Sportklubs trainieren Umweltschutz

Deutsche Sportklubs trainieren neuerdings auch ihr Umweltbewusstsein. Im Wettstreit um Sponsorengelder erweisen sich klimafreundliche Projekte als Vorteil.

Eine drohende Lücke im Etat brachte den FSV Mainz zum Klimaschutz. Im Sommer 2009 stieg der Klub in die erste Fußballbundesliga auf. „Doch wir haben einfach keinen Hauptsponsor gefunden“, erinnert sich Dag Heydecker, Geschäftsführer für Marketing, Vertrieb und CSR. Allein der Ökostromlieferant Entega machte ein Angebot. Und der wollte mehr, als einen Schriftzug auf das Trikot drucken.

Quelle: Oliver Heun auf Flickr.com (CC BY 2.0)

Entega schickte der Vereinsführung einen Zehn-Punkte-Katalog. „Sechs davon mussten wir umsetzen“, sagt Heydecker. Die Mainzer heuerten einen Klimawart an, stellten auf Ökostrom um und bauten eine Solaranlage. Zudem kauft der Klub jedes Jahr Umweltzertifikate – und gleicht so über 1000 Tonnen an Kohlendioxid aus.

Deutsche Sportklubs trainieren Umweltbewusstsein. Im Wettbewerb um Geldgeber erweist sich eine grüne Vereinspolitik als Vorteil „Die Sponsoren nehmen großen Einfluss“, sagt Jürgen May, Berater bei Pro Event in Heidelberg – die Agentur organisiert umweltgerechte Veranstaltungen. Erste Fußballvereine haben vorgelegt, nun ziehen andere Sportarten nach.

Als Vorreiter erweist sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) – er hat den Umweltschutz in seiner Satzung verankert. Bei der Frauen-WM im Sommer half Claudia Roth, Bundesvorsitzende der Grünen, in einem Beirat mit, die Veranstaltung klimaschonend zu gestalten. Stadien wurden mit Ökostrom versorgt, beim Catering auf regionale Lebensmittel geachtet. Die Besucher sollten möglichst mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen.

„Das hat gezeigt, dass ein Großereignis umweltfreundlich sein kann und sich gleichzeitig für die Betreiber der Sportstätten wirtschaftlich lohnt“, sagt Roth. Ihre Erfahrungen bringt sie nun in einer neu gegründeten Nachhaltigkeitskommission beim DFB ein. Hier ist Roth für den Klimaschutz zuständig. In diesem Jahr will der Verband dazu eine große Kampagne starten.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL), die den Profifußball organisiert, will es den Klubs überlassen, wie sie aktiv werden. „Es tut sich viel, aber längst nicht alle sind auf den Zug aufgesprungen“, sagt Julian Ekelhof, Projektleiter bei Forest Finance, die Klimaberatung bietet. Die Firma hat die Bundesliga auf Klimafreundlichkeit getestet – und stellte bei zwölf der 18 Klubs große Defizite fest. Zu den Positivbeispielen zählt Aufsteiger FC Augsburg. 2007 ließ der Verein sein Stadion energieeffizient umbauen. „Damit verfolgen wir eine mittelfristige Geschäftsstrategie“, sagt Manager Andreas Rettig. „Wir wollen an unserem Umweltverhalten arbeiten und dadurch für Sponsoren ein attraktives Vereinsumfeld schaffen.“

Die Aussicht auf lukrative Verträge motiviert auch die Handball-Bundesliga, die von Toyota gesponsert wird – der Autohersteller erhielt dieses Jahr die Auszeichnung als „Best Global Green Brand“. „Wir arbeiten an einem vereinsübergreifenden Konzept“, sagt Liga-Sprecher Oliver Lücke. „Aber wir stehen sicher noch am Anfang.“ Engagiert hat sich bisher nur der deutsche Meister HSV Handball, der seine Reisen klimaneutral stellte. Derzeit arbeiten die Füchse Berlin an einem Umweltkonzept.

Breitflächig forciert der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) Umweltthemen. „Klimaschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, sagt Bianca Quardokus, die beim Verband für den Klimaschutz zuständig ist. Sie hat eine Kampagne für die etwa 90000 Sportvereine in Deutschland organisiert. Das Ziel: energiefressende Sportanlagen umbauen und CO2-Sparpotenziale im Catering und beim Transport ausschöpfen.

Der DOSB bot Vereinen und Verbänden Beratung an. In diesem Jahr läuft das vom Bundesumweltministerium geförderte Projekt aus – was Quardokus bedauert: „Vielen ist noch nicht bewusst, wie sie zum Klimaschutz beitragen können.“

David Meiländer für das Handelsblatt

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