Verband stoppt die Titeljagd auf Pump

Englische Klubs sind die Profiteure der Champions League. Doch strengere Finanzregeln der Uefa geben der Bundesliga die Chance, bald Boden aufzuholen.

Manchester United ist der finanzielle Gewinner der diesjährigen Champions League. Schon bevor das Finale am 28. Mai gegen den FC Barcelona angepfiffen wird, kann sich der englische Meister dessen sicher sein. Grund: Selbst bei einer Niederlage im Wembley-Stadion bekommen die Briten das meiste Geld. Der europäische Fußballverband Uefa müsste 57,4 Millionen Euro an Manchester überweisen – 4,5 Millionen mehr als Barcelona bei einem Triumph einstreichen würde.

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Finanziell liegt Manchester in jedem Fall vorne, weil neben ergebnisorientierten Prämien mehr Geld aus dem sogenannten Marktpool fließt – dieser berücksichtigt TV-Einnahmen der Uefa aus den einzelnen Ländern. Da in England Fernsehsender besonders viel für Fußballrechte zahlen, wird United seine Vormachtstellung ausbauen. Mit Einnahmen von 173,4 Millionen Euro aus den Jahren 2006 bis 2010 führt der Klub die Geldrangliste der Königsklasse schon jetzt souverän an – das hat die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte exklusiv für das Handelsblatt ermittelt. Bayern München auf Rang sieben

Eindrucksvoll zeigt die Erhebung die Dominanz des englischen Fußballs in Europa: Klubs von der Insel belegen vier der ersten sechs Plätze. Bayern München liegt als einziger deutscher Top-Ten-Verein auf Rang sieben. Allerdings könnten die deutschen Klubs aufholen. Denn die Uefa führt in den kommenden Jahren Schritt für Schritt das Financial Fair Play ein. Es soll operative Verluste im europäischen Profifußball streng begrenzen. 

Vor allem dürfen reiche Klubbesitzer wie Roman Abramowitsch beim FC Chelsea hohe Defizite bald nicht mehr aus ihrem Privatvermögen ausgleichen. „Eine strikte Umsetzung der Neuregelungen vorausgesetzt, sollte das Financial Fair Play die zum Großteil wirtschaftlich solide Bundesliga stärken“, sagt Karlheinz Küting, Direktor des Centrums für Bilanzierung und Prüfung an der Universität des Saarlands. Zur ökonomischen Vernunft trägt hierzulande das vergleichsweise strenge Lizenzierungsverfahren bei. 

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Rasant ist der Prämientopf für Champions-League-Teilnehmer gewachsen – in der Saison 2009/2010 dank neuer TV-Verträge um knapp 30 Prozent auf754,5 Millionen Euro. Der Kampf um den Titel verleitet einige Vereinsbosse dazu, mehr Geld in den Kader zu stecken, als sie erwirtschaften. Allein 2009 häuften Europas Profivereine Verluste von 1,2 Milliarden Euro an. „Falls wir nichts unternehmen, führt diese Entwicklung den europäischen Fußball in die Katastrophe“, sagt Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino. Bei fast zwei Dritteln aller Teilnehmer an den europäischen Wettbewerben überschritten die Ausgaben zuletzt die Einnahmen – sie hätten damit die Break-Even-Regel der Uefa verletzt. 

Die Abhängigkeit nimmt zu

Längst hängen viele große Klubs finanziell am Tropf der Champions League. Zu den Uefa-Überweisungen kommen Einnahmen aus dem Ticketverkauf und Erfolgsprämien von Sponsoren. Werbemärkte im Ausland werden nur mit regelmäßigen Auftritten in der Königsklasse erschlossen. „Wer sich als internationale Marke etablieren will, braucht die Champions League“, sagt Stefan Ludwig, Direktor der Industriegruppe Freizeit bei Deloitte. 

Wer nicht solide wirtschaftet, wird jedoch künftig ausgeschlossen. Klubs, die ab der Saison 2013/14 an einem europäischen Wettbewerb teilnehmen wollen, dürfen in den beiden Spielzeiten zuvor jeweils nicht mehr Verlust als fünf Millionen Euro machen. Ausnahmen gibt es zunächst, wenn Investoren die Defizite tragen. Doch diese werden streng gedeckelt, die Obergrenzen schrittweise gesenkt. Stetig verringert sich so der Spielraum: „Betroffene Klubs werden bei den Spielergehältern ansetzen müssen“, sagt Ludwig. 

Um die Wirkung der Fair-Play-Regeln abzuschwächen, suchen einige Klubmanager schon nach Bilanztricks. Ein Investor könnte als besonders freigiebiger Sponsor auftreten. Die Uefa will zwar prüfen, ob solche Ausgaben marktüblich sind. „Das zuverlässig zu ermitteln, ist keine leichte Aufgabe“, sagt Bilanzexperte Küting. „Es werden sich erhebliche Ermessensspielräume ergeben und umfangreiche Kontrollen der Uefa erforderlich sein.“ 

Wer rechtzeitig gegensteuert, muss den strengen Blick der Uefa-Verantwortlichen nicht fürchten. Dem neuen deutschen Meister Borussia Dortmund ist das mit einem strikten Sparkurs gelungen. Das Management habe „einen sensationellen Job“ gemacht, lobt Ludwig. „Der Klub hat seine Verluste signifikant abgebaut und ist finanziell reif für die Champions League – selbst mit Break-Even-Regel.“

Ingmar Höhmann und Thomas Mersch für das Handelsblatt

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