Wie die Solar-Krise die Vereine trifft

Durch die Q-Cells Pleite hat der BVB einen wichtigen Partner verloren – anderen Klubs könnte es ähnlich ergehen. Die Solar-Sponsoren werden sich zurückziehen.

Quelle: Bundesverband Solarwirtschaft

Vor knapp einem Jahr war alles eitel Sonnenschein. Im Juli 2011 verkündete Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund, in einem Schweizer Luxushotel eine neue „Champions-Partnerschaft“. Fünf Jahre sollte der Sponsorenvertrag des neuen deutschen Meisters mit der Solarfirma Q-Cells gelten. Während neben ihm Trainer Jürgen Klopp werbewirksam lächelte, versprach Fußball-Manager Watzke eine „spannende Zeit“.

Aufregend wurde die Kooperation tatsächlich – allerdings wohl nicht so, wie es sich Watzke vorgestellt hatte. In den vergangenen Wochen musste die Vereinsführung zuschauen, wie sich Lage ihres Solarsponsors fast täglich verschlechterte. Am Dienstag meldete Q-Cells Insolvenz an, aus dem Champions-Partner ist ein Absteiger geworden. Gestern haben beide Parteien ihren Vertrag einvernehmlich gekündigt. Dortmund verliert nach eigenen Angaben damit in den kommenden vier Spielzeiten jeweils rund 1,5 Millionen Euro. Fraglich ist zudem, wer in Zukunft die riesige von Q-Cells gelieferte Solaranlage auf dem Dach des Stadions wartet. „Wenn so ein großer Sponsor verloren geht, ist man natürlich nicht gerade begeistert“, kommentiert BVB-Finanzchef Thomas Treß.

Die Krise der Solarbranche trifft den Profifußball. Nach dem Aus von Q-Cells muss eine ganze Reihe von Klubs um ihre lukrativen Sponsoringverträge fürchten. In den vergangenen Jahren hatten sich Solarfirmen um Deals mit Fußballvereinen regelrecht gerissen. Bayer Leverkusen etwa gab dem US-Konzern Sunpower noch in letzter Sekunde dem chinesischen Rivalen Jinko den Vorzug, der einige Tage zuvor noch als exklusiver Solar-Partner angekündigt worden war. Und Dortmund stand nach eigenen Angaben vor dem Abschluss mit Q-Cells mit etwa 20 Unternehmen in Kontakt. Inzwischen ist ein gutes Dutzend Unternehmen aus der Solarwirtschaft als Werbepartner allein in der ersten Bundesliga vertreten. Sollte sich die Krise weiter verschärfen, drohen den Vereinen spürbare Einnahmeausfälle.

In Krisenzeiten wird zuerst das Sportsponsoring gestrichen

Nicht nur die Pleite eines Partners könnte zu Einbußen führen. Experten halten es für wahrscheinlich, dass Solarfirmen ihre Marketing-Etats zusammenkürzen oder sich sogar ganz aus der Bundesliga verabschieden. In Krisenzeiten sei das Sponsoring einer der ersten Posten, die zurückgefahren würden, sagt Marketing-Professor Markus Voeth von der Uni Hohenheim. „Wenn das Geld knapp ist, dann verlässt man sich eher auf Instrumente, deren Erfolg man direkt messen kann. Beim Sponsoring funktioniert das nicht ohne Weiteres.“ Hinzu kommt: Die Bundesliga sei als Werbeplattform extrem teuer.

Ihr Geld brauchen viele Solarfirmen jetzt an anderer Stelle. Denn es herrscht ein gnadenloser Preiskampf. Chinesische Hersteller fluten den Markt mit günstigen Produkten, nur wer in die neueste Produktionstechnik investiert, kann mithalten. Für viele ist das ein finanzieller Kraftakt: „Die Liquiditätssituation ist extrem angespannt“, sagt Solar-Experte Manfred Jaisfeld, Analyst bei der National-Bank. Kritisch sieht er insbesondere die Lage bei den deutschen Solarherstellern – zum Beispiel bei Solarworld, einem wichtigen Sponsor des Bundesligisten 1. FC Köln. Solarworld  gab vor zwei Wochen einen Verlust von rund 300 Millionen Euro für 2011 bekannt. Jaisfeld prognostiziert: „Solarworld wird auch in Zukunft nicht aus den roten Zahlen herauskommen.“ In Köln gibt man sich gelassen: Man habe die Versicherung, dass Solarworld auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zum Verein stehe, sagt ein FC-Sprecher.

Für die Solar-Unternehmen verliert ein Sponsoring in Deutschland an Bedeutung. Weil der Staat seine Subventionen für die Betreiber der Anlagen zurückfährt, droht der Markt an Bedeutung zu verlieren. Für Anlagen, die nach dem 1. April dieses Jahres installiert werden, sinkt die Förderung um bis zu 40 Prozent. „Die Umsätze werden nach unten gehen. Dadurch sinken auch die Anreize, hier weiter zu werben“, sagt Jaisfeld.

Chinesische Sponsoren achten auf starke Marken

Am ehesten traut Jaisfeld den chinesischen Firmen zu, ihre Werbe- und Sponsoringetats stabil halten. Sie seien international gut aufgestellt – auch dank der großzügigen Exportförderung durch die chinesische Regierung. „Sie wollen die Schwäche der deutschen Wettbewerber nutzen und in die Lücke stoßen“, sagt Jaisfeld. Mittlerweile würden die Chinesen nicht mehr nur auf günstige Preise setzen, sondern auch auf eine starke Marke achten. Chinesische Sponsoren haben derzeit Hoffenheim (Suntech), Schalke (Chaori),  Hamburg (Hanwha), Bremen (Sun Earth) und Bayern (Yingli).

Neben dem chinesischen Trikotsponsor Suntech setzt 1899 Hoffenheim auch auf eine Partnerschaft mit einer heimischen Firma. Der deutsche Projektplaner Wirsol ist Namensgeber des Stadions. Zwar erwartet auch Geschäftsführer Jochen Rotthaus eine Konsolidierung der Branche. Er ist aber zuversichtlich, dass Wirsol und Suntech gut durch die Krise kommen: „Da heißt es dann eben Daumendrücken und dem Partner auch einmal entgegenkommen, wenn es nötig ist.“

Für Dortmund ist der Verlust von Sponsor Q-Cells zwar ärgerlich – die finanziellen Einbußen aber sind laut Finanzchef Treß verkraftbar. Der Klub werde sich nun nach einem neuen Geldgeber umschauen. Dass der neue Sponsor auch aus der Solarbranche stammt, ist nicht nur aufgrund des schlechten Marktumfeldes unwahrscheinlich: „Mit der Q-Cells-Anlage auf dem Dach wird das natürlich schwieriger“, sagt Treß.

Noch in diesem Monat wird die Anlage auf dem Dortmunder Stadion eingeweiht. In Feierlaune wird vermutlich keiner der Beteiligten sein.

Frederic Spohr für Handelsblatt Online

 

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