High Tech im Tor verhindert Fehlentscheidungen

Im Sommer will die Fifa den Anstoß für das Millionengeschäft mit der Torlinientechnik geben. Die Anbieter Hawk-Eye und Goalref kämpfen um den Zuschlag.

Deutschland gegen England – das ist mehr als ein Fußballspiel. Es ist ein Klassiker, bei dem die Schiedsrichter oft entscheidend mitpfiffen. Gleich bei zwei Weltmeisterschaften sprang der Ball von der Latte in die Nähe der Torlinie. Und beide Male irrten die Unparteiischen bei der Frage, ob die Kugel vor oder hinter der weißen Kreide aufgesprungen war.

Ben Sutherland auf Flickr.com (CC BY 2.0)

1966 verhalf das eigentlich irreguläre Wembley-Tor England zum WM-Titel. 2010 gewann Deutschland im Achtelfinale auch deshalb, weil ein klarer Treffer der Engländer nicht gegeben wurde.

Hawk-Eye versus Goalref

Die bevorstehende Europameisterschaft könnte für die Schiedsrichter die letzte Gelegenheit sein, diese unfreiwillige Tradition fortzuführen. Der Weltfußballverband Fifa plant, Anfang Juli die Einführung der elektronischen Torerkennung für seine Turniere zu beschließen. Es wäre ein klares Signal für den europäischen Verband Uefa als EM-Veranstalter.

Die Torlinientechnik könnte dem Anbieter, der sich bei der Fifa durchsetzt, „Hunderte Millionen Pfund“ bringen, sagt David Parden, Gründer der englischen Firma Goalminder. Denn nach und nach werden viele der weltweit knapp 200 nationalen Profiligen die neue Technik einführen. Parden hat ein System mit 24 Kameras in Pfosten und Latte entwickelt. Das soll klären, ob ein Ball die Linie überquert hat oder nicht. Auf 100 000 Pfund beziffert Parden die Installationskosten pro Stadion. Goalminder konnte die Fifa aber nicht überzeugen. Sie lehnte die Zertifizierung für ihre Turniere ab und testet nun in einer zweiten Runde nur noch zwei von ursprünglich acht Systemen.

Die größten Hoffnungen, sich durch die Zertifizierung für möglichst viele Ligen zu empfehlen, haben der britische Anbieter Hawk-Eye, eine Sony-Tochter, und Goalref, das vom gleichnamigen dänischen Unternehmen mit dem Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen entwickelt wurde. Goalref produziert ein Magnetfeld, das wie ein unsichtbarer Vorhang über der Torlinie wirkt. Fliegt ein mit Funkchip ausgestatteter Ball hindurch, erhält der Schiedsrichter ein Signal auf seine Uhr. Die Hoffnung ist groß: „Man kann davon ausgehen, dass die meisten Ligen das von der Fifa zertifizierte System übernehmen“, sagt René Dünkler, Marketing-Fachmann beim Fraunhofer-Institut. Den Preis der eigenen Lösung verrät er nicht. „Wir werden uns nach der Entscheidung im Juli zusammensetzen und unser weiteres Vorgehen besprechen.“

Doch dann dürfte das Geschäft mit einigen Ligen schon gelaufen sein. Vertreter der italienischen Serie A und der amerikanischen Major League Soccer, haben angekündigt, die Torlinientechnik möglichst rasch einzuführen. Dan Johnson, Sprecher der englischen Premier League, sagte Anfang März, man wolle das System so schnell wie „praktisch möglich“ einsetzen. Fraunhofer-Konkurrent Hawk-Eye verhandelt laut britischen Presseberichten bereits mit der Premier League – ungeachtet der ausstehenden Fifa-Zertifizierung. Bestätigen will das Unternehmen dies aber nicht.

Als Vorteil gegenüber Goalref spricht für Hawk-Eye die Visualisierbarkeit der Bilder für TV-Zuschauer. Der Nachteil: Sind 25 Prozent des Balls verdeckt, können die sechs Kameras ihm nicht folgen. Außerdem gilt die Installation im Stadion als aufwendig.

Neben Goalminder mischt ein weiterer Verlierer aus Runde eins der Fifa-Tests noch mit: „Wir reden mit verschiedenen Ligen und rechnen uns Chancen aus“, sagt Christian Holzer, Vorstand von Cairos Technologies. Ähnlich wie Goalref setzt das Unternehmen auf eine Magnetfeldtechnologie kombiniert mit einem Funk-Chip im Ball. Das System wurde 2005 bei U-17-Junioren-WM getestet. Nun schlägt Cairos ein Lizenzmodell mit 2 500 Euro Kosten pro Spiel vor. Für die Bundesliga kommen solche Kalkulationen zu früh. Man beschäftige sich mit dem Thema noch nicht konkret, teilt die Deutschen Fußball Liga (DFL) mit.

Andreas Schulte für das Handelsblatt

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