Aufschlag Zastrow

Die Bundesliga als Resterampe des europäischen Fußballs? Vor ein paar Jahren sah es so aus. Doch die Vorzeichen ändern sich – dank Lieschen Müller.

Was waren die letzten zehn Jahre doch demütigend für die Fußballbundesliga auf der internationalen Bühne. Wenn die erfolgsverwöhnten geburtenstarken Jahre zurückblicken: Es hat noch nie eine ähnliche Dekade gegeben, in der die Bundesligaklubs so erfolglos kickten.

Rückblende: Seit den 70er-Jahren bis Anfang des neuen Jahrtausends trumpften deutsche Mannschaften international stets auf. Man sprach eine Zeitlang sogar von der stärksten Liga der Welt. 2001 gewann der FC Bayern die Uefa Champions League – doch danach blieben deutsche Erfolge aus. Kaum internationale Stars fanden den Weg in die deutsche Eliteliga. Deutschland war auf der Karte der internationalen Topstars nicht präsent. Bei den Transfers der Superstars waren deutsche Klubs mangels Masse schlichtweg ausgeschlossen.

Ein Bundesligamanager sagte mir einmal sinngemäß: Geht es um die Transfers nachgefragter Spieler, kommen zuerst die englischen Klubs aus der Premier League zum Zuge. Danach sind die Topadressen aus Spanien und Italien an der Reihe, dann bedienen sich Klubs aus der 2. Reihe dieser Länder. Erst wenn die abwinken, seien Bundesligisten in der Lage, einen Transfer zu realisieren. Die Bundesliga sei so etwas wie die Resterampe des europäischen Fußballs.

Doch nun naht Besserung. Erster Hoffnungsschimmer: Deutschland ist durch gute Platzierungen in den europäischen Wettbewerben im Uefa-Ranking wieder vor Italien gerückt und sicherte sich so einen weiteren Startplatz in der Champions-League-Qualifikation. Die Investitionen der italienischen und spanischen Liga in neue Stars sind dieses Jahr überschaubar. Fast alle Klubs besonders dieser beiden Ligen haben ernsthafte finanzielle Probleme. Die hatten sie schon immer, doch diese Mal fehlt die schützende Hand der Regierenden. Es gibt keinen Berlusconi mehr, der schon einmal ein Gesetz durchboxte, um den Klubs finanziell zu helfen. Und auch die spanische Öffentlichkeit hat angesichts der tiefen Einschnitte durch die Sparmaßnahmen der Regierung wenig Verständnis für 750 Millionen Euro Steuerschulden der Klubs der Primera División. Dazu kommen in naher Zukunft die Financial-Fairplay-Regularien der Uefa, die die Klubs zu mehr Ausgabendisziplin zwingen.

Das sind alles gute Vorzeichen für eine bessere sportliche Zukunft der deutschen Kicker. Dann würde sich auch die Lieschen-Müller-Weisheit durchsetzen, dass man langfristig nicht mehr Geld ausgeben kann als eingenommen wurde.

Die Weichen für eine goldene internationale Zukunft der Bundesliga sind gestellt.

Hartmut Zastrow ist Mitglied des Boards der Holding RSMG Insights.
Die Gruppe gilt als führend in der globalen Sportmarktforschung.

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