Stadionbetreiber rechnen mit mehr Firmenkunden

Tagungen und Kongresse bringen Fußballklubs wichtige Zusatzeinnahmen. Auch die neue Arena in Mainz soll neben Fans Unternehmen anlocken.

Die Fans sollen diesen Tag nicht vergessen. Neun Stunden lang wird Fußballbundesligist Mainz 05 am kommenden Sonntag die Einweihung der Coface Arena feiern: mit einem Marsch der Anhänger, mit viel Show und Feuerwerk. Das Spiel der Mainzer Profis gegen eine Stadtauswahl ist da fast Nebensache.

Quelle: afroboof auf Flickr.com (CC BY-SA 2.0)

Die Eröffnungsfeier gibt einen Vorgeschmack auf die Nutzungspläne für das neue Stadion. „Eine neue Arena lässt sich allein durch Fußball nicht wirtschaftlich betreiben“, sagt Stefan Nixdorf, der Architekt der Coface Arena, von der Planungsgesellschaft AGN. Investitionen in Komfort locken nicht nur solvente Business-Fans. Zwischen den Spieltagen sollen Kongresse und Tagungen Zusatzeinnahmen bringen.

Mehr Leistung mit weniger Geld – so lautete die Vorgabe der Planer in Mainz. Für den Bau der Coface Arena standen 60 Millionen Euro zur Verfügung, also 1760 Euro pro Tribünenplatz. Das Kölner Rheinenergie-Stadions kostete im Jahr 2004 117 Millionen Euro, das entspricht 2340 Euro pro Sitzplatz.

Im Schnitt bringt das Fußballgeschäft 85 Prozent der Umsätze einer Stadion-Betreibergesellschaft. Doch alternative Erlösquellen gewinnen stetig an Bedeutung. „Je vielseitiger die Flächen, desto größer das Zusatzgeschäft“, sagt Claus Binz, Geschäftsführer des Euskirchener Instituts für Sportstättenberatung (IFS). Die Betreiber der Allianz Arena des FC Bayern in München etwa bieten Firmen Konferenzräume auch stundenweise mit festen Preisen pro Teilnehmer – Catering inklusive. Zur abendlichen Party ziehen die Teilnehmer in eine der acht Eventboxen um. Bundesliga-Absteiger FC St. Pauli hat zwischen Haupt- und Südtribüne für 2,5 Millionen Euro gar eine Kindertagesstätte samt Tribüne gebaut.

Nicht nur Topklubs werben um Unternehmen. Gerade Vereine unterer Spielklassen können ihr Budget mit solchen Zusatzeinnahmen deutlich erhöhen. Denn sie sind sie stärker von den Umsätzen aus dem Stadionbetrieb abhängig als Vertreter der ersten beiden Ligen, die üppige Fernsehgelder erhalten. „Drittligisten mit einer modernen Arena erzielen mindestens doppelt so hohe Einnahmen aus dem Betrieb wie Mannschaften mit altem Stadion“, sagt Binz.

Derzeit entsteht in Deutschland eine Reihe neuer Arenen mit einem Fassungsvermögen von rund 20000 Zuschauern. In Offenbach kostet das Sparda-Bank-Hessen-Stadion der Kickers 25 Millionen Euro, in Essen soll die neue Heimstatt für den Viertligisten Rot-Weiss für 30 Millionen Euro gebaut werden.

IFS-Geschäftsführer Binz berät Bauherren dabei, das Beste aus ihren Budgets zu machen. In der Vergangenheit hätten meist die Planer vorgelegt und dabei zu wenig auf die Kosten geachtet, sagt er. Deshalb richten sich die Ausschreibungen zunehmend an Totalübernehmer, also an einen Zusammenschluss von Planer und Bauunternehmer. „Das verhindert, dass Planer mit Kostenschätzungen arbeiten, die Bauunternehmer nicht einhalten können.“

Nicht nur ein Stadionneubau verspricht zusätzliches Geschäft. Auch mit kleineren Investitionen können Betreiber oder Klubs ihre Finanzlage verbessern. Zur kommenden Saison stellt Drittligist VfL Osnabrück drei zusätzliche so genannte Firmenstammtische in die oberste Tribünenreihe in der Osnatel Arena. 6000 Euro pro Saison zahlen Fans für vier Plätze am eigenen Tresen inklusive Catering-Service und Werbefläche. „Wir sprechen zwischen den Tribünengästen und den VIPs eine neue Zielgruppe an“, sagt Marco Prütz von der vereinseigenen Lila-Weiss Marketing.

Andreas Schulte für das Handelsblatt

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