Martin Nolte: “Auch private Unternehmen könnten eine Fußball-WM veranstalten”

Wenn Verbände ihre Events ruinieren, übernehmen Sponsoren den Driverseat. Rechtlich sei vieles möglich, erklärt Sportrechtsprofessor Martin Nolte.

 

Foto: privat

Martin Nolte ist Professor und Direktor des Instituts für Sportrecht an der Deutschen Sporthochschule Köln.

Herr Nolte, rein rechtlich gesehen: Könnten statt der Fifa oder des IOC auch privatwirtschaftliche Unternehmen eine Fußball-WM oder Olympische Spiele veranstalten?

Es gibt eingetragene Markenrechte auf nationaler wie auch auf internationaler Ebene. Dabei geht es um unterscheidungsfähige Marken der Dachorganisationen, die nicht anderweitig in Anspruch genommen werden dürfen. Die Fifa Fußball-Weltmeisterschaft ist eine Veranstaltung, die nur durch Fifa organisiert werden kann.

Wie ist die Lage, wenn der Zusatz „Fifa“ wegfällt?

Es gibt eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs zur Eintragungsfähigkeit der Marke Fußball-WM. Diese ist nicht gegeben, weil es eine geläufige Bezeichnung ist, der zudem die Beziehung zu der Person fehlt, die sie kreiert hat. Also könnten private Unternehmen im Prinzip auch eine eigene Fußball-Weltmeisterschaft organisieren.

Müsste man das anders nennen – etwa Weltfußballfest?

Das wäre die ganz sichere Lösung – am besten noch in Kombination mit dem Firmennamen.

Wie sieht es bei Olympischen Spielen aus?

Seit 1981 besteht eine völkerrechtliche Konvention, die Nairobi-Konvention, zum Schutz von olympischen Symbolen und Kennzeichnungen. In Deutschland ist dies 2004 im Zuge der Bewerbung der Stadt Leipzig mit dem Olympia-Schutzgesetz umgesetzt worden. Danach ist es unzulässig, olympische Symbole und Kennzeichnungen zu geschäftlichen Zwecken zu verwenden, ohne dass die Eigentümer einverstanden sind. Hierzulande ist das neben dem IOC der Deutsche Olympische Sportbund.

Leidet das Image von Verbänden, könnten Unternehmen vermehrt auf die Idee kommen, selbst Events zu kreieren.

Unternehmen können ja auch als Sponsoren dabei sein. Was bringt es ihnen, Events selbst zu besitzen?

Was für das klassische Sponsoring zählt, gilt auch für die Durchführung eigener Events: Es geht darum, Botschaften an Verbraucher oder Geschäftspartner zu verbreiten. Ein Sponsor hat dabei nur begrenzten Einfluss. Wer selbst organisiert und durchführt, kann alles frei bestimmen. Grundsätzlich haben Sponsoren hohe Erwartungen an ihre Partner, zu denen auch die Verbände zählen. Wenn deren Image etwa durch Manipulationen leidet, könnten die Unternehmen vermehrt auf die Idee kommen, selbst Events zu kreieren.

Die Fifa wird wie auch andere große Sportverbände von einem Korruptionsskandal erschüttert. Privatwirtschaftliche Unternehmen dagegen unterliegen strengen Compliance-Richtlinien. Wäre die Lage besser, wenn sie die Verbände als Veranstalter von internationalen Großturnieren ablösen würden?

Das unterstellt, dass allein die Organisationsform eine Gewähr dafür bietet, dass Compliance-Regeln beachtet werden. Was aber ist dann mit Volkswagen? Es gibt genug Beispiele von korruptiven Praktiken und Betrügereien in Wirtschaftsunternehmen. Bei Sportverbänden gibt es einen anderen Hebel. Über den Status der Gemeinnützigkeit profitieren sie von Steuererleichterungen. Diese Förderung kann man davon abhängig machen, dass Mindeststandards im Hinblick auf verantwortliches Handeln bestehen.

Könnte man nicht private Unternehmen dazu verpflichten, zumindest Teile der Gewinne aus der Veranstaltung von Großturnieren abzuführen, um etwa den Breitensport zu fördern?

Das ginge natürlich über eine Steuer. Die Frage ist, ob das unter dem Strich mehr bringt als der Versuch der Verbesserung innerhalb der bestehenden gemeinnützigen Strukturen. Generell wird diese Frage wichtiger werden, weil Unternehmen zunehmend versuchen, klassische Events zu kontrollieren. Wir sehen das ja schon im Radsport und Tennis oder bei vielen Marathonläufen. Wir entfernen uns dabei von den Wohlfahrtsfunktionen, die wir beim Sport ja im Vordergrund sehen. Es ist zudem wichtig, dass auch hier Regeln gegen Manipulation oder Doping greifen.

Sind die Konsequenzen möglicher Rechtsverstöße in der Privatwirtschaft härter als im Verbandswesen? Nach Bekanntwerden der Abgasmanipulationen bei VW halbierte sich der Börsenkurs nahezu, die verantwortlichen Manager sind weg – im Gegensatz zur Fifa scheint VW konsequent aufzuräumen.

Der Prozess bei der Fifa ist vielleicht schwerfälliger. Aber folgenlos ist das Fehlverhalten nicht – das werden die derzeit inhaftierten Ex-Fifa-Funktionäre sicher bestätigen.

Haben Sie vielen Dank für das Gespräch. 

Thomas Mersch und Stefan Merx für HORIZONT

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