Roboter fahnden nach Gewalttätern

Die Partie zwischen Polen und Russland birgt nicht nur historische Brisanz. Um Gewalt zu verhindern, gibt es ein umfangreiches Sicherheitskonzept.

Vor diesem Spiel haben die polnischen EM-Gastgeber größten Respekt: Am Dienstag übernächster Woche werden in Warschau Polen und Russland aufeinandertreffen. Nicht nur sportlich und historisch ist die Begegnung brisant: Die Hooligans aus beiden Fan-Lagern sind gefürchtet. Die Begegnung der Erzrivalen in der Anfangsphase des Turniers könnte zur ersten Nagelprobe für das Sicherheitskonzept werden.

Um Fan-Gewalt zu verhindern, haben die Organisatoren in Polen und der Ukraine umfangreiche Vorkehrungen getroffen. An Grenzübergängen und im Grenzgebiet sollen Reisende stichprobenartig kontrolliert werden. Das soll verhindern, dass bekannte Straftäter überhaupt in die EM-Gastgeberländer gelangen. Medienberichten zufolge werden grüne Grenzen durch Roboter mit digitalen Kameras überwacht.

Um Straßen und Plätze zu schützen, bietet Polen 10 000 Polizisten nur für die EM auf. Mindestens 2 000 Beamte werden in jedem der polnischen Austragungsorte für Sicherheit sorgen. Insgesamt 3 000 freiwillige Kräfte helfen, zum Beispiel Zuschauerströme zu lenken. Auch bei Public Viewings kommen Polizisten zum Einsatz. Für Polizisten herrscht während der EM Urlaubssperre.

Noch vor dem Turnier will die Regierung elektronische Fußfesseln für Hooligans mit Stadionverbot einführen. Während der EM können Schnellgerichte Straftäter gleich an Ort und Stelle verurteilen. Dies hat die polnische Regierung im vergangenen November durch eine Gesetzesänderung ermöglicht.

Paradoxerweise droht die geringste Gefahr durch Hooligans in den Arenen selbst: „Die Stadien werden bei der EM die sichersten Orte schlechthin sein“, sagt der Fanbeauftragte des polnische Organisationskomitees Dariusz Lapinski. Die Arenen ähneln Hochsicherheitstrakten, auch weil hier ein Konzept zur Abwehr von Terrorgefahren greift.

Laser werden die Stadionluft auf chemische und bakterielle Spuren überprüfen. Zusätzlich zum Ordnungsdienst werden pro Spiel 170 Polizisten im Stadion stationiert – darunter zivile Beamte und Scharfschützen. In Polen werden Besucher an Eingängen der Stadien mit besonderen Scannern nach Rauchbomben abgesucht. „Die Polizei ist in der Lage, jedes Spiel zu sichern“, sagt Polens Innenminister Jacek Cichocki.

Auch die Ukraine rüstet auf: Neue Kamerasysteme können jedes einzelne Gesicht im Stadion in Großaufnahme erkennen. In der Donbass-Arena in Donezk überwachen 560 Kameras das Gelände.

Andreas Schulte für das Handelsblatt

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