„Der deutsche Fußball braucht neue Erlösquellen“

Goldmedia-Geschäftsführer Klaus Goldhammer berät die Medienbranche im Online-Geschäft. Im Interview spricht er über die Zukunft des Fußballs im Netz.

Geht es nach der Deutschen Fußball Liga, der DFL, könnte die Sportschau 2013 ins Internet abwandern. Machen die Fans da mit?

Klaus Goldhammer: Ich sehe nicht, wo das Problem liegen sollte. Am Wochenende habe ich die Frauenfußball-WM über einen Internet-Stream angesehen. Die Bildqualität war wunderbar. Die These, dass Programmübertragung über das Internet für die Zuschauer zu kompliziert ist oder die Qualität nicht stimmt, ist mittlerweile hinreichend widerlegt. Zwei Drittel aller Internetnutzer konsumieren bereits Web-Videos. Dafür muss man auch nicht am Schreibtisch sitzen, das funktioniert ganz hervorragend mit Laptop oder iPad auf dem Sofa. 

 

Quelle: Andrew Kuznetsov auf Flickr.com (CC BY 2.0) photo: ˙Cаvin 〄

Aus Sicht der Bundesliga ist es also ein richtiger Schritt, sich auf das neue Konsumverhalten einzustellen? 

Onlinerechte werden ja bereits jetzt gehandelt, etwa das IPTV-Angebot der Deutschen Telekom mit „Liga Total“. Mittlerweile kann man aber klar sehen, dass es auch eine starke Nachfrage nach Web-TV-Angeboten gibt. Viele Nutzer sind es bereits gewohnt, Inhalte direkt über den Browser zu konsumieren. Warum also keine Internet-Sportschau? Aus Sicht der DFL ist es natürlich sinnvoll, solche Rechte auf den Markt zu bringen. 

Steht der Sportrechtemarkt vor einem Umbruch? 

Der Markt wird jedenfalls deutlich größer. Neben den TV-Sendern kommt eine Vielzahl potenzieller Interessenten neu hinzu. Das können Telekommunikationsfirmen wie Vodafone sein, aber genauso Web-Anbieter wie Google oder Yahoo, die sich schon in Position bringen. Auf dem Videoportal Youtube hat Google zum Beispiel zwei Spielzeiten lang die indische Cricket-Liga übertragen. Cricket ist für die Inder das, was für uns Fußball ist. Mit Sportinhalten lassen sich enorme Reichweiten erzielen. 

Lässt sich damit auch Geld verdienen? 

Die Bundesliga ist hierzulande einer der aufmerksamkeitsstärksten Inhalte, die man sich vorstellen kann. Solche Premium-Inhalte waren in der Vergangenheit sehr oft die Basis, um neue Geschäftsmodelle etwa im Pay-TV-Bereich zu etablieren. Auch im Internet wird die Bundesliga dazu dienen, hohe Aufmerksamkeit für neue Angebote zu erzeugen. 

Was bedeutet der Medienwandel für den Sport? 

Um mit Profiligen in England und Italien mithalten zu können, muss die deutsche Fußball-Bundesliga neue Erlösquellen erschließen. Da ist es natürlich im Interesse der Vereine, wenn im Internet neue Geldgeber angesprochen werden. Dass jetzt möglicherweise deutlich mehr Unternehmen um die Ausstrahlungsrechte konkurrieren, könnte die Preise mittelfristig nach oben treiben. 

Will die DFL mit der neuen Internetstrategie ihre bisherigen Partner unter Druck setzen? 

Mit dem Bezahlsender Sky hat die DFL einen Partner, der viel Geld bringt. So etwas gibt man nicht so einfach auf, selbst wenn jetzt auf einmal Internetgiganten aus den USA anklopfen. Im Live-Rechtebereich wird sich deshalb vermutlich erst einmal nicht viel verändern. Bei anderen Rechtepaketen sind in den nächsten Jahren durchaus Überraschungen zu erwarten. Vor zehn Jahren hätte schließlich auch niemand geglaubt, dass mit der Deutschen Telekom ein Unternehmen, das früher Teil der Bundespost war, einmal die Bundesliga vermarkten würde.

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