US-Medienhaus plant Einstieg bei Bundesliga-Partner Eurosport

Über eine Beteiligung am Sender Eurosport könnte das US-Medienhaus Discovery einen Fuß nach Europa setzen. Sport gilt als Türöffner Richtung Osten.

Eurosport steht möglicherweise vor einer Beteiligung durch die US-Mediengruppe Discovery Communications. Bisher befindet sich der Sportkanal vollständig in Besitz des größten französischen Senders TF1.

Quelle: PR

Verhandelt wird hinter verschlossenen Türen im Ausland. Doch die Nachricht dürfte auch in Deutschland für Interesse sorgen, denn Eurosport ist für die Deutsche Fußball Liga (DFL) einer der wichtigsten Auslandspartner. Die Eurosport-Gruppe überträgt die Bundesliga aktuell in 23 Ländern, vor allem in den von der Liga als Wachstumsmärkte identifizierten Staaten Osteuropas und Skandinaviens.

Eine dürre Pflichtmitteilung der beteiligten börsennotierten Parteien gab den Anlass für Spekulationen. Offiziell wird der Plan bestätigt, in drei Feldern Möglichkeiten von strategischen Allianzen zu suchen: Zum einen geht es um das Heben von Synergien in der Produktion, daneben wollen die Medienhäuser gemeinsam den französischen Pay-TV-Markt entwickeln. Mit Blick auf Eurosport heißt es offiziell eher vage, man wolle gemeinsam „das Wachstum treiben“.

Figaro: „Beteiligung von mindestens 20 Prozent“

Insider berichten, es könnte um eine direkte Beteiligung von Discovery an Eurosport in nennenswerter Größenordnung gehen. Der „Figaro“ berichtet, eine Beteiligung der Amerikaner von „mindestens 20 Prozent“ sei zu erwarten. Im „Wall Street Journal“, das ebenfalls von einer Minderheitsbeteiligung ausgeht, wird die zu erwartende finanzielle Dimension der Transaktion auf „mehrere hundert Millionen Dollar“ beziffert. Das Wall Street Journal beruft sich auf Verfahrensbeteiligte.

Am 13. November haben die Gespräche offiziell begonnen, sie sind dem Vernehmen nach auf einen Zeithorizont von drei Monaten veranschlagt.

Die Zielgruppen von Discovery und Eurosport liegen nahe beieinander, beide Inhalteanbieter wenden sich vor allem an jüngere Männer. Die Angebote sind jedoch trennscharf – man käme sich nicht in die Quere: Mit seinen auf Dokumentationen spezialisierten Programmen wie Discovery Channel oder Animal Planet spricht das US-Medienhaus ebenso überwiegend männliche Zielgruppen an wie Eurosport, das nach Unternehmensangaben 130 Millionen Haushalte in Europa mit Sportinhalten erreicht – und in diesem Segment als führend auf dem Kontinent gilt. In 59 Ländern wird das Eurosport-Programm ausgestrahlt, mit Ausnahme von Deutschland als Bezahlfernsehen.

Discovery will in Europa wachsen

Der Deal könnte ein passender Baustein werden in der Expansionsstrategie von Discovery in Richtung Europa. Gerade in aufstrebenden Märkten wie Polen oder Russland, in denen Eurosport eine gute Position besitzt, könnte eine Kopplung der Inhalte nützlich in Gesprächen mit Kabelnetz- und Satellitenbetreibern sein. Es könnte ein Hebel sein, über entsprechendes Packaging die Verhandlungsposition zu verbessern.

Während TF1 mit einbrechenden Werbeerlösen kämpft, zuletzt millionenschwere Nettoverluste meldete und so einer Finanzspritze gegenüber nicht abgeneigt sein dürfte, ist Discovery im europäischen Medienmarkt offenbar auf Shoppingtour: Auch beim möglichen Verkauf von ProSieben in Skandinavien hat Discovery die Angel ausgeworfen.

Quelle: privat

Skeptisch reagiert die Commerzbank-Analystin Sonia Rabussier: „Das Interesse von Discovery in Europa scheint vor allem dem günstigeren Einstiegsniveau auf dem europäischen Markt im Vergleich zum US-Markt geschuldet zu sein“, sagt die auf die Medienbranche spezialisierte Expertin gegenüber JP4. „Discovery kann mit einer Eurosport-Beteiligung keinerlei Synergien erzielen, insofern ergibt es keinen großen Sinn“, so Rabussiers Urteil. Lediglich eine Kopplung der Vermarktung der Programme lasse sich erreichen. Das Bewertungsniveau großer Medienassets in Europa liege um ein Viertel bis ein Drittel unter dem amerikanischen, sagt Sonia Rabussier.

Ob sich mit einem Einstieg des Doku-Spezialisten auch das Programm von Eurosport ändern würde, ist eher zu bezweifeln. Zwar sind nach WSJ-Informationen auch Koproduktionen zwischen Discovery und TF1 denkbar. Jedoch habe Discovery keine Pläne, Sportinhalte zu produzieren, zitiert das Medium einen Kenner der Angelegenheit.

Für Eurosport wäre es nicht der erste Wechsel in den Besitzverhältnissen: Nachdem erst der US-Sender ESPN ausstieg und später auch Canal plus aus Frankreich seine Beteiligung aufgab, hält seit Jahren der Privatsender TF1 alle Anteile.

Stefan Merx für JP4

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