Neue Sportmarke umwirbt Spielerinnen

Das Sport-Label Ballzauber setzt ganz auf den Frauen- und Mädchenfußball.

Kolja Bathow kommt aus dem Hinterzimmer des Kölner Fußballshops „Alles Fußball“. Er grinst. „War eine harte Nuss, aber wenn es hier im Ladenverkauf klappt, funktioniert es auch überall anders“, sagt der Sportmanager. Seit Wochen leistet Bathow Überzeugungsarbeit bei Einkäufern von Sportgeschäften – für Frauenfußball und für sein neues Label „Ballzauber“. Der 36-Jährige will den Schub durch die WM nutzen, um die nach seinen Worten „erste und einzige Sportbekleidungsmarke nur für Frauen- und Mädchenfußball“ zu etablieren. „Bis vor wenigen Jahren liefen selbst Nationalmannschaften in Männerklamotten auf“, sagt er. Die Marke Ballzauber solle die Brücke schlagen zwischen Spieltrikots im Damenschnitt, und coolen Freizeitklamotten, mit denen sich in der Kneipe demonstrieren lässt: Ich kicke. 

Quelle: PR

Eine Auftragsarbeit für einen nationalen Verband in Europa brachte den Sportökonomen vor zwei Jahren mit Frauenfußball in Kontakt. „Es hat mich ins Grübeln gebracht, dass die Boomsportart trotz einer Aktivenzahl von über einer Million in Deutschland von keinem Sportartikler besetzt wurde“, sagt Bathow. „Im Vergleich zum Männersegment mag das wenig erscheinen, aber absolut betrachtet ist das ein hochattraktiver, schnell wachsender Markt.“ Darin ist er mit dem Chef des Weltfußballverbands Fifa, Sepp Blatter, einig. 

Bathow, der zwischen seiner Heimat Köln und Salzburg pendelt, hat Erfahrungen vor allem im Basketball nachzuweisen – als Ex-Geschäftsführer des Zweitligisten Düsseldorf und Berater der österreichischen Bundesliga. „Streetcredibility“, also Glaubwürdigkeit in der Zielgruppe, steht für ihn ganz oben. „Unsere Idee muss eine Seele haben – also setzen wir auf Spielerinnen, die uns beraten.“ 

Nationalspielerin gibt Tipps

Die Nationalspielerin Sonja Fuss und vier weitere Fußballerinnen senkten den Daumen, als Bathow ihnen im Oktober 2010 das fertige Designmuster vorlegte. „Das Ursprungslogo war denen zu sauber, zu unemotional“, sagt Bathow. Er stand mit einer Kollektion bereit für die Vororderphase des Handels, aber hörte auf die Frauen und ließ die Entwürfe umarbeiten. Nun sind Glitzer, Schnörkel und ungewöhnliche Trikotfarben von türkis bis kanariengelb Programm, attraktiv vor allem für den weiblichen Nachwuchs bis Mitte zwanzig. An das kapitalintensive Thema Fußballschuhe wagt sich Ballzauber noch nicht heran. 

Mit Hilfe von Auftragsfertigern in Portugal für Lifestyle-Produkte und Serbien für die Spielbekleidung produziert die Marke im mittleren Preissegment. Eine Strategie ist die Ausstattung von Amateurmannschaften, wo Ballzauber mit knapp 500 Euro für einen 14er-Mannschaftssatz zwar Puma und Adidas unterbietet, aber in engem Wettbewerb steht zu Marken wie Erima, Uhlsport, Jako, Hummel oder künftig auch Pelé Sports. 

Von den Ballzauber-Gesellschaftern tritt nur Geschäftsführer Bathow in Erscheinung. Er weiß, dass es mit Visionen und Erfolg bei einem Businessplanwettbewerb allein nicht getan ist. Nun folgt die harte Tour, die Suche nach einem strategischen Investor und mengenstarken Händlerverbünden. Karstadt Sports hat Ballzauber im Kölner Haus gelistet. Der Abschluss mit zwei weiteren bekannten Filialisten stehe bevor. 

Auf viel Sympathie trifft der Ansatz im Kreis der DFB-Auswahl, die derzeit den WM-Titel jagt. Sonja Fuss erzählt, dass einige ihrer Kolleginnen in der Turnier-Vorbereitung nach einem Ballzauber-Shirt für den Freizeitauftritt gefragt hätten. Bathow erfüllte den Wunsch freilich gerne. Als bezahlte Werbeträger fungieren U20-Weltmeisterin Turid Knaak und Ballartistin Aylin Yaren, die im Aktuellen Sportstudio schon Franck Ribéry an der Torwand besiegte. Weitere Beraterin ist Ex-Fußballerin Shary Reeves, die als Botschafterin der WM und Moderatorin arbeitet. 

WM als Startschuss

Den DFB-Partner Adidas, der ein sehr feminines Trikot zur Weltmeisterschaft schneidern ließ, lobt Bathow ausdrücklich. „Aber das ist primär ein Fanartikel – und wegen des hohen Preises nicht für den Einsatz bei den vielen tausend Amateur-Mannschaften geeignet.“ Bathow betont, nicht auf einen WM-Einmaleffekt zu setzen. „Das ist für uns nur ein Startschuss, wir wollen Ballzauber mit langem Atem aufbauen.“

Köln als Hochburg

DFB-Pokal Köln bleibt fester Gastgeber des DFB-Pokalfinales bis 2015. So mausert sich die Stadt zur Frauenfußball-Hochburg – auch wenn die FC-Damen nur zweitklassig spielen.

Frauenfußball-Shop Am 6. Juli eröffnen Birgit Bugge und Sonja Krings in Köln den ersten Shop, der nur Frauenfußball-Artikel führt. „Im 60-Kilometer-Umkreis von Köln gibt es 160 Frauenfußballklubs – doch Ausrüstung ist nur umständlich zu ordern. Bei uns entfällt das Procedere der Musterbestellung, man kann anprobieren“, sagt Bugge. Zwei Drittel des Sortiments seien Teamsport-Artikel, ein Drittel Sportmode. Mit mein-frauenfussballshop.de baut das Duo auch auf den Online-Vertrieb.

Stefan Merx für das Handelsblatt

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