WTCC: Global aufs Gaspedal

Die Tourenwagenweltmeisterschaft WTCC hat sich etabliert – und verschafft Autoherstellern einen weltweiten Auftritt. 2015 rückt der Nürburgring ins Programm.

Quelle: Manuel Heckel

Sprachschule statt Bleifuß: Mühselig hangeln sich Sébastian Loeb und Tiago Monteiro von Silbe zu Silbe. Für ein Video der Tourenwagenweltmeisterschaft WTCC üben die Piloten die chinesische Aussprache des Satzes „Hallo China, wir kommen!“ – mit überschaubarem Erfolg. Doch die Botschaft ist klar: Die Teams und Fahrer tun viel für die richtige Stimmung vor den zwei Rennen der WTCC in China. Am ersten Oktoberwochenende gastiert der Rennzirkus in der Nähe von Peking, eine Woche später ist Shanghai an der Reihe. Davor war Argentinien an der Reihe, in der ersten Jahreshälfte fanden die Rennen überwiegend in Europa statt. Kein Zweifel: Die 380 PS-starken Tourenwagen fahren eine wahre Weltmeisterschaft aus.

Der Rennkalender ist auf die Absatzmärkte optimiert: Die Regionen, in denen gefahren wird, decken 70 Prozent der weltweiten Autoverkäufe ab, vermeldet Promoter Eurosport Events. Das ist ganz im Sinne der aktuell drei Fahrzeughersteller, die Werkteams stellen. Für Citroën, Honda und Lada ermöglicht das Engagement einen internationalen Auftritt. „Wir machen uns auf den Weg, eine globale Marke zu werden. Und die WTCC ist ein Motorsportereignis, das weltweit gesehen und wahrgenommen wird“, erläutert Stephan Lützenkirchen, Direktor Medien und Kommunikation bei Citroën, das Engagement.

Neuling Citroën fährt allen davon
Zu Beginn dieser Saison war der französische Autobauer in die Serie eingestiegen: Aus dem Rallyesport brachte der Konzern Seriensieger Sébastian Loeb als Fahrer mit zu den Tourenwagen. Sportlich lief es grandios: Bislang wurden alle Rennen von Citroën-Fahrern gewonnen, sowohl Fahrer- als auch Konstrukteurstitel sind praktisch sicher.

Den Erfolg des französischen Konkurrenten erkennt man bei der Konkurrenz neidlos an: „Der Erfolg von Citroën zeigt, dass wir an unserer Wettbewerbsfähigkeit arbeiten müssen“, sagt Anthony Chmarny, PR Manager Motorsport von Honda Europa. Im vergangenen Jahr hatten die Japaner den Konstrukteurstitel geholt und mit Gabriele Tarquini auch den Vize-Weltmeister gestellt – und sich auf die Fahnen geschrieben, diesen Erfolg mindestens zu wiederholen.

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Nach acht von zwölf Rennen sieht es eher bitter aus. Der Abstand nach vorne ist enorm. „Diese Saison hat sich das Blatt gewendet. Wir werden alles daran setzen, im kommenden Jahr wieder ganz vorne dabei zu sein“, sagt Chmarny. Da ist es wahrscheinlich kein Trost, dass immerhin der Vorsprung auf den dritten Hersteller in der Wertung, den russischen Autobauer Lada, ebenfalls gewaltig ist. Besonders auf dem Heimrennen in Suzuka, das noch auf die WTCC wartet, dürften einige Erwartungen liegen.

Strategien à la Carte
Citroën  und Honda setzen auf unterschiedliche Strategien, um das Engagement verkaufsfördernd einzusetzen. Der eingesetzte Rennwagen der Japaner etwa basiert auf der Straßenversion des Honda Civic für den europäischen Markt – das ermöglicht eine überzeugende Kommunikation: „Was auf der Rennstrecke durchhält, funktioniert auf der Straße erst recht“ bewirbt der Konzern das Fahrzeug. Citroën  dagegen schickt die Rennvariante des C-Elysée auf die Strecke der für die aufstrebenden Märkte in China, Nordafrika, Osteuropa und auch Südamerika konzipiert wurde. In Westeuropa ist er dagegen gar nicht verfügbar.

Dennoch spürt Lützenkirchen auch hierzulande ein großes Interesse an dem Motorsport-Engagement. Zu sehen war das etwa bei dem WTCC-Rennen am Salzburgring, zu dem 200 angereiste Händler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eine ganze Tribüne füllten. „Wir sind erfreut und ein bisschen überrascht“, sagt Lützenkirchen. Beim Rennen im belgischen Spa hatte dann Honda einen großen Auftritt: 200 Käufer des Civic Type R durften selbst eine Runde auf der legendären Rennstrecke drehen und sich mit den Fahrern austauschen. In der kommenden Saison warten für die deutschen Abteilungen der Hersteller ein besonderes Highlight: Die WTCC wird im Rahmen des 24-Stunden-Rennens auf der Nordschleife am Nürburgring gastieren. „Das wird eine tolle Chance, das Engagement für uns vor Ort zu aktivieren“, sagt Lützenkirchen.

Quelle: Manuel Heckel

Quotenzuwachs für die Tourenwagen
Der Promoter Eurosport Events garantiert in der gesamten Saison eine verlässliche TV-Präsenz. Insgesamt strahlen 111 Fernsehsender weltweit das selbst produzierte Signal aus. Vor wenigen Wochen vermeldete Eurosport, dass die Live-Einschaltquote in der ersten Saisonhälfte um 40 Prozent höher war als im Vorjahr. „Die WTCC ist ein Instrument, womit man mit überschaubaren budgetärem Aufwand eine enorme Sichtbarkeit erzielen kann“, sagt Lützenkirchen.

Fraglich ist, ob auch weitere Hersteller in Zukunft dazukommen und der Serie zusätzlichen Aufschwung verleihen. Da die Rennwagen nah an den Serienmodellen liegen, fallen Entscheidung oft kurzfristig. Eine Absage gibt es bereits von Seat. Zwar fahren aktuell einige Autos des Herstellers mit, die werden allerding von Privatteams eingesetzt. Das Unternehmen will sich weiterhin auf den Kundensport konzentrieren. Manchmal kreuzen sich dabei die Wege: Eine der sechs Rennwochenenden der eigenen Rennserie Seat Leon Eurocup fand im Rahmenprogramm der WTCC statt – auf dem Salzburgring gingen die Fahrzeuge zwischen den Trainingsrunden und Rennen auf die Strecke.

Manuel Heckel für Horizont

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