Stephan Schippers: „Wir sind offen für eine Ticketplattform der Liga“

Im Bestreben um fair gehandelte Tickets erwägt Borussia Mönchengladbach auch eine Teilnahme an der zentralen Zweitmarkt-Lösung der DFL.

Quelle: Borussia Mönchengladbach

Stephan Schippers ist Geschäftsführer von Borussia Mönchengladbach

Herr Schippers, Anfang des Jahres hatten Sie eine Klage gegen Viagogo angekündigt. Was ist daraus geworden?

Mitte Dezember 2013 haben wir eine Unterlassungserklärung an Viagogo in die Schweiz geschickt. Sie ist bei Viagogo eingegangen, aber es ist keine Reaktion erfolgt. Wir haben daraufhin im Mai dieses Jahres beim Landgericht Mönchengladbach Klage eingereicht. Diese Klage muss zugestellt werden. Da es sich um die Schweiz handelt, kann das bis zu fünf Monate dauern. In diesem Prozess befinden wir uns momentan.

Worauf lautet die Klage? Wollen Sie Viagogo generell hindern, Karten von Borussia Mönchengladbach zu handeln?

Es geht um Unterlassung. Bei uns war der Fall, dass aus unserer Sicht Viagogo Karten bei uns erworben hat, die sie vorher über die Plattform verkauft hatten. Und das kann nicht sein.

Erst verkaufen, nachträglich beschaffen – das klingt nach der falschen Reihenfolge…

Falsche Reihenfolge ist eine charmante Umschreibung. Viagogo sagt immer: Wir stellen nur eine Plattform zur Verfügung. Aus unserer Sicht war das hier aber nicht der Fall.

Zwei Dinge könnten sich erkennen lassen: Spekulativer Handel zum einen und zum anderen: Viagogo könnte daran aktiv beteiligt sein. Richtig?

Sie müssen verstehen, dass wir uns in einer Klage befinden. In diesem Stadium des Prozesses möchten wir keine interpretierbaren Äußerungen tätigen.

Es wirkt, als sei Viagogo mit den aktiv gesuchten Partnerschaften in der Bundesliga gescheitert. Zum Saisonstart 2014/15 sind von zwischenzeitlich über zehn Klubpartnern keine mehr übrig geblieben. Wie interpretieren Sie diese Wendung?

Ich denke, sämtliche Vereine haben den Fokus geschärft, um zu sagen: Wir wollen nicht, dass ein Dritter zu Lasten unserer Fans Geld damit verdient, unsere Tickets zu verkaufen. Es soll bestimmte Spielregeln geben. Deshalb sind wir gerade mit der DFL dran, eine ligaeinheitliche Lösung zu finden. Sie wird so weit offen sein, dass jeder Verein, der schon einen Ticketzweitmarkt hat, diesen weiter betreiben kann. Auf der anderen Seite kann sich auch jeder in dieser Plattform wiederfinden.

Ist denn Mönchengladbach interessiert daran, der noch zu schaffenden DFL-Plattform beizutreten?

Wir haben Plattformen über Borussia (http://forum.borussia.de) und  unser Fanprojekt (www.fanprojekt.de/de/service/pinnwand/3.html), über die Karten gehandelt werden können. Das wissen unsere organisierten Fans. Nichtsdestotrotz sind wir offen für eine Ticketplattform im Rahmen der Liga. Wenn uns die geplante Lösung zusagt, werden wir als Borussia Mönchengladbach sicherlich auch mitmachen.

Wie funktioniert die jetzige Plattform, die Ihre Fans geschaffen haben?

Es geht um die Fans, die mal nicht zu einem Spiel gehen können. Da wird zum regulären Preis getauscht in einem Maße, wie es gewollt ist: von Fan zu Fan. Es steckt keine Gewinnerzielungsabsicht dahinter – es basiert also auf dem gleichen Prinzip, auf das auch die Ligaplattform abzielt.  Es ist ein offenes System, dass den Zusammenhalt und die Entanonymisierung innerhalb der Fanszene fördert. Da es sich um unsere Fans handelt, geraten die Karten auch nicht an Gästefans.

Wie war der Füllgrad Ihres Stadions in der letzten Saison?

Wir lagen bei knapp 52.000 Zuschauern bei einer Kapazität von 54.010.

Hätten Sie die letzten 2000 Plätze mit Hilfe einer Zweitmarktplattform füllen können?

Die Lücke ist vor allem dem Gastbereich geschuldet. Die Ligastauten verlangen, dass wir bei jedem Bundesligaspiel 10 Prozent, das heißt 5400 Karten, für den Gastverein bereitstellen. Dieses Kontingent können wir in Absprache mit dem Gastverein auf 3500 Karten reduzieren, indem wir nur den Unterrang befüllen. Wenn aber der Gast nur mit 2500 Fans kommt, bleiben trotzdem 1000 Plätze frei. Insofern ist der Füllgrad von 100 Prozent nicht immer erreichbar.

Können Sie vorerst nur zusehen, wenn Viagogo munter weiter zu beliebigen Preisen Ihre Karten handelt?

Inzwischen weiß jeder Fan: Hier muss man vorsichtig sein. Denn die Gewährleistung ist nicht gegeben, dass ich mit einem bei Viagogo oder Ebay gekauften Ticket auch Zugang zum Stadion bekomme. Wenn uns missbräuchliche Aktionen im Internet auffallen, kontaktieren wir den Verkäufer und ziehen das Ticket zurück. Dem Käufer fällt erst beim Einlass auf, dass sein Ticket gesperrt ist. Auch etwas anderes hat die Diskussion um den Zweitmarkt nach vorne gebracht: Manche Spiele sind noch gar nicht ausverkauft – und trotzdem laufen parallel schon überteuerte Auktionen auf Verkaufsplattformen. Der erste Blick zum Verein ist also immer der richtige.

Vielen Dank für das Gespräch!

Stefan Merx für JP4

Kommentar hinterlassen


4 × drei =

© 2012 Pressebüro JP4

Nach oben scrollen