Hamsterkäufe auf dem Transfermarkt

Fußballinvestoren pumpen trotz Schuldenbremse der Uefa Millionen in ihre Klubs – und ärgern damit auch die Bundesliga-Manager.

Den Saisonauftakt wird sich Nasser Al-Khelaifi ganz anders vorgestellt haben. Seit vergangenem Herbst ist der Sport-Manager aus Katar Präsident von Paris Saint-Germain. Die Qatar Investment Authority hält die Mehrheit am französischen Hauptstadtklub – das Spielerbudget kennt nunmehr keine Grenzen.

Conseil général des Yvelines über Flikr.com (CC BY-ND 2.0)

Für geschätzte 140 Millionen Euro haben die Pariser zur aktuellen Saison neue Stars verpflichtet. Zum Personal zählt nun auch der Schwede Zlatan Ibrahimovic, der pro Jahr 14 Millionen Euro netto verdienen soll. Sportlich hat sich das bislang nicht ausgezahlt: Zweimal trat Paris zum Beginn dieser Spielzeit in der Liga an, zweimal gab es nur ein Unentschieden. Das entspricht derzeit Platz zwölf.

Mit dem Fehlstart dürfen sich die Pariser der Häme der Konkurrenz in ganz Europa sicher sein. Kritiker der Klubeigner wählen drastische Worte. Beim Gedanken an das Gehalt von Ibrahimovic werde ihm „fast schlecht“, kommentierte Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef des FC Bayern München, unlängst die Finanzpolitik des Rivalen aus Frankreich. Dabei haben die Münchener selbst massiv investiert, um nach zwei Jahren ohne Titel die Pokalvitrine wieder zu füllen.

Für fast 70 Millionen Euro will der Rekordmeister neue Spieler holen. Etwa 40 Millionen soll allein die Ablöse für den Spanier Javi Martinez betragen, der aus Bilbao nach München kommen will. Der Wechsel könnte aber scheitern. „Es sieht im Moment nicht gut aus“, sagte Bayern-Präsident Uli Hoeneß gestern dem Nachrichtensender NTV. „Die Leute in Bilbao nutzen alle Möglichkeiten, um den Transfer zu verhindern.“ Der aktuelle Meister Borussia Dortmund gibt immerhin gut 25 Millionen Euro aus für neues Personal wie den Fußballer des Jahres Marco Reus – spielt aber etwa die gleiche Summe mit Spielerverkäufen wieder ein.

Am Tropf des Investors

Die Bayern sind der Liga-Konkurrenz bei Investitionen in Spieler weit voraus. Und sie brauchen im Gegensatz zu Paris keinen Investor, um auch ganz große Deals zu stemmen. Der Unterschied zwischen den beiden Vereinen? „Mindestens 220 Millionen Euro“, sagt Stefan Ludwig, Leiter der Sportbusiness-Gruppe des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Deloitte in Düsseldorf. Während Bayern München mit einem Umsatz von gut 320 Millionen Euro in Europa in der Saison 2010/11 auf Platz vier rangierte, erreichte St. Germain nicht einmal die Top 30 und blieb bei den Erlösen – Transfers herausgerechnet – unter der 100-Millionen-Euro-Grenze. Und während die Bayern vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ein Ergebnis von 62,3 Millionen Euro erzielten, legten die Pariser rote Zahlen vor: 29,5 Millionen Euro betrug das Minus in der vorletzten Spielzeit.

„Die Münchener haben immer im Rahmen ihrer wirtschaftlichen Möglichkeiten gehandelt“, sagt Ludwig. Die Franzosen dagegen sind auf Finanzspritzen ihres Investors angewiesen – ebenso wie beispielsweise der englische Meister Manchester City, wo Scheich Mansour bin Zayed al Nahyan aus Abu Dhabi das Sagen hat, oder Champions-League-Sieger FC Chelsea, der am finanziellen Tropf des russischen Milliardärs Roman Abramowitsch hängt. Er steckte gerade noch einmal umgerechnet etwa 80 Millionen Euro in sein Team.

Die hohen Ausgaben überraschen angesichts der Financial-Fair-Play-Pläne des Verbands Uefa. Klubs dürfen danach in der laufenden sowie der Vorsaison nur ein Defizit von zusammen 45 Millionen Euro ausweisen, sonst drohen Strafen. Investoren dürfen höhere Fehlbeträge nicht mehr ausgleichen.

Last Call für Investoren

Wer zu viel Verlust schreibt, muss ab der Saison 2014/15 gar mit dem Ausschluss von Champions League oder Europa League rechnen. „Ich habe den Eindruck, dass einige Vereine noch nicht verstanden haben, was Financial Fair Play bedeutet“, kommentierte Bayern-Boss Rummenigge. Freilich könnte das Gegenteil der Fall sein. „Es ist möglicherweise die letzte Chance, die Investoren suchen, um ihren Kader noch einmal aufzurüsten“, sagt Stefan Ludwig. „Denn der Spielraum wird immer kleiner.“

In den Folgejahren senkt die Uefa das erlaubte Defizit. Möglicherweise spekulieren schwerreiche Investoren darauf, dass die Uefa zunächst noch auf ein Startverbot für Schuldenkönige verzichtet.

Thomas Mersch für das Handelsblatt

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