Sportwetten-Start-ups: Sie wollen nur spielen

Zum Bundesliga-Auftakt hoffen Sportwetten-Start-ups auf viel Aufmerksamkeit. Die rechtliche Lage ist dabei oft knifflig.

Quelle: The Social Bet

Die Sommerpause ist vorbei: Am Abend startet die Fußball-Bundesliga in eine neue Saison. Und Start-ups aus dem deutschsprachigen Raum fiebern aus ganz eigennützigen Gründen mit: Wenn der Ball jetzt wieder regelmäßig rollt, so hoffen die Gründer hinter jungen Tipp- und Wett-Apps, dann stürmen auch die Nutzerzahlen in die Höhe.

Von der Begeisterung für den Fußball wollen die Start-ups dabei mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen profitieren. Denn mit tatsächlichen Wetten bewegen sich Start-ups in Deutschland auf rechtlich schwierigem Terrain – direkt oder indirekt wollen aber viele Unternehmen auf dem Markt mitmischen, der alleine in Deutschland im vergangenen Jahr um 20 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro Umsatz gestiegen ist.

Das im vergangenen Jahr gestartete Gambify wollte etwa ursprünglich nicht nur klassische Tipprunden digitalisieren, sondern auch Einsatz und Auszahlung von Gewinnen in die App integrieren. Schnell wurde jedoch klar, dass die beiden Gründer dabei vor einige rechtliche Schwierigkeiten stellen werden. Heute gibt es daher virtuelle Punkte für richtige Tipps. Die können zum einen in einem Shop gegen vergünstigte Sportartikel eingetauscht werden, zum anderen gibt es für die allerbesten Tipper Sondergewinne, wie aktuell etwa Tickets für die Europameisterschaft in Frankreich. „Vielen Spielern geht es darum, für den richtigen Tipp belohnt zu werden“, sagt Gründer Tobias Degele. Das Geld stehe nicht im Vordergrund.

Aktuell bauen Degele und Mitgründer Marc Höffl die App mit eigenen Mitteln aus und wollen sie im Laufe des nächsten Jahres technisch und konzeptionell verbessern. Außerdem haben die beiden Gründer verschiedene Ideen, um mit der App Geld zu verdienen, etwa über ein Affiliate-Modell im Prämienshop oder buchbare Produktplatzierungen zu wichtigen Spieltagen.

Reichweite gesucht
Erst einmal steht aber das Wachstum bei den Nutzerzahlen im Fokus: „Ohne Reichweite machen diese Modelle alle noch keinen rechten Spaß”, sagt Degele. Etwa 50.000 Nutzer verzeichnet die App aktuell, eine Kooperation mit Sportreporter Frank Buschmann und bekannten Sportlern soll jetzt noch einmal für Aufschwung sorgen – und brachte die App aktuell in den Apple-Store-Charts auf Rang drei in der Kategorie Sport. Führend ist der Platzhirsch Kicktipp.de, der auf seiner Website bereits seit 15 Jahren mit diesem Angebot unterwegs ist.

Mit einem ähnlichen Ansatz ist in Österreich The Social Bet ins Spiel gegangen. Auch hier können Nutzer kostenlos Tipprunden anlegen und um Gewinne spielen. Im Fokus steht das Heimatland, aber bereits die zweitgrößte Nutzergruppe kommt aus Deutschland. „Die Leute wollen nicht gegen einen Wettanbieter spielen, sondern gegen Freunde und Bekannte“, sagt Mitgründer Paul Polterauer. Umsätze sollen dadurch entstehen, dass die Plattform an andere Unternehmen in deren Layout lizensiert wird. Die ersten Verhandlungen liefen vielversprechend, sagt Polterauer – Interesse hätten neben Medienhäusern auch Sponsoren von österreichischen Bundesligisten gezeigt.

