Joachim Strunk (S20): “Bei vielen Klubs würde neu verhandelt werden”

Was denken Sponsoren über eine Verknappung der Bundesliga im Free-TV? Der S20-Vorstand spricht im Interview über mögliche Konsequenzen für die Klubs.

Foto: Postbank

Als Kommunikationschef der Postbank ist Joachim Strunk auch Herr über das Sponsoring. Zudem spricht er als Vorstand der Interessengruppe „S 20“ im Namen von 16 Großsponsoren, die rund 500 Millionen Euro im Jahr in den Sport investieren. Intensive Präsenz im frei empfangbaren Fernsehen ist für ihn unverzichtbar.

Herr Strunk, wie sehr hängen die Sponsoren an der „Sportschau“?

Sie ist sehr relevant für uns, auch wenn wir als S 20 nicht festgelegt sind auf öffentlich-rechtliches Fernsehen. Uns geht es rein kaufmännisch darum, dass unsere Marken auch im Free-TV möglichst breit sichtbar sind. Und da ist die „Sportschau“ für uns ein dicker Tanker, das dominante Format, das Woche für Woche von den Fans eingeschaltet wird.

Nun gibt es Überlegungen, diesen Sendeplatz zu verkleinern. Repucom errechnet einen potenziellen Verlust an Werbewert von 111 Millionen Euro im Jahr. Überrascht Sie die Zahl?

Nein, ich wäre sogar von höheren Einbußen ausgegangen. Ob man eine solche Lücke füllen könnte, etwa über mehr Abonnenten im Bezahlfernsehen – das ist für uns Sponsoren die zentrale Frage. Vorteil der Highlight-Sendungen ist ja auch, dass jeder Sponsor sichtbar wird, weil alle Klubs vorkommen. Beim Pay-Modell gucken manche Fans nur ihren Lieblingsklub.

Würden Sponsoren ihre Verträge mit den Bundesliga-Klubs nachverhandeln?

Natürlich wird man über den Preis reden müssen, wenn die Ware nur noch die Hälfte wert ist. Das ist ein kaufmännischer Reflex. Ich gehe davon aus, dass bei vielen Klubs neu verhandelt werden würde.

Sie haben das Postbank-Sponsoring bei Borussia Mönchengladbach bis 2020 verlängert. Mit einer Option auf Nachverhandlung?

Grundsätzlich sind Sponsoren gut beraten, Verträge flexibel zu halten, wenn während der Laufzeit eine Rechtevergabe ansteht.

Hintergrundbericht zum Poker um die Sportschau.

Erwarten Sie von der DFL, dass sie beim TV-Rechtepoker das Sponsoreninteresse berücksichtigt?

Mit unserem großen Interesse am Free-TV wollen wir gehört werden. Wir erwarten, dass man bei der DFL bei der Neuvergabe der TV-Rechte nicht nur auf die Zahl unten rechts guckt, sondern auch dafür sorgt, Zugang zu unseren Markenbotschaften zu schaffen – so, wie es jetzt auch eingepreist ist.

Wenn mehr Fußball hinter der Bezahlschranke verschwindet, könnte die Liga mehr einnehmen. Ist das der Preis für internationale Konkurrenzfähigkeit?

Auch wir wollen, dass die Bundesliga sportlich wettbewerbsfähig bleibt und nicht leer gekauft wird von den Engländern. Die Liga muss aber auch attraktiv bleiben für den heimischen Werbemarkt. Das Gesamtpaket muss stimmen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Stefan Merx für das Handelsblatt

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