„Podolski ist unsere Premium-Marke“

Kon und Sandro Schramm vertreten mit Lukas Podolski einen heiß begehrten Fußballer. Ein Gespräch über Geschäftsmodelle, Interessenkonflikte und Berufsethik.

Quelle: Hyundai

Seit Montag ist klar: Ihr teuerster Klient Lukas Podolski wechselt zu Arsenal London, eine Ablöse von 13 Millionen Euro ist im Gespräch. Wie viel davon bekommen Sie? 

Sandro Schramm: Selbst Bekannte rufen nach Transfers immer an und sagen: Da habt ihr ja gut verdient. Dass wir einen Teil der Ablösesumme erhalten, ist aber ein Irrglaube. Unser Honorar berechnet sich nach dem Gehalt des Spielers.

Ein Zusammenhang zwischen Marktwert und Spielergehalt lässt sich kaum bestreiten, oder? 

Sandro Schramm: Ja, aber ganz so einfach ist es nicht. Wir verfügen über eine Datenbank mit über 250 eigenen Transfers, und wir haben Excel-Tools entwickelt. Wenn uns ein Spieler fragt, was er verdienen kann, erwartet er eine Antwort. Da spielen Faktoren rein wie Alter, Position, Verein, der Anteil Fixgehalt und die variablen Komponenten. Nur so bekommt man ein Gefühl dafür, was angemessen ist. 

Sandro Schramm über Lukas Podolski im Video

Podolski verdient über Privatverträge gut hinzu. Er wirbt für Pepsi, Hyundai, Rewe und weitere vier Marken. Ist er ein Selbstläufer? 

Sandro Schramm: Poldi ist in Deutschland heute mit Sicherheit der Spieler mit dem höchsten Vermarktungswert. Wenn man sich die Zahl der Werbeverträge und die Volumina anschaut, hat er Michael Ballack abgelöst. 

Gibt es eine Grenze? Entweder weil der Spieler überreizt ist, oder weil sich die Werbeengagements bereits mit anderen beißen? 

Sandro Schramm: Wir verfolgen eine Premiummarkenstrategie mit Podolski. Wenn Pepsi für seine internationale Kampagne einen Nationalspieler sucht, dann ist es unsere Aufgabe, diesen Part mit Poldi zu besetzen. Im Umkehrschluss heißt es auch, dass wir keinen direkten Konkurrenten wie Schweinsteiger unter Vertrag haben können – das gäbe einen Konflikt. 

Aber drohen nicht auch Konflikte, wenn er im bisherigen Klub Ford vertritt, in der Nationalmannschaft die Mercedes-Jacke trägt und für Hyundai twittern soll? 

Sandro Schramm: Diese Dinge muss man vorab abklären, der Verein muss zustimmen. Auch der DFB-Marketingchef ist informiert, damit er Poldi bei einer Mercedes-Kampagne möglicherweise aus der ersten Reihe raushält. 

 

Quelle: Stefan Merx

Als Spielerberater sind Sie von einem dubiosen Image umweht. Wie sehen Sie Ihre Aufgabe? 

Kon Schramm: Es ist unter anderem eine Arbeitsvermittlung, verbunden mit einer hohen Verantwortung. Es geht um die Karriere des Spielers, darum, ob er einen Job hat und wie er wirtschaftlich aufgestellt ist. Wir haben eine enge emotionale Bindung und sind auch Fan unserer Spieler: Wir sitzen auf der Tribüne – und oftmals telefonieren wir mit unseren Spielern samstags noch um 23 Uhr anderthalb Stunden und diskutieren über das Spiel. 

Nehmen Sie nur Spieler unter Vertrag, deren Fans Sie sind? 

Kon Schramm: Das nicht, aber wir müssen charakterlich überzeugt sein. Wir können uns verbürgen, dass unsere Spieler integer sind. 

Sitzt ein Spieler mit am Tisch, wenn Sie verhandeln? 

Kon Schramm: Bei Vorgesprächen mit dem Trainer: ja. Wenn wir mit dem Manager Vertragsinhalte verhandeln: in der Regel nein. 

Sie wissen auf den Penny genau, was Podolski verdient. Weiß er es auch von Ihnen? 

Kon Schramm: Ja, das weiß er. Inzwischen müssen die Vereinbarungen, die wir mit den Klubs treffen, meist auch vom Spieler unterschrieben werden. Dem Spieler soll jeder Geldfluss transparent gemacht werden. Er wird auch verpflichtet, von unserem Honorar nichts anzunehmen. In England sind diese Dinge aufgrund von Korruption schon seit längerer Zeit strenger reglementiert. 

Sie verhandeln im heißen Spannungsfeld: Spieler, Trainer, Klubmanager. Wer ist Ihr Kunde? 

Sandro Schramm: Wir vertreten in erster Linie die Interessen des Spielers – gegenüber Vereinen, Werbekunden und Medien. 

