Ein Sieg – und Duisburg hätte Sorgen

Der Zweitligist könnte mit dem Pokalsieg die Europa-League erreichen, doch das birgt ein finanzielles Risiko.

Der vierte Anlauf soll gelingen. Bereits dreimal zog der MSV Duisburg ins Finale des DFB-Pokals ein – und verließ den Platz stets als Verlierer. Am Samstag hat der Klub erneut die Chance, den größten Erfolg in seiner über 100-jährigen Geschichte zu feiern. Im Berliner Olympia-Stadion steht das Ruhrgebietsduell mit dem FC Schalke 04 an. Dabei hat Duisburg als Zweitligist zwar nur Außenseiterchancen. Finanziell aber wird sich die Reise in die Hauptstadt lohnen.

Quelle: xtranews.de auf Flickr.com (CC BY 2.0)

Allein aus TV-Geldern nehmen beide Klubs mindestens sechs Millionen Euro ein – der Sieger erhält einen Aufschlag von 500000 Euro. Hinzu kommen Erlöse aus Eintrittsgeldern. Die Einnahmen werden die wirtschaftliche Bilanz der Duisburger kräftig aufpolieren. „Wir erwarten in dieser Spielzeit einen Überschuss in Millionenhöhe“, sagt Geschäftsführer Roland Kentsch. 

Die Momentaufnahme aber täuscht: Der Verein steht unter Druck. Drei Jahre nach dem Abstieg aus der Bundesliga lasten hohe Schulden auf dem MSV. Öffentlich kommuniziert wird die Summe nicht, doch die regionale Presse berichtet über neun Millionen Euro. Die Pokaleinnahmen werden deshalb nicht dabei helfen, bessere Spieler zu verpflichten und das Mittelfeld der zweiten Liga zu verlassen. Statt zu investieren, fährt der MSV einen harten Sparkurs. 

„Wir werden mit den Zusatzeinnahmen aus dem DFB-Pokal größtenteils Verbindlichkeiten abbauen“, kündigt Kentsch an. Zwar stockt der Klub den Lizenzspieler-Etat in der kommenden Saison um rund eine Million auf 6,3 Millionen Euro auf. Doch auch damit wird der MSV aller Voraussicht nach nur im unteren Drittel der Etatrangliste der Zweitligavereine landen. Vom Aufstieg kann man da höchstens träumen. „Wir geben keine sportlichen Ziele aus“, sagt Kentsch. 

Altlasten drücken auf die Bilanz

Schwer trägt der MSV an den Altlasten der Ära des Vorstandsvorsitzenden Walter Hellmich. Zwar hatte der Bauunternehmer 2004 das alte Wedau-Stadion in eine moderne Fußballarena umbauen lassen und zweimal gelang während seiner Amtszeit die Rückkehr in die Bundesliga. Doch nicht nur wegen seines patriarchalischen Führungsstils geriet Hellmich in die Kritik. 2008 sicherte er der von seinem Sohn geführten Firma HMM für zehn Jahre die Gesamtvermarktung des MSV zu – Vetternwirtschaft, urteilten Kommentatoren. 

Im Dezember 2010 beugte sich Hellmich dem Druck und trat nach acht Jahren Amtszeit zurück – die sportliche Bilanz war ebenso ernüchternd wie die wirtschaftliche. Über fünf Millionen Euro Verlust machte der MSV allein während der Spielzeiten 2008/09 und 2009/10. Die Lizenz für die gerade beendete Saison gab es nur in Verbindung mit strengen Sparvorgaben. 

Hohe Kosten verursacht vor allem das neue Stadion. Auf fünf Millionen Euro jährlich beziffert Kentsch die Miete – sie geht an ein Investorenkonsortium um Walter Hellmich. Vor einem Jahr präsentierte Kentsch mit Schauinsland-Reisen immerhin einen Namenssponsor für die Arena – bis 2013 soll das Unternehmen jährlich eine Million Euro dafür zahlen. 

Zwar könnte Duisburg mit einem Sieg über Schalke den ersten großen Titel feiern. Doch der Erfolg wäre mit hohen Risiken verbunden. Denn der Pokalsieger qualifiziert sich für die Teilnahme an der Europa League. „Diese könnte für uns wirtschaftlich eine Belastung darstellen“, sagt Kentsch. „Um die Spiele erfolgreich zu bestreiten, müssten wir den Kader erweitern.“ 

Karge Prämien der Europa League

Genau das aber kann sich der MSV nicht leisten. Denn im Gegensatz zur Champions League sind die Prämien in der Europa League bescheiden – Investitionen in den Kader lassen sich kaum ausgleichen. In der Saison 2009/10 spielte der Hamburger SV hier in 13 Partien gerade einmal 1,8 Millionen Euro ein, der VfL Wolfsburg ging nach Aussage des damaligen Managers Dieter Hoeneß mit nur 105000 Euro nach Hause. Einem Zweitligisten wie Duisburg droht angesichts starker Konkurrenz ausländischer Topklubs ein frühes Scheitern. 

Gewinnbringender könnten die jüngsten Siege bei Verhandlungen mit Sponsoren sein – sie steuern 40 Prozent zum Gesamtumsatz von 20 Millionen Euro bei. Es stehen Gespräche mit Hauptsponsor Rheinpower an – die Online-Marke der Stadtwerke Duisburg. Letzte Saison überwies das Unternehmen rund eine Million Euro. Kentsch hofft auf eine Verlängerung: „Der Erfolg im Pokal erleichtert die Verhandlungen.“

Millionenspiel

TV-Gelder Der DFB-Pokalsieger kassiert eine Prämie von 2,5 Millionen Euro, der Verlierer erhält zwei Millionen. Bis zum Finale haben der FC Schalke und der MSV Duisburg bereits jeweils rund vier Millionen eingespielt – das Geld stammt aus der Fernsehvermarktung.

Zuschauereinnahmen Hinzu kommen Eintrittsgelder. Sie werden zwischen Heim- und Gastmannschaft geteilt. Kleine Klubs können Kasse machen. So nahm der Fünftligist Germania Windeck bei seiner Erstrundenpartie gegen den FC Bayern vergangenes Jahr rund 400000 Euro ein – das entspricht zwei Dritteln des Personaletats.

Andreas Schulte für das Handelsblatt

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