Frankreichs Wirtschaft hofft auf den Golfboom

Die französische Golfindustrie macht bereits Milliardenumsatz. Durch den prestigeträchtigen Ryder Cup könnten noch mehr Sponsorengelder dazukommen.

Der Deutsche Golf Verband (DGV) zeigt sich als fairer Verlierer. Auf der Homepage gratuliert er den Franzosen bildschirmbreit zum Zuschlag: Frankreich wird Austragungsort des Ryder Cups 2018. Die Deutschen hätten das prestigeträchtige Duell der besten amerikanischen und europäischen Golfprofis gerne selbst veranstaltet.

Quelle: jon smith auf Flickr.com (CC BY-SA 2.0) photo: jon smith. (still away)

Es hätte gut ins Bild gepasst: Mit Martin Kaymer, der Anfang des Jahres die Weltrangliste anführte, hat Deutschland ein Aushängeschild, zudem steigen die Mitgliedszahlen im DGV stetig an. Rund 600000 Deutsche spielen Golf. Nur der britische Markt ist in Europa größer.

Dass Frankreich den Ryder Cup austragen darf, ist der Politik zu verdanken. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hatte sich persönlich für die Bewerbung eingesetzt. Er stellt die größten Touristenattraktionen des Landes zur Verfügung: Der Eiffelturm und das Schloss von Versailles werden Veranstaltungsorte sein. Die deutsche Bewerbung konnte von solcher Unterstützung nur träumen: Bezeichnend war eine Bemerkung des Ex-Innenministers Thomas de Maizière, der Golf als „Randsportart“ abkanzelte.

Dass sich nicht nur aktive Spieler für Golf begeistern, beweist der Ryder Cup. Nur die Olympischen Spiele und die Fußball-Weltmeisterschaft erzielen weltweit ein höheres Medieninteresse. 750 Millionen TV-Zuschauer verzeichnete der Ryder Cup letztes Jahr in Wales, die lokale Wirtschaft machte einen Umsatz von 94 Millionen Euro.

Quelle: Handelsblatt

Auf ein Vielfaches dessen hofft Frankreich, ein bevorzugtes Reiseziel amerikanischer und englischer Touristen. Die dortige Golfindustrie erzielt bereits jetzt jährlich einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro und sichert 13000 Arbeitsplätze. Dank der enormen Reichweite ist der Ryder Cup zudem eine perfekte Werbeplattform. Auf der Sponsorenliste der französischen Bewerbung finden sich weltweit tätige Unternehmen wie Vivendi, Alstom oder Louis Vuitton.

Ingmar Höhmann für das Handelsblatt

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