Der doppelte Vettel

Erlebniswelt, VIP-Club, Showbühne – zahlreiche Rahmenveranstaltungen locken das Publikum am Hockenheimring an den Streckenrand.

Diese Niederlage war für Formel-1-Pilot Timo Glock leicht zu verkraften. Vor sechs Wochen trat er am Hockenheimring an. Nach der Wettfahrt über 20 Runden belegte er nur Platz 13 – und gab dennoch gut gelaunt das Lenkrad aus der Hand. Denn es ging nicht um wertvolle Weltmeisterschaftspunkte. Glock war zu einem virtuellen Wettkampf zur badischen Rennstrecke gereist.

Foto: Manel auf Flickr.com (CC BY-ND 2.0)

„Meet & Beat Timo Glock“ hieß das Duell, veranstaltet unter anderem vom Rennsimulator-Hersteller Raceroom und der Deutschen Post Speed Academy. Dabei hatten PC-Piloten die Chance, sich am Rennsimulator mit dem Formel-1-Star zu messen. Auf Schampus und Pokal mussten die Sieger verzichten – dafür erhielten sie Tickets für das Rennwochenende am Hockenheimring.

Mehrere Serien am Start

Das Duell zwischen Star und Fans war der Auftakt für das umfangreiche Rahmenprogramm, mit dem Sponsoren und Veranstalter die Besucher der Formel 1 bei Laune halten wollen. Zwar bekommen Fans, die am Wochenende nach Hockenheim strömen, reichlich Motorsport zu sehen. Denn neben der Formel 1 starten auch die Rennflitzer der beiden Serien GP2 und GP3 sowie des Porsche Mobil 1 Supercups. Die PS-Duelle allein aber reichen nicht für optimale Unterhaltung.

Auf einer Showbühne wechseln sich am Samstag im Zwanzigminutentakt die Fahrer mit Autogrammstunden ab. Zeitgleich können Fans SebastianVettel noch einmal ganz nah kommen. Erstmals wird die Wachsfigur des Weltmeisters gezeigt – Ende Juli bekommt sie dann im Berliner Figurenkabinett von Madame Tussauds einen festen Platz.

Auch wer nicht vor Ort ist, kann das Wochenende live erleben. Das „Rennradio“ von SWR 3 sendet auf einer eigenen Frequenz. Den Auftakt machte ein „Kick für Kinder“ am gestrigen Mittwoch: In der Frankfurter Commerzbank-Arena spielten Formel-1-Piloten gegen eine Mannschaft mit Fernsehmoderatoren. Der Erlös geht an bedürftige Kinder.

Auch für Eigenwerbung der Hersteller ist Platz. So hat Mercedes-Benz gleich eine komplette „Experience World“ am Rande der Rennstrecke eingerichtet. Hier zeigt das Unternehmen, welche Sicherheitstechnik in Serienautos steckt oder wie Geländewagen Hindernisse überwinden.

Exklusivität zählt bei Hospitality-Angeboten, zu denen zahlreiche Formel-1-Partner einladen. Alternativ können Zuschauer sich den VIP-Status auch erkaufen. Viele Stammgäste werden im Formula One Paddock Club erwartet. Unter diesem Titel wird an allen Formel-1-Strecken ein Luxuszugang am Rennwochenende vertrieben – mit weltweit vergleichbaren Standards, egal ob Hockenheim, Abu Dhabi oder Montreal.

Zu den Logenplätzen gibt es dabei einen Rundgang durch die Boxengasse, Champagner und feinstes Essen sowie – nicht zu verachten – privilegierte Parkplätze. Das Ganze, garniert mit dem offiziellen Logo der Formel 1, hat seinen Preis: 3 450 US-Dollar plus Mehrwertsteuer kostet das Ticket für Samstag und Sonntag. Andere VIP-Plätze, zum Teil mit Verpflegung, aber nicht überdachten Sitzplätzen, wurden ab knapp 700 Euro angeboten – und sind bereits ausverkauft.

Manuel Heckel für das Handelsblatt

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