Hans-Joachim Stuck: „Schumacher ist ein paar Nummern größer als Vettel“

Rennsportlegende Hans-Joachim Stuck adelt Mercedes-Piloten Michael Schumacher im Interview. Sein mäßiges Abschneiden sei dem „schlechten Auto“ geschuldet.

Hans-Joachim-Stuck wünscht sich einen Einstieg der Schumacher-Brüder in der GT-Masters-Serie. Michael Schumacher sei der weltweit wichtigste Formel-1-Botschafter. Vor Sebastian Vettel liege noch ein langer Weg.

Quelle: VW PR

Herr Stuck, falls es nicht zum erneuten Comeback kommt, wird Michael Schumacher als Pilot von Mercedes GP am Wochenende in Brasilien sein letztes Formel-1-Rennen fahren. Warum blieben die großen Erfolge bei der Rückkehr aus?

Mit seiner Pole-Position in Monaco, der schwierigsten Formel-1-Strecke der Welt, hat Michael in dieser Saison bewiesen, dass er es noch kann. Er war die gesamte Saison über auf Augenhöhe mit seinem Teamkollegen Nico Rosberg, wenn nicht sogar einen Tick besser. Dass er keine besseren Ergebnisse erzielt hat, lag daran, dass das Auto schlecht war.

Hans-Joachim Stuck ist ehemaliger Formel-1-Rennfahrer. Heute wirkt er als Präsident des Deutschen Motor Sport Bundes und als Repräsentant Motorsport des Volkswagen-Konzerns.

Haben die durchwachsenen Ergebnisse seinem Image geschadet?

Michael Schumacher ist der erfolgreichste Formel-1-Fahrer der Welt – und er wird das auch noch lange bleiben. Er ist eine lebende Legende und der wichtigste Formel-1-Botschafter der Welt.

Welche Rolle könnte er künftig in der Formel 1 spielen?

Ich glaube nicht, dass Michael eine Funktion als Team-Manager oder Berater aufnehmen wird. Das passt nicht zu ihm. Er wird in jedem Fall ein Botschafter der Formel 1 bleiben. Aber erstmal muss er sich sortieren und damit abfinden, dass er nicht alle 14 Tage seine Tasche packt und zu einem Rennen fliegt. Er kann sich nun in Ruhe um seine Familie kümmern.

Den sportlichen Zweikampf hat Sebastian Vettel für sich entschieden. Auch die um die Gunst der Fans?

Aus deutscher Sicht ist es ein extremer Glücksfall, dass zwei deutsche Fahrer auf diesem Niveau fahren. Darauf sind alle anderen neidisch.

Eine Legende wird man nicht mit 25. –
Hans-Joachim Stuck über Sebastian Vettel

Wird es Vettel langfristig gelingen, den siebenfachen Champion Schumacher beim Titelsammeln zu überflügeln?

Sebastian Vettel hat schon viel erreicht, und ein Titel-Hattrick wäre eine Super-Geschichte. Und natürlich wird er an Michael Schumacher gemessen. Aber Schumacher ist noch ein paar Nummern größer, da liegt noch ein langer Weg vor ihm. Und eine Legende wird man nicht mit 25.

Die Werbeeinnahmen von Michael Schumacher liegen mit geschätzten fünf bis sechs Millionen Euro pro Jahr etwa doppelt so hoch wie bei Sebastian Vettel. Kann Vettel dieses Niveau erreichen?

Sebastian Vettel wird bei den Werbeeinnahmen sicher aufholen. Aber man wird auch sehen müssen, wie sich der gesamte Motorsport entwickelt. Es wird viel über Kostenkürzungen geredet – und das betrifft natürlich auch die Sponsoren.

Michael Schumacher hat gerade erst neue Werbeverträge abgeschlossen – unter anderem mit dem Tor- und Türenhersteller Hörmann. Ist das große Interesse am Ende der Karriere nicht überraschend?

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Wenn man aufhört, dann nehmen die Werbe-Engagements erst einmal zu, da gibt es immer einen gewissen Hype. Das ist offenbar auch bei Michael Schumacher der Fall.

 Mein größter Wunsch: Michael und Ralf in einem Team bei der GT Masters –
Hans-Joachim Stuck

Glauben Sie, dass Michael Schumacher sich tatsächlich ganz aus dem aktiven Motorsport verabschiedet?

Möglicherweise wird er wieder Motorradrennen fahren. Aber mein größter Wunsch wäre es, wenn Michael Schumacher mit seinem Bruder Ralf in einem Team bei der GT Masters fährt. Das wäre der Hit.

Herr Stuck, vielen Dank für das Gespräch.

Thomas Mersch für JP4

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