Sky jubelt über Sabine Lisickis Sensationserfolg in Wimbledon

Auch wenn höhere Quoten bei Sky winken: Die erfolgreichen Tennis-Damen hoffen auf die Rückkehr ins Free-TV, um lukrativere Werbeverträge zu erhalten.

Quelle: marianne bevis auf Flickr.com (CC BY-ND 2.0)

Beim Wimbledon-Finale von 1985 drückte die TV-Nation die Daumen. Mehr als zehn Millionen Zuschauer waren beim ZDF live dabei, als Boris Becker seinen ersten Titel beim weltweit wichtigsten Tennisturnier holte. In diesem Jahr könnte Sabine Lisicki es Becker nachmachen. Sollte sie heute im Halbfinale von Wimbledon die Russin Maria Scharapowa besiegen, würde sie das Endspiel am Samstag erreichen. Der Zuschauerkreis in Deutschland wäre jedoch exklusiv. Die TV-Rechte für Wimbledon hält der Bezahlsender Sky.

Lange Jahre bescherten Boris Becker und Steffi Graf den öffentlich-rechtlichen Sendern und auch RTL gute Quoten. Nach dem Karriereende der beiden Stars ging es sportlich abwärts mit dem deutschen Tennis. Auch das Interesse der TV-Anstalten erlosch. Dass die deutschen Damen gleich zu dritt zurück an die Weltspitze streben, bleibt bislang ohne Folgen für die Strategie der Sender. 

Schroffe Abkehr der öffentlich-rechtlichen Sender

Neben Lisicki konnten zuletzt auch Andrea Petkovic und Julia Görges überzeugen – beide sind in die Top-20 der Weltrangliste vorgestoßen. „Es verwundert, wie radikal sich die öffentlich-rechtlichen Sender vom Tennis abgewandt haben“, sagt Simon Papendorf, Tennisexperte der Sponsoringberatung Sport+Markt. 

„Dass sich insbesondere das deutsche Damentennis gut entwickelt, ist keine Erkenntnis, die wir durch Wimbledon erstmals erfahren“, sagt Sky-Sprecher Wolfram Winter. „Als wir uns um die Rechte bemüht haben, zeigte unseres Wissens nach kein Free-TV-Sender Interesse.“ 

80000 Zuschauer habe Sky am Dienstag beim Viertelfinalsieg von Lisicki gehabt – der Marktanteil betrug deutschlandweit 0,8 Prozent. „Das ist bei einer technischen Reichweite von 2,72 Millionen Haushalten ein beinahe genauso sensationeller Wert wie die Leistung von Sabine Lisicki“, sagt Winter. Für das heutige Halbfinale wäre ein Marktanteil von 1,0 Prozent „nicht überraschend“. 

An einem durchschnittlichen Bundesliga-Samstag hat Sky etwa 910000 Zuschauer, was einem Marktanteil von gut acht Prozent entspricht. „DieLisicki-Quote haben wir allerdings an einem Werktag erreicht, es handelt sich dabei um keinen gelernten Sendeplatz“, erläutert Winter. Sabine Lisicki, zuletzt auf Platz 62 der Weltrangliste, wird mit dem Wimbledon-Halbfinaleinzug Boden gutmachen. Schon jetzt darf sie den größten Erfolg im deutschen Damentennis seit zwölf Jahren feiern. 

Guter Zeitpunkt für den Einstieg

Experte Papendorf hält ein Umdenken der Öffentlich-Rechtlichen für angebracht. „Es ist aktuell für ARD und ZDF ein geeigneter Zeitpunkt, wieder stärker auf Live-Tennis zu setzen“, sagt er. Sky-Sprecher Winter wagt keine Prognose, ob es neue Konkurrenz beim Einkauf von Tennisrechten geben wird. „Wir bewerten jedes Recht, Preistreiberei ist dabei nicht unsere Disziplin“, kündigt er für seinen Sender an. Die Wimbledon-Rechte hält Sky bis 2013 exklusiv. 

Für die Tennis-Verantwortlichen wäre die Rückkehr der großen TV-Anstalten aus wirtschaftlicher Sicht ein Segen. „Nur wenn auch große private oder öffentlich-rechtliche Sender deutsche Tennishelden live in die Wohnzimmer bringen, kann die Vermarktung hierzulande wieder größere Sprünge machen“, sagt Papendorf. Ohne breite TV-Präsenz dagegen halten sich Sponsoren und Werbetreibende meist zurück. 

Doch das Zögern könnte teuer werden. „Wenn die deutschen Tennisfrauen so weitermachen, dann müssen Unternehmen bald deutlich mehr auf den Tisch legen“, sagt Papendorf. „Jetzt wäre noch der günstige Moment, Sponsor von Lisicki & Co. zu werden, bevor die Preise wahrscheinlich deutlich ansteigen.“ 

Die Gunst der Stunde genutzt hat Gerolsteiner. Vor gut einer Woche gab der Mineralwasserhersteller in Wimbledon eine Partnerschaft mit Andrea Petkovic bekannt. Nach dem Abschied vom Radsport im Jahr 2008 ist Gerolsteiner damit zum Sportsponsoring zurückgekehrt.

Thomas Mersch für das Handelsblatt

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