Commerzbank konzentriert sich auf den Fußball

Das Geldhaus bereinigt sein Sponsoring- Portfolio und beendet die Zusammenarbeit mit dem Triathlon-Team.

Gibt es ein Gesetz der Serie, dann befördert Marino Vanhoenacker am Sonntag seinen Körper in Klagenfurt als Erster durchs Ziel. Den österreichischen Ironman-Wettkampf hat der belgische Sportsoldat seit 2006 stets gewonnen. Im Triathlon gilt Vanhoenacker als heißer Kandidat auf den Sieg im legendären Hawaii-Rennen im Oktober – es wäre die Krönung seiner Karriere. „Ich bin sicher: Nach Platz drei im Vorjahr habe ich auf Hawaii eine gute Chance“, sagt der Ironman.

Quelle: PR

Commerzbank-Chef Martin Blessing könnte die Energieleistung als bittersüßes Abschiedsgeschenk nehmen. Wie das Handelsblatt erfuhr, streicht die Bank zum Jahreswechsel ihr Triathlon-Sponsoring. „Eine Fortführung des Engagements – auch mit einzelnen Athleten – ist nicht geplant. Die Commerzbank wird ihre Sportsponsoring-Aktivitäten fokussieren und Kräfte bündeln“, sagt Uwe Hellmann, Leiter Brand Management. „Die Bank wird den Schwerpunkt noch stärker auf den Fußball legen.“ Die Bereinigung des Sportsponsoring-Portfolios um alle fußballfremden Inhalte hatte sich bereits abgezeichnet, als die Bank vorzeitig den Frankfurt-Marathon an den neuen Hauptsponsor BMW abtrat. Den drittwichtigsten deutschen Laufwettbewerb hatte die Commerzbank wie auch das Triathlon-Team 2009 von der Investmentsparte Dresdner Kleinwort geerbt. Im Zuge des Integrationsprozesses mit der Dresdner Bank erschien es opportun, das bei den Mitarbeitern beliebte Sponsorship im Ausdauersport fortzusetzen, zumal die übernommenen Verträge ohnehin bis Ende 2011 zu erfüllen waren. 

Mit einer ungewöhnlich scharfen Anti-Doping-Strategie und der Idee, Triathlon auch auf höchstem Niveau als Teamsport zu betreiben, galt das Sponsoring-Konzept als innovativ. „Wir sind der Meinung, das passt zur Bank und ist eine gute Ergänzung“, sagte Hellmann bei der Übernahme. Mehr als 40 Siege später heißt es heute noch immer: „Das Triathlon-Team passt zurCommerzbank und ihren Werten Partnerschaft und Leistung.“ Hellmann lobt auch den „sehr erfolgreichen“ Saisonstart, das Teamkonzept habe sich „bewährt und ist für Sponsoren attraktiv“. Kurz: „Die Partnerschaft war und ist für beide Seiten erfolgreich.“ Gleichwohl ist am 31. Dezember definitiv Schluss mit Schwimmen, Radfahren, Laufen. 

Fußball steht im Mittelpunkt

Aufhören, wenn es am schönsten ist? Eher nicht: Insider halten die Fokussierung auf Fußball aufgrund der beabsichtigen Breitenwirkung für wenig überraschend. Ohne die Frauen-WM, die mit vier Millionen Euro in drei Jahren für die Bank zu Buche schlägt, investiert die Commerzbank nach Zahlen der Sponsoringberatung Sport+Markt rund 6,5 Millionen Euro pro Jahr in den Fußball. 

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Die Commerzbank hinterlässt ein siebenköpfiges Team rund um die Führungsfiguren Normann Stadler, Timo Bracht und den sportlich zuletzt erfolgreichsten Marino Vanhoenacker, der in aller Bescheidenheit zum neuen Gravitationspunkt des Teams avancierte. Es zeichnet sich ab, dass die Truppe im Kern weitermacht, die Ausrüster bleiben treu, derzeit läuft mit Hochdruck die Suche nach einem neuen Hauptsponsor. „Ich würde gerne weitermachen im Team. Die letzten vier Jahre waren die besten meiner Karriere“, sagt Marino Vanhoenacker. Jan Wendt, Geschäftsführer der Hamburger Sportberatung MMH, nimmt das Heft in die Hand: „Bisher waren wir die Umsetzungsagentur für dieCommerzbank. Künftig werden wir das Team selbst managen – und können mehr Entscheidungen selber treffen“, kündigt der ehemalige Formel-1-Manager an. Die Pläne für den Neuanfang sind konkret: Als neue Teamgröße strebt Wendt fünf Athleten an, auch um die Sponsoringsumme will er „kein großes Gewese machen“: 1,2 Millionen Euro solle der Teametat im Jahr betragen, ein Hauptsponsor müsse je nach Rechtepaket mit Kosten von 350000 bis 650000 Euro rechnen, sagt Wendt. 

Eine besonders gute Image-Übereinstimmung sieht Wendt bei den Branchen alternative Energien und Antriebe, der Auto- und Nahrungsmittelindustrie sowie bei B2B-Herstellern für Software- und High Tech. 

Parallel arbeitet er an einer Idee, die die TV-Sichtbarkeit der Eisenmänner verbessern soll: „Ich bin davon überzeugt, dass es uns gelingt, eine Team-Weltmeisterschaft ins Leben zu rufen“, sagt Wendt. Wie im Radsport ließe sich eine Mannschaftsserie starten. Schließlich haben sich nach dem Vorbild der Commerzbank weitere Teams etabliert, darunter Erdinger, Abu Dhabi oder Trek K-Swiss. „Die Zeit ist reif“, sagt Wendt.

Stefan Merx für das Handelsblatt

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