Riskanter Kaufrausch

Als Sportdirektor von Zenit St.Petersburg darf Dietmar Beiersdorfer mit Gazprom-Millionen den europäischen Fußball aufmischen.

Mit finanzkräftigen Investoren hat Dietmar Beiersdorfer schon Erfahrung gesammelt. Zuletzt war der deutsche Ex-Nationalspieler Sportdirektor bei Red Bull Salzburg. Der Fußballklub ist benannt nach dem österreichischen Hersteller von Energydrinks und gehört dessen Eigentümer Dietrich Mateschitz. Im vergangenen Frühjahr trennten sich der Klub und Beiersdorfer.

Ein gutes Jahr später hat der Deutsche einen neuen Job gefunden. Im August heuerte Beiersdorfer beim russischen Meister Zenit St. Petersburg an. Wieder ist viel Geld im Spiel: Hauptanteilseigner des Klubs ist der staatlich kontrollierte Energiekonzern Gazprom. Mit dessen Rückendeckung darf der deutsche Sportdirektor den europäischen Transfermarkt aufmischen. Anfang des Monats sorgte er gleich zweimal für Aufsehen.

Für 40 Millionen Euro verpflichtete St. Petersburg den belgischen Mittelfeldspieler Axel Witsel von Benfica Lissabon. Gar für 55 Millionen Euro holte Beiersdorfer den brasilianischen Stürmer Hulk vom FC Porto. Das neue Personal soll nun auch für Erfolge in der Champions League sorgen.

Quelle: ruben van eijk über Flikr.com (CC BY 2.0)

Nicht nur bei St. Petersburg sitzt das Geld für den Spielermarkt locker. Die russische Premier Liga insgesamt hat in dieser Saison laut „transfermarkt.de“ rund 226 Millionen Euro für Spieler ausgegeben und nur knapp 37 Millionen Euro mit Verkäufen eingenommen. Nur die englische Premier League weist ein höheres Transferdefizit aus. Für Furore sorgt auch der kaukasische Klub Anzhi Makhachkala. Dessen Eigentümer, der Milliardär Suleyman Kerimov, hat letztes Jahr Top-Stürmer Eto’o von Inter Mailand verpflichtet, der 20 Millionen Euro pro Jahr verdienen soll.

Abhängig von Sponsoren

„Man kann die Entwicklung der russischen Liga rein fußballerisch positiv sehen“, sagt der Kölner Sportökonom Christoph Breuer. „Der Anschluss an die europäischen Topligen gelingt. Doch die wirtschaftliche Betrachtung ist mit einigen Fragezeichen verbunden.“ Denn die Klubs erwirtschaften nur einen Bruchteil des Geldes selbst, das sie ausgeben – etwa durch den Verkauf von Karten oder TV-Rechten.

81 Prozent der Klubeinnahmen stammen laut Breuer von Sponsoren. „Das ist ein krasser Ausreißer nach oben“, sagt er. „Da schrillen die Alarmsirenen.“ Finanzielle Leistung und Gegenleistung etwa durch Werbeeffekte dürften weit auseinanderliegen. Es liege der Verdacht nahe, dass den Klubs so zusätzlich Geld zugeschustert werde – auch um die Financial-Fair-Play-Regeln der Uefa zu umgehen. Diese sollen für ein solides Wirtschaften im europäischen Fußball sorgen. Die Transferpolitik von Zenit St. Petersburg zum Beispiel sei damit nicht in Einklang zu bringen, sagt Breuer. „Nach meiner Interpretation wäre das ein massiver Verstoß.“

Gazprom, ebenfalls Trikotsponsor von Schalke 04, unterstützt nicht nur St. Petersburg, sondern sponsert künftig auch die Champions League. Die Uefa hat Sanktionen gegen Klubs angekündigt, die gegen die Finanzregeln verstoßen. Ein pikante Angelegenheit, wenn der Verein des Werbepartners betroffen wäre? Im Gegenteil, so Breuer. „Es wäre pikant, wenn bei nachweislichem Verstoß die Sanktionierung nicht erfolgt.“

Thomas Mersch für das Handelsblatt

Kommentar hinterlassen


acht + = 17

© 2012 Pressebüro JP4

Nach oben scrollen