Sponsoren spüren Druck von Aktivisten

Mit Olympia will London ein grünes Image aufbauen. Aber passen dazu IOC-Förderer wie Dow Chemical?

Für die Olympischen Spiele hat London richtig aufgeräumt: Teile des Olympiaparks waren noch vor wenigen Jahren kontaminiertes Sperrgebiet. Doch statt zwei Millionen Tonnen Erdreich einfach abzutragen und so Tausende Lkws durch die Londoner Innenstadt zu schicken, reinigten Experten den Untergrund mit modernster Technik direkt vor Ort.

Die Vergangenheit war schmutzig, die Zukunft ist grün: So wollen es die Olympiamacher. 

Quelle: Ben Sutherland auf Flickr.com (CC BY 2.0)

Selbst das Londoner Stadtparlament hatte vor Wochen noch das lokale Organisationskomitee aufgefordert, die Zusammenarbeit mit Dow Chemical zu überdenken – freilich vergeblich. Dow hat kostenlos an der Verkleidung des Stadions mitgewirkt und den Veranstaltern so über acht Millionen Euro erspart. Die Firma ist als weltweiter Toppartner des Internationalen Olympischen Komitees seit 2010 Teil der Fünf-Ringe-Familie. Allein die elf Topsponsoren spülen 957 Millionen US-Dollar von 2009 bis 2012 in die IOC-Kasse. 

Den Geldgebern wird im Gegenzug etwas geboten: Londons Spiele sind eine gute Bühne für Firmen, die sich als nachhaltig präsentieren wollen. Mit zahlreichen Projekten möchte sich London als grüne Weltstadt zeigen. Prestigeträchtige Ideen gab es reichlich – und sie wurden größtenteils auch umgesetzt. So könnte London tatsächlich die nachhaltigsten Spiele aller Zeiten ausrichten. Das Olympiastadium wurde teilweise aus alten Gasrohren zusammengebaut. 70 Prozent des Mülls, der an den Sportstätten entfällt, soll recycelt werden. Das Radstadion hat eine natürliche Klimatisierung. 

„So stark wie London hat bisher noch kein Ausrichter Nachhaltigkeit ins Zentrum der Spiele gerückt“, sagt Allan Brimicombe. Der Geografieprofessor an der Universität East London hat die Nachhaltigkeit der Spiele im Auftrag des lokalen Organisationskomitees überprüft. „Die Spiele präsentieren Technologien, die sich jetzt vielleicht in der privaten Wirtschaft durchsetzen“, erklärt Brimicombe. 

Auch der Mainzer Sportökonomie-Professor Holger Preuß lobt die Konsequenz und das clevere Marketing der Stadt. „Ich bin beeindruckt, wie viele der versprochenen Maßnahmen umgesetzt wurden“, meint Preuß. „Die Stadt nutzt die Spiele gut, um sich ein grünes Image zu verpassen.“ Jedoch sieht auch er den Widerspruch: „Die Sponsoren passen teilweise nicht in das Konzept.“ 

Vor allem das Engagement des Chemieriesen Dow Chemical erhitzt die Gemüter: Kritiker machen den Konzern für das Unglück im indischen Bhopal mitverantwortlich, bei dem im Jahr 1984 Tausende ums Leben kamen und dessen Geschädigte in vielen Fällen immer noch auf eine Entschädigung warten. 

Auch Rio Tinto steht immer wieder in der Kritik wegen Umweltverschmutzungen als Folge von Grabungen. Zusätzlich hatten englische Medien berichtet, dass der Konzern, der für die Spiele die Medaillen liefert, nicht die gleichen Umweltauflagen wie andere Zulieferer erfüllen müsse. 

Das IOC und das lokale Organisationskomitee verteidigen jedoch die Partner: Sie seien schließlich sorgfältig geprüft worden. Dow Chemical beispielsweise sei für die Katastrophe von Bhopal „nicht verantwortlich“, sagte London- 2012-Chef Sebastian Coe. 

Um auf die Widersprüche aufmerksam zu machen, zogen die Aktivisten von Greenwash Gold durch London und veranstalteten symbolische Medaillen-Zeremonien, bei denen die aus ihrer Sicht fragwürdigsten Sponsoren gekürt wurden. 

Auch wenn die Proteste am Status quo in London nichts ändern, bleiben sie wohl nicht ohne Eindruck auf die großen Sportorganisationen. Auch mehrere britische Parlamentsabgeordnete haben das IOC aufgefordert, seine Sponsorenpolitik zu überdenken. Für den Sportökonomen Preuß ist das kein abwegiger Gedanke: „Ich kann mir gut vorstellen, dass das IOC seine Sponsoren auf Nachhaltigkeit bald stärker überprüft.“

Frederic Spohr für das Handelsblatt

Kommentar hinterlassen


9 × zwei =

© 2012 Pressebüro JP4

Nach oben scrollen