Sky investiert in sein Sportprogramm

Der Pay-TV-Sender gibt Millionen für neue Inhalte aus, um Abonnenten zu ködern. Den Durchbruch bringen soll ein Kanal für Sportnachrichten.

Rein äußerlich fehlt jeder Hinweis auf die Baustelle mitten in der Konzernzentrale. Dass am Unternehmenssitz des Bezahlsenders Sky in Unterföhring kaum ein Stein auf dem anderen bleibt, wird erst deutlich, wenn man hinter die makellose Fensterwand blickt. Im Stockwerk über der Kantine staubt es. Arbeiter bauen ein neues Fernsehstudio für eines der ehrgeizigsten Investitionsprojekte in der jüngeren Geschichte des Pay-TV-Anbieters. Ab Winter will Sky hier einen eigenen Kanal für Sportnachrichten etablieren, der von sechs Uhr morgens bis ein Uhr nachts durchgehend live senden soll.

Quelle: PR

Die Nachrichten-Offensive lässt Sky sich einiges kosten: Einen zweistelligen Millionenbetrag investiere das Unternehmen in Ausstattung und Betrieb, sagt Roman Steuer, Senderchef von „Sky Sport News HD“. Finanziert wird das Programm in erster Linie durch ein Darlehen von 48 Millionen Euro des Gesellschafters News Adelaide Holdings, einer hundertprozentigen Tochter von Rupert Murdochs News Corporation. „Die Investition ermöglicht es uns, die Sportkompetenz von Sky weiter zu erhöhen“, sagt Steuer. Seit März ist der frühere Sportchef im neuen Amt, sein Büro hat er sich provisorisch in einem Konferenzraum eingerichtet. 

Bald dürfte es noch enger werden: 70 redaktionelle Mitarbeiter stellt Steuer allein für den neuen Sportnachrichtensender ein, rund 70 kommen nochmals in der Technik hinzu. Zwei Drittel der neuen Stellen seien bereits besetzt, 750 Bewerbungen habe man gezählt. 

Steuers Pläne sind ambitioniert: Reporterteams mit Übertragungswagen will er quer durch die Republik schicken, um möglichst täglich Exklusivstoff von den Bundesligisten zu ergattern. „Wir wollen mehr bieten als nur den abgefilmten Sportteil der Bild-Zeitung“, sagt Steuer. „Wir machen keine Dokus, keine Talkshows, sondern den ganzen Tag harte Nachrichten“, sagt er in Anspielung auf die frei empfangbaren Nachrichtensender N24 und N-TV, die ihre live moderierten Nachrichtensegmente deutlich zurückgefahren haben. 

Gewinnzone rückt näher

Mit dem neuen Nachrichtensender will Sky seinem Ziel von drei Millionen Abonnenten näher kommen, die nach Unternehmensdarstellung nötig sind, um profitabel zu wirtschaften. 2,7 Millionen Kunden vermeldete der Pay-TV-Sender im letzten Quartalsbericht. Neue Zahlen veröffentlicht Sky in zwei Wochen. 

Um den Nachrichtensender bekanntzumachen, erwägt das Unternehmen, den Kanal zu Promo-Zwecken anfangs auch Nichtabonnenten kostenlos zur Verfügung zu stellen. Die Vorstandsentscheidung dazu steht noch aus. Ein weiterer strategischer Schachzug könnte der Verkauf von Sendematerial an andere Medien sein. Dem Vernehmen nach haben zwei Kanäle konkretes Interesse geäußert, darunter ein Nachrichtensender. Generell erhofft sich Senderchef Steuer eine hohe Nachfrage von Hotels, Sportbars und Fitnessstudios: „Wenn wir dort zu sehen sind, wird das zusätzliche Aufmerksamkeit für unsere Premium-Pakete mit sich bringen.“ 

Steuers Nachfolger auf dem Chefposten der Sky-Sportredaktion ist seit Juni Burkhard Weber. Der ehemalige Sportchef von RTL will das Programm aufmöbeln: In der Fußball-Bundesliga wird das Topspiel am Samstagabend durch weitere Experten aufgewertet, die Sendezeit erweitert. Mit eingeblendeten Grafiken will Weber das Live-Spielgeschehen besser erklären. Auch andere Sportarten will er stärker ins Programm heben. Boxsport stehe dabei ganz oben auf seiner Agenda: „Ich bin überzeugt, dass Boxen einfach ins Pay-TV gehört“, sagt Weber. „Dafür ist aber wichtig, dass es einen deutschen Bezug gibt.“ Derzeit sichte er den Markt, um geeignete Vertragspartner zu finden. Ein K.-o.-Kriterium scheint zu sein: Der deutsche Held als Identifikationsfigur muss stimmen. 

Commerzbank-Analyst Dirk Voigtländer bewertet den Ausbau der Sportinhalte bei Sky positiv: „Die Investitionen sind die Voraussetzung, um die Nachfrage der Kunden zu erhöhen“, sagt Voigtländer. Die Kündigungsrate sei spürbar zurückgegangen. Er habe keine Zweifel daran, dass der Sender die Marke von drei Millionen Kunden überschreiten werde, sagt Voigtländer. „Die Frage ist nicht mehr, ob das geschieht, sondern wann.“

Soziale Medien

Vernetzung Über das Internetangebot „DeinSkySport“ will sich der Pay-TV-Sender stärker mit Zuschauern austauschen. Dafür startete Sky zum Auftakt der zweiten Fußball-Bundesliga Kanäle auf den Plattformen Facebook und Twitter. Hier veröffentlichte Zuschauermeinungen sollen auch in das Live-Programm eingebunden werden. Auch der Sky-Konkurrent Telekom will sein Angebot „Liga Total“ in der kommenden Bundesliga-Saison stärker für soziale Medien öffnen. Die Sender betrachten den Kunden-Dialog als Möglichkeit, die Zufriedenheit zu steigern und die Kündigungsquote zu reduzieren.

Stefan Merx und Mathias Peer für das Handelsblatt

 

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