Wo Korruption im Sport um sich greift

Die Rechtswissenschaftlerin Katharina Lammert, tätig an der Deutschen Sporthochschule Köln, unterscheidet fünf Kategorien für Korruption im Sport.

Vergabe und Realisierung von Sportgroßveranstaltungen

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte seinen großen Sündenfall bei den Winterspielen in Salt Lake City 2002. Die Bewerberstadt hatte die Wahl des Ausrichters im Jahr 1995 manipuliert und mindestens 24 IOC-Mitglieder bestochen. Vier traten in der Folge zurück, fünf wurden suspendiert. Lammert erkennt zudem ein hohes Potenzial für Bestechungsdelikte, wenn es um die lukrativen Bauaufträge für Sportstätten geht.  Auch bei der jüngsten Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine kamen massive Zweifel bezüglich der intransparenten Vergabe von Aufträgen auf. In München gab es Unregelmäßigkeiten beim Bau der Allianz Arena: Der ehemalige Geschäftsführer des Klubs 1860 München und der Stadion GmbH, Karl-Heinz Wildmoser, wurde verurteilt, weil er 2,8 Millionen Euro Schmiergelder vom Baukonzern Alpine bekommen haben soll.

Bestechung von Schiedsrichtern

Der falsche Pfiff zur rechten Zeit – es sind vor allem Wettbetrugsdelikte, die zur Schiedsrichterbestechung animieren. Prominentes Beispiel  in Deutschland war der Fall Robert Hoyzers, der im Auftrag der Wettmafia mehrere Fußballspiele als vermeintlich Unparteiischer manipuliert hat. Verurteilt wurde der Schiedsrichter wegen Beihilfe zum Betrug zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft. Der Drahtzieher Ante Sapina bekam eine um sechs Monate längere Freiheitsstrafe. Im Fall des THW Kiel, wo unter anderem das Handball-Champions-League-Finale 2007 gerichtlich auf Manipulation hin untersucht wurde, endete der auf den Schiedsrichtern und THW-Funktionären lastende Verdacht im Freispruch.

Korruption bei der Ämtervergabe im organisierten Sport

Günstlingswirtschaft und Patronage ist nur schwer nachzuweisen, wenn es um die begehrten Sitze in den Spitzensportorganisationen geht. Die Präsidentschaftswahlen des Weltfußballverbandes Fifa waren von Unruhen begleitet, nachdem der frühere Chef des karibischen Verbands, Jack Warner, schwere Anschuldigungen erhoben hatte. Warner hatte behauptet, er habe nur einen Dollar für die WM-Rechte 1998 zahlen müssen. Das Schnäppchen sei als Dank für seine Wahlhilfe für den Fifa-Präsidenten Joseph Blatter zu verstehen gewesen.

Bestechung durch VIP-Einladungen

Die Einladungen zu Sportveranstaltungen (Hospitality) werden ebenfalls von den Compliance-Abteilungen der Gäste und Gastgeber immer kritischer geprüft. Neben dem oft raren Gut Eintrittskarte werden manchmal noch die Anreise und eine Beköstigung finanziert. „Schon der Anschein, es könne sich um die Bestechung von Amtsträgern oder Geschäftspartnern handeln, muss vermieden werden“, sagt Sportjuristin Lammert. Mit einem Freispruch durch den BGH endete der Prozess gegen den ehemaligen EnBW-Chef Utz Claassen, der Ticketgutscheine für Fußball-WM-Spiele 2006 an Politiker verschicken ließ. Der Prozess hat die Unsicherheit rund um die Zulässigkeit von VIP-Einladungen dennoch eher verschärft.

Bestechung bei der Vergabe von Sponsoringrechten und TV-Rechten

Auch Entscheidungsträger an Schaltstellen bei Sendern und Sponsoren sind mitunter bestechlich. So hat der ehemalige Sportchef des Senders MDR, Wilfried Mohren, über Jahre unter der Hand Geld von Sponsoren kassiert und im Gegenzug bestimmte Sport-Veranstaltungen werbewirksam im Fernsehen gezeigt. Er wurde 2009 zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Auch der Ex-Sportchef des HR, Jürgen Emig, wurde verurteilt wegen Untreue und Bestechlichkeit, weil er Schmiergelder angenommen hatte. Sogar Koppel-Geschäfte zwischen Sponsoren geraten ins Blickfeld der Staatsanwaltschaft: So stellte die Deutsche Telekom in einem Fall selbst Strafanzeige. Sie hatte bemerkt, dass drei T-Systems-Mitarbeiter versucht hatten, einen Sponsoringvertrag mit der VW-Fußballtochter VfL Wolfsburg mit millionenschweren geschäftlichen Aufträgen zu koppeln.

Quelle: Katharina Lammert, Deutsche Sporthochschule Köln.

Stefan Merx für Handelsblatt Online

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