Allianz angelt sich Fußballerinnen als Werbepartner

Die Nationaltrainerin Neid und die Torjägerin Bajramaj treten künftig für den Versicherer an. Der hofft so auf Rückendeckung in der Debatte um Frauenquoten.

Einen guten Monat vor Beginn der Frauenfußball-Weltmeisterschaft baut die Allianz ihr Engagement als Sponsor kräftig aus: Bundestrainerin Silvia Neid wirbt nach Informationen des Handelsblatts ab sofort ebenso wie die extrovertierte Torjägerin Fatmire „Lira“ Bajramaj als neue Markenbotschafterin. Gemeinsam mit der Präsidentin des WM-Organisationskomitees Steffi Jones, die beim Versicherer bereits als Testimonial unter Vertrag steht, hat die Allianz somit drei der profiliertesten deutschen Vertreterinnen des Frauenfußballs im Boot.

Quelle: Bundeswehr-Fotos Wir.Dienen.Deutschland. auf Flickr.com (CC BY-ND 2.0)

„Mit den beiden neuen Markenbotschafterinnen und Steffi Jones haben wir nun unser Team komplett“, sagt Allianz-Vorstand Bernd Heinemann. Er lobt Neid als „erfolgreiche weibliche Führungspersönlichkeit in der Männerdomäne Fußball“ und Bajramaj als „Vorzeigefußballerin Deutschlands mit außerordentlichem Potenzial“. Beide sollen wie Jones vor allem auf Events für die Allianz auftreten, doch auch über Kampagnen zur Weltmeisterschaft und darüber hinaus denke man nach, heißt es im Unternehmen. Cheftrainerin Neid ist bis Herbst 2013 verpflichtet worden, dann endet mit der Europameisterschaft in Schweden auch ihr Vertrag beim Deutschen Fußball-Bund (DFB).

Anders als im Männerfußball, wo Stars wie Michael Ballack vier bis fünf Millionen Euro im Jahr über private Werbeverträge einstreichen, gibt es selbst für amtierende Weltmeisterinnen recht wenig zu verdienen: Nach Angaben der Kölner Sponsoringberatung Sport+Markt kam Fatmire Bajramaj bisher mit vier Werbeverträgen auf Einkünfte von gerade einmal 80000 bis 100000 Euro im Jahr. Die 23-Jährige wirbt bereits für Powerade, Nike, Schwarzkopf sowie den Elektronikhändler Expert.

Bajramaj, im Kosovo geboren, transportiert nach Vorstellungen der Allianz auch das Thema Diversity – also die soziale Vielfalt im Unternehmen. „Wir wollen auch für unseren Außendienst deutlich mehr Frauen gewinnen, es gibt dort gewissen Nachholbedarf“, erläutert Allianz-Sprecher Christian Teichmann. Eine selbstbewusste Newcomerin, noch dazu mit Migrationshintergrund, könne Schulabsolventinnen animieren, sich für eine Vertriebskarriere in der Versicherung zu interessieren.

Zielgruppe der Assekuranz: Frauen und Familien

Auf den Frauenfußball als Vehikel setzt die Allianz zumindest bis Ende 2014 – als sogenannter Hauptpartner des DFB. Das Firmenlogo ist damit auf den Trikots zu sehen. Bei der WM tritt man zudem als einer von sechs nationalen Förderern auf. Dennoch: Mit der Entscheidung, das prominente weibliche Trio für sich werben zu lassen, wolle man nicht nur das kurzfristige WM-Momentum nutzen, sagt Teichmann. Das Sponsoring solle Frauen und Familien ansprechen – in der Altersgruppe acht bis 88 Jahren. „Die drei Frauen decken in dieser Kombination ein breites Spektrum von Attributen ab, von jung-dynamisch bis durchsetzungsstark. Vor allem aber sind alle drei absolut authentisch – das passt zu unserem Anspruch, in unseren Kampagnen nur mit echten, glaubwürdigen Menschen zu arbeiten.“

Bundestrainerin Silvia Neid weiß, dass sie dabei vor allem die zielstrebige, seriöse Erfolgsfrau verkörpern soll, die der Allianz auch in der laufenden Frauenquoten-Debatte ein Gesicht gibt: „Ich freue mich, Partner eines großen Unternehmens zu sein, das auch für die Förderung von Frauen im Beruf einsteht“, sagt die Welttrainerin des Jahres 2010.

Nationaltrainerin Neid ist gut im Geschäft

Ihr Berater Sascha Fabian von der Burda Sports Group hat die Kontakte zur Allianz beim DFB-Neujahrsempfang geknüpft. Der Vertrag, über dessen Dotierung beide Seiten schweigen, enthalte keine erfolgsabhängige Komponente, sagt er. Neid wirbt auch für den Ausstatter Cinque und den zu Saint-Gobain gehörenden Photovoltaikanbieter Solarkauf. In einer Imagewerte-Untersuchung von Sport+Markt erreichte Neid 2010 gar deutlich höhere Sympathiewerte als Herren-Cheftrainer Jogi Löw – besonders unter den Älteren und Besserverdienenden hatte sie mehr Fans.

Stefan Merx für das Handelsblatt

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