Dann müsste doch auch der Spieler für Ihre Dienste zahlen. Das tut aber der Verein. 

Kon Schramm: Das ist seit Jahren eine Diskussion. Es hat sich nicht durchgesetzt. Wir präferieren die Zahlungen durch die Klubs. Auch sie sind unsere Partner, wir harmonisieren die Interessen. Es ist ein enges, partnerschaftliches Zusammenarbeiten. 

Manchmal klingt das anders: Andreas Rettig, Manager des FC Augsburg, mahnte gleich nach dem Rekord-TV-Abschluss der Bundesliga: Man müsse aufpassen, dass nicht die Mehreinnahmen direkt in die Tasche der Spielerberater wandern. Überzogen?

Kon Schramm: Auf der anderen Seite, bei den Klubs, sitzen Leute, denen völlig freigestellt ist, welche Entscheidung sie im Hinblick auf die Höhe der Honorare treffen. Sie können immer sagen: Wir machen das nicht zu diesen Bedingungen. 

Die Rede ist immer wieder von Kick-back-Zahlungen: Vereinsmitarbeiter, die einen Transfer unterstützen, erhalten über Umwege einen Teil der Beraterhonorare.

Kon Schramm: In der Branche wird möglicherweise Schindluder getrieben. Aber grundsätzlich passieren solche Dinge nur, wenn auf Vereinsseite Entscheidungsträger sitzen, die dieses Spiel mitspielen. Wir tun das nicht. In diesem Zusammenhang wird im übrigen nie thematisiert, welche Summen die Vereine für Spieler ausgeben, die sie nicht brauchen oder die sie nach einem halben Jahr wieder abschieben. Das sind mehrere Hundert Millionen an Gehältern, Leihgehältern und Ablösesummen. 

 

Quelle: Stefan Merx

Der Weltverband Fifa will die Beraterbeteiligung auf drei Prozent drosseln, statt derzeit üblichen zehn Prozent. Reicht Ihnen das? 

Sandro Schramm: Ich frage mich immer, wer als Außenstehender beurteilen kann, was gerechtfertigt ist. In keinem anderen Wirtschaftszweig würde ein übergeordnetes Organ die Honorare von unabhängigen, privaten Dienst- leistern reglementieren. Wir bieten ein ganzheitliches Management an, 24 Stunden, tagtäglich. 

Podolski hat unter anderem den Pepsi-Vertrag bekommen, weil er 830 000 Facebook-Freunde mit in die Beziehung einbringt. Haben Sie Poldis Facebook-Kennwort? 

Sandro Schramm: Ja. Kon Schramm: Die Anforderungen haben sich unter anderem durch Social Media rapide verändert. Wäre mein Sohn nicht in die Beratung eingestiegen, müsste ich Marketing und PR outsourcen, damit unsere Spieler die Gewissheit haben, dass auch dieser Bereich hochprofessionell gemanagt wird. 

Um Podolski nach Köln zu holen, wurden private Investoren eingespannt. Ein Modell der Zukunft? 

Kon Schramm: Vor einigen Jahren hätte ich jedem Investor geraten: machen. Jetzt muss man da schon sehr viel vorsichtiger sein. Die klassischen Transfers, etwa Köln holt einen Spieler von Bremen für drei oder vier Millionen, die sind weniger geworden. Innerhalb der Bundesliga wird nach Möglichkeit ausgeliehen, am besten kostenfrei. Wer in Transferrechte investiert, muss auch Glück haben. 

Es gibt eine Diskussion auch um Mindestalter. Wann sollte ein Jugendspieler einen Berater haben? 

Sandro Schramm: Der Trend geht klar zu jüngeren Spielern. Es gibt kaum einen B-Jugendlichen, der keinen Berater hat. So früh fangen wir nicht an, das ist Elternsache aus unserer Sicht. Wir stellen uns nicht bei der C-Jugend samstagmorgens an den Rand und versuchen dann, die Eltern und die Jungs am Parkplatz abzugreifen. 

Weil es zu aufwendig ist? 

Kon Schramm: Weil es unmoralisch ist. 

Die Herren Schramm, vielen Dank für das Interview.

Vitae

Vater Als Ex-Fußballer (Bayer Uerdingen) stieg Kon Schramm (54) 1997 in das Spielerberatungsgeschäft ein. 2007 verließ er die Agentur „Ans Sport“, um seine eigene Firma „Player Management“ zu gründen. Neben dem Klienten Lukas Podolski folgten ihm rund 20 Spieler.

Sohn Sandro Schramm (33), Bauingenieur und Kommunikationswirt, arbeitete als Mediaberater und Manager bei s.Oliver, bevor er 2009 in das Neusser Unternehmen seines Vaters als Partner einstieg.

Thomas Mersch und Stefan Merx für das Handelsblatt

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