Glänzende Aussichten

Deutsche Anbieter sind führend beim Bau von Sportarenen. Mit guten Referenzen expandieren sie in neue Märkte wie Afrika und den Nahen Osten.

Das Spiel der deutschen Fußballnationalelf gegen EM-Gastgeber Polen Anfang September war nicht nur für Fans ein Pflichttermin. Auch Wirtschaftsvertreter fieberten zahlreich mit. Für sie stand das Ergebnis – ein 2:2 – aber im Hintergrund. Mit dem Freundschaftsspiel wurde die PGE Arena in Danzig eingeweiht, auch deutsche Ingenieure waren in Feierlaune. Federführend beim Bau der 193 Millionen Euro teuren Sportstätte war das Düsseldorfer Architekturbüro RKW.

Quelle: Mateusz Skuza auf Flickr.com (CC BY-SA 2.0)

Für Unternehmen, die im Sportstättenbau tätig sind, ist Osteuropa ein wichtiger Wachstumsmarkt. Gute Referenzen helfen, Aufträge zu sichern. „Wer Stadien dieser Größenordnung bauen will, muss nachweisen, dass er bereits ähnliche Projekte realisiert hat“, sagt Wojtek Grabianowski, RKW-Gesellschafter und leitender Architekt beim Bau der PGE Arena. „Deutsche Firmen haben auch dank der WM 2006 im eigenen Land mehr Erfahrung gesammelt als viele Konkurrenten.“

Anspruchsvolle Technik

Weltweit steht Stadiontechnik made in Germany hoch im Kurs: Auch bei der Fußball-WM 2010 in Südafrika bauten die Unternehmen fleißig mit. „Immer wenn es um technisch anspruchsvolle Produkte geht, haben die Deutschen gute Chancen“, sagt Martin Kalhöfer, Bereichsleiter Afrika und Nahost der staatlichen Standortmarketinggesellschaft Germany Trade & Invest. Das Angebot reiche von Architekturdienstleistungen über die Ausstattung mit LED-Bildschirmen bis hin zu Stadionsitzen.

Im Fokus steht bereits Katar, Gastgeber der Fußball-WM 2022. Das Emirat muss den größten Teil der nötigen Infrastruktur noch errichten. Allein in die zwölf Stadien will Katar 3,7 Milliarden Dollar investieren. Anfang 2015 steht die Auftragsvergabe an, und deutsche Firmen rechnen sich einiges aus. Wichtiger denn je sind dabei gute Kontakte: „In der arabischen Welt spielen persönliche Beziehungen eine überragende Rolle, daher ist auch die politische Unterstützung wichtig“, sagt Kalhöfer. Deutsche Firmen sollten die Ansprache möglicher Geschäftspartner sorgfältig vorbereiten.

Nachhaltigkeit im Fokus

Um ihre Chancen auf dem Weltmarkt weiter zu verbessern, haben eine Reihe von Firmen vergangenes Jahr die Initiative „Stadium Know-how, made in Germany“ gegründet. Mit dabei sind die Hamburger Architekten GMP, eines der weltweit führenden Büros im Stadionbau. Das Bundeswirtschaftsministerium unterstützt das Vorhaben, das vor allem mit Nachhaltigkeit wirbt. „Im Ausland findet ein Umdenken statt“, sagt Markus Deecke, der Gründer der Initiative. „Investoren sind zunehmend bereit, für Qualität auch mehr Geld auszugeben.“

Immer mehr Wert legen die Auftraggeber auf eine flexible Nutzung. Während der Fußball-WM in Südafrika stockten die Veranstalter die Zuschauerkapazität mit temporären Tribünen auf. Ähnlich geht das Organisationskomitee der Olympischen Spiele in London vor: Das 80000 Zuschauer fassende Hauptstadion wird nach den Sommerspielen 2012 auf 25000 Plätze reduziert. Noch radikaler sind die Pläne für die Basketballhalle, die 12000 Zuschauer fasst. Die Arena, nach Schätzungen 64 Millionen Euro teuer, wird komplett zurückgebaut.

Das Know-how für temporäre Sportstätten, die statt aus Beton vor allem aus Stahlkonstruktionen bestehen, wird immer wichtiger. Die Schweizer Nüssli-Gruppe hat Referenzen auf diesem Gebiet, für Fortuna Düsseldorf baute man kurzfristig ein mobiles Ausweichstadion, während nebenan der Eurovision Song Contest lief. Vorteile liegen im Preis, der Nutzungsflexibilität und der Baugeschwindigkeit: „Die Kosten für eine temporäre Sportstätte liegen in der Regel bis zu zwei Drittel niedriger als bei einer permanenten Infrastruktur“, sagt Daniel Cordey, CEO Markt bei Nüssli.

Gute Exportaussichten

Mit modularer Bauweise können die Hersteller aber auch Stadien anbieten, die für Jahrzehnte gedacht sind. So kommt bei den Afrikameisterschaften 2012 im Fußball in Äquatorialguinea ein permanentes, modulares Stadion zum Einsatz. „In vielen Ländern im afrikanischen und asiatischen Raum besteht derzeit Bedarf an kleineren bis mittelgroßen Stadien“, sagt Cordey. „Und mit vorgefertigten Bauteilen aus Stahl lassen sich überdachte Arenen mit einer Kapazität von 10000 bis 20000 Plätzen schnell und günstig erstellen. Ein Betonstadion hingegen braucht viel mehr Zeit und ist teuer.“

Modulare Bauweise erhöht auch im Ligabetrieb die Anpassungsfähigkeit. Fußballklubs etwa, die in eine höhere Spielklasse aufsteigen, können ihre Arenen rasch um neue Zuschauertribünen erweitern – und diese im Falle eines Abstiegs ohne großen Aufwand wieder abbauen.

Ingmar Höhmann für das Handelsblatt

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