Sylvia Schenk: „Der Weltfußballverband fügt seinen Sponsoren massiven Schaden zu“

Korruptionsvorwürfe erschüttern die Fifa. Transparency International-Vorstand Sylvia Schenk spricht im Interview über Konsequenzen auch für die Werbepartner.

Sponsoren zahlen jeweils dreistellige Millionensummen, um bis 2014 oder länger Partner der Fifa zu sein. Erleben wir gerade ein Marketingdesaster? 

Sylvia Schenk: Was bei der Fifa abgeht, schadet den Sponsoren massiv. Man will eigentlich ein positives Image gewinnen, aber das ist gerade nicht der Fall, wenn man mit der Fifa Werbung macht. Firmen wie Adidas oder Coca-Cola, die stark auf Fairness in ihrem Geschäftsgebaren setzen, müssen aufpassen, dass sie die Fifa nicht in die falsche Ecke zieht.

Muss ein Sponsor jetzt auf die Fifa einwirken? 

Ich habe den Eindruck gewonnen, dass der nötige Veränderungsbedarf im Sport nur noch über Druck von außen – durch Sponsoren oder die öffentlichen Hände – zustande kommen kann. Bei allem Respekt für die Autonomie eines Verbands: Ein Sponsor muss schon in der Vertragspräambel formulieren, welche Werte er vom Sponsoringpartner verlangt – und welche Ansprüche er an ihn stellt. Und das nicht nur in einer läppischen Complianceklausel.

Kann man nachverhandeln, wenn sich nun der Wert des Sponsorings verschlechtert? 

Ich kenne die konkreten Verträge nicht. Doch ich empfehle jedem Sponsor, dezidiert Themen wie Doping, Korruption oder Steuerhinterziehung im Vertrag zu regeln, so dass für solche Fälle Kündigungsmöglichkeiten oder Vertragsstrafen bestehen.

Quelle: Dilma Rousseff auf Flickr.com (CC BY-SA 2.0)

Sind die Fifa-Vorgänge gravierend genug, um über Schadensersatz nachzudenken? Wenn man so etwas im Vertrag stehen hat, denke ich schon, dass jetzt eine solche Vertragsstrafe fällig wäre. Es ist imageschädigend, wenn beispielsweise Adidas im Moment in einem Zug mit der Fifa genannt wird. Auch in Richtung der Mitarbeiter, die ja auf saubere Geschäfte eingeschworen werden, schadet es enorm, was da abläuft.

Hat die Fifa ein Problem namens Blatter? 

Die Strukturen bedingen bestimmte Personen, und die prägen wieder die Strukturen. Man müsste bei der Fifa strukturell einiges ändern, aber auch personell. Der Freispruch der Ethikkommission für den Fifa-Chef Joseph Blatter ist von außen gesehen wachsweich. Ob das auf Dauer trägt, weiß ich nicht. Am besten: erst aufklären und später wählen. Dann sind grundlegende Änderungen nötig.

Ist der Schaden so groß, dass sich etwas ändern wird? 

Das ist meine Hoffnung. Da muss Tacheles geredet werden. Es besteht ja auch der Verdacht, dass Delegierte sich bestechen lassen haben und suspendiert werden müssten. Insgesamt hat sich der Verband mit dieser Episode weiter ins Unglück gestürzt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Fifa das aussitzt – auch nicht ein wiedergewählter Blatter.

Stefan Merx für das Handelsblatt

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