„Die Vereine sollten jetzt Stars kaufen“

Wenn die Liga weiter aufholen will, muss sie im Ausland expandieren. Die Klubs brauchen hierfür mehr Top-Spieler, findet Sportmanager Philipp Grothe

Quelle: Kentaro

Philipp Grothe, 45, ist Mitbegründer der internationalen Sportrechte-Agentur Kentaro in London. Grothes Unternehmen besitzt Vermarktungsrechte bei Klubs wie dem FC Arsenal London, FC Chelsea oder Panathinaikos Athen und ist auch für den schwedischen, argentinischen und englischen Fußball-Verband aktiv.

Herr Grothe, als internationaler Sportvermarkter kommen Sie in der Szene viel rum. Wie sehr schätzt man die Bundesliga im Ausland?

In den vergangenen zwei Jahren hat die Bundesliga an Popularität gewonnen und sehr aufgeholt. Das ist sicherlich auch der sehr attraktiven Spielweise der Nationalmannschaft zu verdanken. Die ist wirklich in aller Munde und hat vielen die Augen für die Qualität des deutschen Fußballs geöffnet. Die englischen und spanischen Vereine sind aber sicher noch das Maß aller Dinge. Auch weil Fußball dort noch mehr in der Gesellschaft verwurzelt ist

Die spanischen Vereine versinken in Schulden. Wie lange kann das gut gehen?

Der spanische Fußball wird sicherlich Probleme haben, abgesehen von vielleicht drei oder vier Vereinen. Auch weil die Gehälter nicht mehr ganz pünktlich kommen – oder vielleicht gar nicht mehr. Das passiert zwar sicherlich nicht Real Madrid oder dem FC Barcelona. Die verdienen beide sehr gut. Aber auch für die wird wahrscheinlich der nächste Fernseh-Deal innerhalb von Spanien nicht mehr so hoch ausfallen.

Die Bundesliga vermeldet dagegen einen Rekord bei der TV-Vermarktung. Ab 2013 fließen deutlich mehr als 600 Millionen Euro in die Vereinskassen. Kommt jetzt die große Zeit der Bundesliga?

Das ist jetzt sicher ein Meilenstein auf dem Weg nach oben – der erste Schritt, um mit England, Italien und Spanien gleichzuziehen. Zusammen mit der Auslandsvermarktung wird die Liga sicherlich über 700 Millionen einnehmen. Damit rückt man in die Nähe von Italien und Spanien, die beide über 800 Millionen bekommen. Frankreich liegt schon hinter der Bundesliga.

Und die Bundesliga hat ja noch weitere gute Einnahmequellen.

Ja. In der Gesamtheit ist die Bundesliga jetzt so stark wie die anderen Ligen. Die Bundesliga hat bei den Sponsoring-Einnahmen klar die Note eins, eine Zwei bei den Fernsehen-Einnahmen und eine Drei bei den Zuschauer-Einnahmen. Das reicht jetzt für eine gute Gesamtnote.

Kommen dank höherer Vereinseinnahmen bald mehr Top-Spieler nach Deutschland?

Das Gehaltsniveau in England ist noch höher. Aber die deutschen Spitzenklubs brauchen sich dahinter nicht zu verstecken. Außerdem kriegt man hier sein Gehalt pünktlich. Für den einen oder anderen Spieler ist das mittlerweile sicherlich auch ein Grund, zu wechseln.

Sollten die Liga nicht mehr Weltstars holen?

Die Deutschen sind eben zurückhaltender bei den Transfersummen. Es ist hier nicht normal, dass man einem anderen Klub 50 Millionen Euro überweist, um sich einen neuen Stürmer zu holen. Außer vielleicht Bayern mit Spielern wie Gomez, Ribéry und Robben.

Gomez hat 30 Millionen Euro gekostet, Ronaldo kostet das Dreifache.

Und es gibt sicherlich Spieler, die solche Transfersummen auch rechtfertigen. Ich habe neulich zum Beispiel Messi live gesehen. Wenn der 100 Millionen Euro kosten sollte, dann muss ich sagen: Der ist jeden Euro wert.

Was sollte die Liga also mit ihrem Geld anstellen, um weiter aufzuholen?

Generell sollte die Bundesliga mehr Geld investieren, um im Ausland bekannter zu werden. Dazu gehört sicherlich auch, den einen oder anderen Star zu holen. Wenn jetzt Schalke, Bayern, Dortmund dank der höheren TV-Einnahmen alle einen Topmann holen, würde das sicherlich helfen. Die Märkte in Asien würden das sofort honorieren. Vor allem außerhalb Europas wollen die Fans große Namen.

Guckt man denn in Asien wirklich Bundesliga?

In Thailand beispielsweise ist die Bundesliga nach der Premier League an zweiter Stelle. Sicherlich sind deutsche Vereine dort populärer als der italienische Fußball. Das liegt zum Teil auch an den Stadien. Für Sender ist das durchaus ein Argument: Dort will man lieber ein Spiel vor ausverkauften Haus in Dortmund mit 80.000 begeisterten Fans sehen als gähnende Leere in Rom.

Meister Dortmund hat nicht nur ein hervorragendes Stadion, sondern spielt derzeit auch tollen Fußball. Können Sie den Bayern dauerhaft gefährlich werden?

Die wirtschaftliche Entwicklung in Dortmund beeindruckt mich sehr. Wenn das so weitergeht, wird man die Bayern vielleicht auch wirtschaftlich herausfordern. Für die Bundesliga wäre das hervorragend: Als Dortmund gegen Bayern spielte, hat man das hier in England auch angeschaut. So ein Knaller auf Augenhöhe von zwei sehr guten Vereinen – das verschafft internationales Renommee.

Frederic Spohr für Handelsblatt.com

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