Leichtathleten ziehen zum Länderduell in die Innenstadt

Zwei Wochen vor Beginn der WM in Südkorea werben internationale Favoriten des Weit- und Stabhochsprungs bei einem Wettkampf am Brandenburger Tor um neue Fans.

Raus aus dem Stadion, rein in die Stadt: Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) geht bei der Vermarktung neue Wege. Am morgigen Freitag werden sich Topsportler aus vier Nationen bei einem neuen Wettbewerb in Berlin messen. Zwei Wochen vor Beginn der Weltmeisterschaft in der südkoreanischen Stadt Daegu treten am Brandenburger Tor Dreierteams aus Deutschland, Frankreich, Russland und den USA gegeneinander an. Sie bestehen je aus einer Weitspringerin, einem Weitspringer und einem Stabhochspringer. „Berlin fliegt!“ heißt das ungewöhnliche Länderduell. 

Quelle: Wolfgang Staudt auf Flickr.com (CC BY 2.0)

Zwei Stunden lang kämpfen die Athleten um Prämien von insgesamt 57000 Euro – gut 40 Prozent davon streicht die Siegermannschaft ein. Alle Sportler haben vier Versuche – Punkte werden schon nach jedem Durchgang vergeben.

„Jeder Versuch zählt, das erhöht die Spannung“, sagt Frank Lebert, Geschäftsführer der Deutschen Leichtathletik Promotion- und Projektgesellschaft (DLP), der Vermarktungsagentur des DLV. Sie hat das Konzept entwickelt. Es wird gepokert: Die Stabhochspringer erfahren erst kurz vor Beginn jeder Runde, welche Höhe ihr Konkurrent angegeben hat. 

3000 Zuschauer fassen die Tribünen auf dem Pariser Platz. Lebert ist überzeugt, dass der Wettkampf auch neue Fans für die Leichtathletik begeistern kann. „Es gibt die Chance, außergewöhnliche Leistungen ganz aus der Nähe zu erleben – und das an einem besonderen Platz.“ Für Deutschland treten Halleneuropameister Sebastian Bayer und Bianca Kappler (beide Weitsprung) sowie der deutsche Stabhochsprungmeister Malte Mohr an. 

Nike, DKB, Opel und andere finanzieren das Event

Finanziert wird „Berlin fliegt!“ über Sponsoren – der Eintritt ist kostenlos. Neben DLV-Ausrüster Nike sowie den Hauptsponsoren Deutsche Kreditbank (DKB) und Opel machen unter anderem der Gebäckhersteller Lambertz und die Deutsche Post mit. Opel wird in Berlin sein neues Modell Astra GTC vorstellen. Angaben zum Budget macht Lebert nicht. 

Mit dem Wettkampf positioniert sich Berlin auch im Hinblick auf die Bewerbung um die Europameisterschaft 2018. „Damit kann die Stadt zeigen, dass sie innovative Leichtathletikformate unterstützt“, sagt Lebert. Vor zwei Jahren, bei der WM in der Hauptstadt war der Wettkampf der Geher komplett in die Innenstadt verlegt worden. 

TV-Partner des Berliner Wettbewerbs ist Eurosport – der Sender überträgt live. „Es ist ein Ausrufezeichen vor der Leichtathletik-WM“, sagt Sprecher Werner Starz. Erst Mitte Juli sicherte sich der Sender die Übertragungsrechte für Daegu. „Wir versuchen jetzt, das Thema zu fokussieren.“ Ob beim Berliner Event Geld floss, lassen die Partner offen. „Wir kaufen grundsätzlich keine TV-Zeiten ein“, sagt Lebert. 

Zwar sei die bundesweite Medienpräsenz von Veranstaltungen wie „Berlin fliegt!“ eher gering, sagt Sven Mersi, Sportmarketing-Experte der Beratung IFM Sports. Größere Bedeutung habe aber die Präsenz vor Ort, verbunden mit der Möglichkeit, neue und attraktive Zielgruppen anzusprechen – dazu trage der Eventcharakter bei. „Für das mitunter verstaubte Image der Leichtathletik ist das sicherlich ein willkommener Nebeneffekt, auch die Sportler können profitieren.“ 

Eine Expansion in weitere Städte hält DLP-Geschäftsführer Lebert für möglich – auch mit anderen Disziplinen. „Es können ja auch Kugeln fliegen“, sagt er. „Man kann selbst fliegen, wenn man rennt.“

Thomas Mersch für das Handelsblatt

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