten von Fussball.de auch ein Anteil für das DFBnet enthalten. Somit werden die Verbände und Vereine finanziell entlastet.

Ist weitere Werbung im Portal geplant?

Darüber hinaus ist keine weitere Werbung geplant oder möglich. Das Übermaß an Werbung war auch ein großer Kritikpunkt der User an der alten Fussball.de

Hilft das Portal den Vereinen auch dabei, individuell eigene Einnahmen zu erzielen?

Ein einheitlicher und professioneller Auftritt ist für den gesamten Amateurfußball von Vorteil.  Darüber hinaus bietet Fussball.de allen Vereinen und Mannschaften die Daten ihrer jeweiligen Ligen auf der eigenen Website mittels sogenannter Widgets einzubauen, um die Attraktivität und Aktualität der eigenen Medien zu verbessern.

Ist es geplant, über die Internetseite erlössteigernde Dienstleistungen für Amateurvereine einzubinden oder zu präsentieren?

Dies ist aktuell nicht geplant.

Welche Auswirkungen erwarten Sie für privat betriebene Portale mit einem ähnlichen Ansatz wie „fupa.net“ oder „fanreport.com“

Darüber können wir keine Auskunft geben.  Es gibt eine Vielzahl von Amateurfußballportalen und jede lokale oder regionale Zeitung berichtet regelmäßig in Print- und Online-Ausgaben über den Amateurfußball. Die Ergebnisdaten des Amateurspielbetriebs stehen unter gewissen Voraussetzungen auch kommerziellen Anbietern zur Verfügung. Über automatisierte Datentransfers in druckfähig aufbereiteten Formaten oder über Schnittstellen zu allen gängigen Redaktionssystemen und Sporttabellenprogrammen bieten wir diesen Service an. Unsere Vereine erhalten die Daten der jeweiligen Liga über Widgets, die in die eigene Website eingebunden werden können, natürlich kostenlos.

Fussball.de ist das größte Amateurfußballportal in Deutschland. Wer möchte, dass seine Videos möglichst oft gesehen werden, wird sie sicher auch hier einstellen.

Betrachtet der DFB spielbezogene Daten wie Ergebnise und Fakten als seinen Exklusiv-Inhalt?

Die Nutzung der Daten ist nicht exklusiv. Es gibt seit zwölf Jahren einen Service für Print- und Onlinemedien, der von großen Medienunternehmen genauso wie von lokalen Zeitungen als auch von Vereinen, z.B. höherklassige Klubs, die „professionelle“ Websites betreiben, genutzt wird. Darüber hinaus stellen wir in Form von Widgets jedem Verein und Verband die eigenen Daten für die Einbindung auf der eigenen Website als Service kostenlos zur Verfügung. Dadurch werden eigene Sites der Vereine attraktiver und können besser vermarktet werden.

Man wird aufgefordert, Videomitschnitte von Spielen hochzuladen, wenn wir es richtig verstehen. Gibt es hierbei Einschränkungen? Und: Darf man Videos von Amateurspielen auch auf beliebigen anderen Plattformen einstellen?

Nein, es gibt natürlich keine Einschränkungen und es besteht auch kein Exklusivitätsanspruch. Fussball.de ist aber das größte Amateurfußballportal in Deutschland, deshalb wird jeder, der möchte, dass seine Videos möglichst oft angesehen werden, diese sicherlich auch hier einstellen.

Vielen Dank für das Interview.

Stefan Merx für JP4

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