Schlechte Noten für die Funktionäre

Eine exklusive Befragung zeigt: Viele Bürger blicken kritisch auf die Topsportverbände. Jetzt sollen Reformen helfen.

Quelle: Manuel Heckel

Joseph Blatter verbreitete Aufbruchstimmung: „Es geht darum, dass wir unsere Probleme lösen. Das schaffen wir nur zusammen. Blicken wir nach vorn in eine schöne und bessere Zukunft“, sagte er vergangene Woche beim Kongress des Weltfußballverbands Fifa in Budapest. Schmiergeldaffären innerhalb seiner Organisation hatten den Präsidenten 2011 in Erklärungsnot gebracht. Blatter gelobte Besserung. In Budapest stimmten die Fifa-Delegierten mit 192 Ja- und nur sieben Nein-Stimmen seinen Reformen zur Selbstreinigung zu.

Ob die Beschlüsse Früchte tragen, bleibt abzuwarten. Fest steht: Das Image der Fifa hat deutliche Kratzer bekommen. Nur sieben Prozent der Deutschen halten die Funktionäre des Verbandes für unbestechlich, mehr als jeder Zweite vermutet in der Fifa unsaubere Machenschaften. Das ergab eine aktuelle Repräsentativerhebung des Meinungsforschungsinstituts Yougov für das „Handelsblatt“.

Allerdings: Der europäische Fußballverband Uefa und das Internationale Olympische Komitee (IOC) schneiden in der Studie kaum besser ab. Nur neun Prozent der Befragten glauben, dass sich Uefa-Funktionäre nicht kaufen lassen, gerade mal zehn Prozent vertrauen in dieser Hinsicht dem IOC.

Nationale Sportverbände haben einen etwas besseren Ruf: Immerhin 19 Prozent der Deutschen vermuten, dass die Offiziellen im Deutschen Fußball-Bund (DFB) und im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) unbestechlich sind.

Ein Ruhmesblatt ist das dennoch nicht: „Keiner der Verbände hat ein sehr gutes Image“, sagt Yougov-Vorstand Holger Geißler. „Wenn es zu Unregelmäßigkeiten kommt, bleibt das lange in den Köpfen hängen.“ So habe die Negativberichterstattung nach der umstrittenen Doppelvergabe der Fußballweltmeisterschaften nach Russland (2018) und Katar (2022) den Ruf der Verbände nachhaltig beschädigt. Auch wenn hier die Fifa verantwortlich war: Die anderen Topverbände litten ebenfalls. „Eine schlechte Reputation eines internationalen Sportverbandes strahlt negativ auf die anderen ab“, sagt Geißler.

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Bei den Sympathiewerten setzte sich der DFB (41 Prozent) deutlich ab, die Uefa (32 Prozent) als EM-Veranstalter kam auf den zweiten Rang. Zum DOSB hatten die wenigsten Befragten eine klare Meinung. Dessen Sprecher Christian Klaue nannte die Umfrage „substanzlos“ und wollte sie nicht weiter kommentieren, er bestätigte aber, dass die geringe öffentliche Wahrnehmung des DOSB ein Thema in der Dachorganisation des deutschen Sports ist.

„Auch nach fünf Jahren ist der Begriff DOSB bei den Menschen immer noch unzureichend bekannt“, heißt es im aktuellen Arbeitsprogramm des Präsidiums. „Unser Ziel ist, dass sich die vier Buchstaben stärker einprägen.“ Ein neues Marketingressort soll Abhilfe schaffen – und so die Vermarktungschancen verbessern.

Ein schlechtes Image ist für Sportverbände selbst dann geschäftsschädigend, wenn ihre Veranstaltungen auf Sponsoren einen hohen Reiz ausüben. Yougov-Vorstand Geißler sieht jedoch für Verbände wenig Möglichkeiten, positiv in Erscheinung zu treten. „Der direkte Kontakt zur Bevölkerung fehlt. Die positiven Assoziationen, die Spiele und Turniere auslösen, übertragen sich auf die Sportler und die Mannschaften.“

Die Verbände sehen sich selbst in besserem Licht

Das IOC vermied eine direkte Stellungnahme, verwies aber darauf, dass man großen Wert auf verantwortungsvolles und ethisches Handeln lege. DFB-Pressechef Ralf Köttker sagte, interne Studien kämen zu „völlig anderen Aussagen“. Der Verband werde als „modern, offen und erfolgreich“ wahrgenommen. Der Weltfußballverband Fifa erklärte, als er mit der Umfrage konfrontiert wurde: „Vieles hat sich in der Fifa geändert in den letzten 18 Monaten.“ Die Ethikkommission erhält nach den jüngsten Beschlüssen von Budapest zwei unabhängige Kammern – eine für Ermittlungen und eine für die Rechtsprechung.

Stefan Merx und Frederic Spohr für das Handelsblatt


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