In weiterer Ferne steht die Ausweitung auf das tatsächliche Wettgeschäft. „Wir wollen das auch irgendwann mit Geld anbieten, aber für ein Start-up ist das sehr aufwendig und teuer”, sagt Polterauer. Eine mögliche Zwischenlösung – die auch Gambify ins Visier nimmt – ist die Kooperation mit etablierten Sportwettenanbietern, die neue digitale Produkte ins Portfolio bringen wollen. Sie wurden bereits von einem Glückspielunternehmen und einem Wettanbieter angesprochen.

Einen Schritt weiter ist da das Berliner Start-up Couchsport. In dessen App Tippn kann man mit einer Wischbewegung echtes Geld auf echte Spiele setzen. „Es geht hin zu einfachen Produkten, wir wollen den Spaßfaktor in den Vordergrund stellen“, sagt Gründer Alex Napetschnig. Das Start-up wird unter anderem durch die Business Angels Christoph Maire, Frank Briegmann und Lars Dittrich finanziert.  Das eigentliche Wettgeschäft läuft dabei jedoch über den exklusiven Partner Tipico, der über die notwendigen Lizenzen verfügt und sich um Quoten und Aus- und Einzahlung von Einsätzen kümmert. Couchsport kümmert sich darum, dass die Lösung technisch reibungslos funktioniert und optisch ansprechend aussieht: „Wir sind da ganz klar als eine Entwicklungseinheit zu sehen“, sagt Napetschnig. Er weiß um die regulatorischen Herausforderungen: „Ohne einen strategischen Partner ist es da ganz schwierig.“

Gelegenheitstipper statt Profizocker
Den mühsamen Weg hat die österreichische Firma Ruleo Alpenland auf sich genommen – und mit der Marke Btty eine eigene mobile Lösung für Sportwetten gegründet. Ein privater Investor sorgt für die Finanzierung. Auch hier steht der soziale Charakter beim Wetten im Vordergrund, im Visier hat das Unternehmen eine jüngere Zielgruppe als bei etablierten Anbietern. „Wir wollen das etwas frischer angehen“, sagt Wichard von Alvensleben, Marketing Director bei Btty.

Durch die Diskussionen um das deutsche Glücksspielmonopol dauerte es zwei Jahre und zahlreiche rechtliche Gutachten, bis alle notwendigen Genehmigungen vorlagen, um die App auf den Markt zu bringen. „Wir als Anbieter können nicht mehr tun, als alle Regeln einzuhalten”, sagt von Alvensleben. Dazu gehört etwa, dass zuständige Behörden die Transaktionen nachvollziehen können, es eine Zusammenarbeit mit einem Beobachtungsdienst für Wettmanipulationen gibt und es auf der Startseite der App einen direkten Link zum Spielerschutz gibt. Durchschnittlich zehn Euro pro Wette registriert das im vergangenen Jahr gestartete Start-up zurzeit. „Das ist Entertainment, da verspielt keiner Haus und Hof.“

Um im Wettkampf mit den Branchengrößen an Reichweite zu gewinnen, setzt Btty dabei auf den Basketball als Zugpferd. Das Unternehmen tritt als Premium-Partner der deutschen Basketball-Bundesliga auf – für das Wettangebot ist der Fußball natürlich trotzdem relevant. „Wir wachsen da aus der Nische“, sagt von Alvensleben. „Wer auf Basketball wettet, hat oft auch Interesse an Fußball – der Abstrahleffekt ist nur logisch“.

Den Hardcore-Zocker wolle man dagegen gar nicht ansprechen, sagt von Alvensleben. Lieber möchte man den Gelegenheitstipper mit ausgefalleneren Wetten überzeugen. Zum Bundesliga-Auftakt kann man etwa darauf setzen, wie viele Tore am ersten Spieltags-Wochenende fallen – unter der Überschrift “Schützenfest oder Catenaccio”.

Manuel Heckel für Wirtschaftswoche Gründer.

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