ARD muss um Hörfunkrechte feilschen

Wer bietet mehr? Die neue Ausschreibung der Bundesliga-Hörfunkrechte treibt die ARD in die Enge. Konkurrenten aus dem Digitalfunk drängen auf Exklusivitäten.

Quelle: 90elf

Elfmeter in München! So hätten die Reporter der legendären ARD-Bundesligakonferenz am Donnerstag rufen können.

Bei den Münchener Medientagen sprach nämlich Holger Blask. Der Chefjurist der Deutschen Fußball Liga (DFL) sorgte mit einer Ankündigung für Aufregung: Erstmals will die DFL eigene Hörfunkrechte gegen Lizenzgebühren ausschreiben – ab der Saison 2013/14.

So unglaublich es klingt: Damit steht auch die ARD-Bundesligakonferenz auf dem Prüfstand – dieses aufgeregte Durcheinander am Samstagnachmittag, dem bis zu acht Millionen Fußballfans folgen.

Reporter müssen ihren Platz erkaufen

Künftig gilt: Wer bietet mehr? Auch ein Konkurrent könnte – jedenfalls theoretisch – per Höchstgebot die ARD-Reporter aus deutschen Erst- und Zweitligastadien verdrängen. Wer live berichten will, der muss sich das Recht beim Hausherren erkaufen, also den Klubs – und damit der DFL. Demnächst ganz offiziell, kartellrechtlich überwacht und transparent. Holger Blask sprach von zwei Paketen, um die ein preistreibender Bieterkampf entbrennen könnte. Wie zuletzt bei den Fernsehrechten.

Zum genauen Zuschnitt werde es erst im Dezember nähere Informationen geben. Nur so viel: Ein Paket gelte für den UKW-Hörfunk – und ein zweites für neue Medien.

Im Moment teilen sich die ARD und das Webradio 90elf die Live-Berichterstattung. Beide zahlen auf Basis nicht offengelegter Vereinbarungen eine Summe an die DFL. Die Rede ist von 6,8 Millionen Euro im Jahr auf Seiten der ARD und einem kleineren Millionenbetrag bei 90elf. Das Leipziger Unternehmen Regiocast sendet über 90elf Vollreportagen aller Partien und bringt sie immer öfter über Smartphone-Apps oder das Digitalradio DAB+ an die mobile Fangemeinde.

90elf-Betreiber wollen ARD-Angebot stutzen

Quelle: PR

In die Offensive geht jetzt der Unternehmer Florian Fritsche, Chef von 90elf. Wie eine Löwenmama wolle er um das Neue-Medien-Paket kämpfen, ließ er schon in München wissen. Im Gespräch mit dem Deutschlandfunk sagte Fritsche, er hoffe auf eine künftig bessere Abgrenzung – und damit mehr Exklusivrechte für 90elf. Fritsche beklagt Regelungslücken. Ihn stört vor allem, dass die öffentlich-rechtlichen Sender ihr Programm ungehemmt im Internet verbreiten. Auch die Bundesligakonferenz ist für seinen Geschmack viel zu üppig. Sein Wunsch: Die ARD solle am Samstag nur 20 Minuten senden dürfen und nicht 75 wie bisher.

Der Verhandlungsführer der ARD, Wolfgang Schmitz, zeigt sich gelassen. „Die ARD hätte die seit Jahren bewährte Kooperation mit der DFL gerne fortgesetzt“, sagte der WDR-Hörfunkdirektor gegenüber dem Deutschlandfunk. Eine Ausschreibung hätte Schmitz wohl gerne vermieden. Man wolle nun aber „zu vertretbaren Kosten“ den gleichen Service bieten wie bisher. Auch die DFL wisse schließlich, was sie an der Bundesliga-Schaltkonferenz habe – nämlich eine Sendung mit „Kultstatus“.

Er gehe davon aus, dass auch die DFL diese Plattform erhalten wolle. Fraglich ist für Schmitz, wer ernsthaft als Konkurrent um das UKW-Paket mitbieten wolle. Ob die Liga am Ende mehr Geld als heute erlösen werde, sei insofern nicht sicher. Spekulieren will Schmitz ebenso wenig wie die DFL, die zwar Konkurrenz ausruft, aber sich zu potenziellen Interessenten bedeckt hält.

ARD sieht „keinen Markt für separate Internetrechte“

Der WDR-Hörfunkdirektor lässt keinen Zweifel, dass er dem Webradio 90elf keine zusätzliche Exklusivität einräumen will. Die ARD-Verantwortlichen sähen im Radio keinen Markt für separate Internetrechte.

So steht um die Bundesliga-Hörfunkausschreibung ein harter Schlagabtausch bevor – sicher mit weniger Bietern als im Fernsehen und viel weniger Geld, aber mehr juristischen Fallstricken. Die Medienrechtler jedenfalls bekommen alle Hände voll zu tun.

Stefan Merx für den Deutschlandfunk

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