„Wenn Köln absteigt, profitieren wir“

Heribert Bruchhagen, Boss von Eintracht Frankfurt, spricht über die TV-Geld-Verteilung und erklärt, warum eine 20er-Bundesliga im Sinne des Steuerzahlers ist.

Quelle: Steffen Ewald über Wikimedia (CC BY-SA 3.0)

Heribert Bruchhagen ist Vorsitzender des Vorstands der Eintracht Frankfurt Fußball AG.

Herr Bruchhagen, wie haben Sie Ihren Abstieg vor einem Jahr erlebt?

Wenn der Umsatz eines Unternehmens von 68 Millionen über Nacht auf 39 Millionen zurückfällt, dann ist das ein herber Schlag. Ich habe zwar eine Stellschraube: die Spielergehälter. Aber sie müssen ja nach wie vor 60 Mitarbeiter im Backoffice bezahlen und die Kontinuitäten des Vereins gewährleisten. Der Schnitt ist hart.

Fiel es Ihnen leicht, die Spielergehälter zu reduzieren?

Ich habe immer Verträge abgeschlossen, die auch für die zweite Liga galten und dann eine Einbuße der Spieler von rund 40 Prozent vorsahen.

Im Vergleich zum Zweitliga-Rekordetat von rund 20 Millionen Euro legen Sie nun nach dem Aufstieg nur 4,5 Millionen Euro drauf. Wieso so bescheiden?

Im letzten Jahr, als wir abgestiegen sind, hatten wir einen Spieleretat von 29,4 Millionen Euro. Die 24,5 Millionen sind nun unser Planansatz, es ist ein niedriger Etat. Wir kehren jetzt nach einem Jahr zurück und haben bei weitem nicht mehr den Platz im Fernsehgeld-Ranking, den wir vorher hatten. Wir sind um vier, fünf Plätze zurückgefallen sind, und jeder Fernsehplatz, den man zurückfällt, kostet eine Zahlung von rund 800.000 Euro. Wenn Köln absteigt, würden wir davon profitieren. Wenn Hertha absteigt, nicht. Die können wir im Fernsehranking nicht einholen.

Jüngst haben Sie Ihren Vorschlag von 2005 wiederholt, die Liga auf 20 Vereine aufzustocken. Warum?

Ich habe nur in einer Diskussion erwähnt, dass die Argumente noch gravierender geworden sind. In Anbetracht der Tatsache, dass Vereine wie Kaiserslautern, Köln und Berlin Abstiegskandidaten sind und hier wieder tolle Stadien nicht genutzt werden. Der Steuerzahler hat in Deutschland 25 bis 30 neue Stadien entstehen lassen, die Stadien sind nahezu ausverkauft, die Menschen wollen Bundesligafußball.

Den bekommen sie doch auch…

Wir haben unser letztes Heimspiel am 26. April gegen 1860 München gehabt. Und wenn wir Pech haben und am 26. August zum Bundesligastart ein Auswärtsspiel, dann spielen wir dort erst wieder am 2. September. In den Monaten Mai, Juni, Juli, August hätten wir kein einziges Spiel und generieren keine Einnahmen. Und das ist natürlich für uns ein sehr großes Problem. Dass Borussia Dortmund und Bayern München, die international spielen, eine andere Position haben, das ist doch klar. Aber die Argumente, die damals abgelehnt wurden, sind aus meiner Sicht noch klarer und durchschlagskräftiger geworden.

Das hätte auch gegolten, wenn die Absteiger Augsburg und Freiburg geheißen hätten – also nicht die großen Traditionsvereine gewesen wären?

Ja. Aber das hat jetzt schon den Ausschlag gegeben in der Diskussion. Die Stadien sind ja überall nahezu ausverkauft. Die Menschen wollen die Bundesliga.

Aber das wollen sie auch in Paderborn.

Deswegen bin ich ja auch unbedingt dafür. Paderborn wäre doch mit einer 20er-Liga auch viel besser bedient. Da wäre deren Sicherheit, im Profifußball zu bleiben, auch viel größer. Wenn jetzt zum Beispiel Alemannia Aachen oder eventuell ja auch der Karlsruher Sport Club zurückgehen, das ist doch auch nicht wünschenswert.

Das klingt nach Bestandsschutz.

Sportlichen Abstieg muss es geben, ganz klar. Aber es ist genug Zeit und Platz für zwei Zwanzigerligen. Das ist meine Position.

Der Klubchef von Borussia Dortmund, Hans-Joachim Watzke, lehnt dies ab. Er entgegnet, die Bundesliga sei ein Premium-Produkt, gerade weil sie so spannend sei.

Die Premier League oder die Serie A, das sind doch alles Premium-Ligen, oder nicht? Vereine, die in den letzten Jahren die Champions League gewonnen haben, kamen fast alle aus 20er-Ligen. Von den fünf größten Ligen in Europa – Frankreich, Italien, Spanien, England und Deutschland – sind wir die einzigen, die auf eine 18er-Liga reflektieren. Unser Land ist von 60 auf 80 Millionen Einwohner gewachsen. Und die Menschen wollen die Bundesliga.

Stefan Merx für Wall Street Journal Deutschland

Kommentar hinterlassen


− 3 = null

© 2012 Pressebüro JP4

Nach oben scrollen