Viagogo-Manager Steve Roest: „Wir werden mit dem DFB sprechen“

Viagogo-Manager Steve Roest will den DFB als neuen Partner gewinnen. Im Interview lobt er die umstrittene HSV-Partnerschaft und kündigt weitere Abschlüsse an.

Steve Roest, verantwortlich für das Neugeschäft der Online-Ticketbörse Viagogo, hat große Pläne: Der Deutsche Fußball-Bund steht auf seiner Wunschliste für eine Partnerschaft, sagt er im JP4-Interview. Aktuell ist auch der HSV eine Baustelle. Der im September geschlossene Deal sorgt für Unruhe unter den Hamburger Fans, die steigende Ticketpreise beklagen.

Quelle: PR

Herr Roest, seit zwei Monaten sind Sie Partner des Hamburger Sport-Vereins. Das hat Fanproteste ausgelöst – und auch der HSV-Vorstandsvorsitzende Carl-Edgar Jarchow sagte, es sei „keine Liebesheirat“ gewesen. Beleidigt Sie das?

Nein. Es ist eine Rekordsaison, was die Verkaufszahlen von HSV-Tickets durch Viagogo angeht. Der Verkauf von HSV-Tickets läuft um ein Vielfaches besser, als wir dachten. Zum Beispiel die Partie HSV gegen Bayern: So viele Tickets wie bei diesem Spiel haben wir bei fast keinem anderen Fußballspiel in Deutschland in unserer Firmengeschichte verkauft. Wir sind glücklich, die Mehrheit der Fans ist glücklich, der HSV ist glücklich.

Welchen Zeithorizont geben Sie Ihrer Partnerschaft in Hamburg? Die Rede ist von einem Zweijahresvertrag, Fans sammeln aber Unterschriften und verlangen den vorzeitigen Ausstieg.

Wir hoffen, dass die Partnerschaft von langer Dauer sein wird, jedenfalls länger als eine Saison. Zum genauen Zeithorizont geben wir keine Auskunft.

Eine Verständnisfrage: Es ist von 1500 Tickets als Kontingent die Rede. Ist das die Zahl, die der HSV Viagogo bei jedem Spiel überlässt? Oder gilt die Zahl als Durchschnitt nur bei ausverkauften Spielen?

Der HSV stellt eine kleine Anzahl von Tickets pro Spiel direkt zur Verfügung, die es dem HSV erlauben, mit einer flexiblen Preisgestaltung zu experimentieren und gleichzeitig sicherzustellen, dass viele Tickets verfügbar sind, besonders für internationale Fans.

Neben Ihrer Börse existiert auch noch die alte HSV-Ticketbörse, auf der zum Beispiel Dauerkarteninhaber einzelne Karten weiterreichen können – allerdings zum Originalpreis. Sie hatten angekündigt, diese HSV-Börse schnell schließen zu wollen. Das ist nicht geschehen – warum?

Die alte HSV-Börse wird kaum genutzt. Uns wurde mitgeteilt, dass sie demnächst abgeschaltet wird. Wie es manchmal mit solchen Dingen ist, gab es ein paar technische Fragen bei der Übertragung, aber ich glaube, die sind jetzt gelöst.

Vereine wie Borussia Dortmund kooperieren nicht mit Ihnen. Dennoch findet man eine überraschende Vielzahl von Dortmund-Tickets – und zwar preislich unlimitiert – auf Ihrer Plattform. Wie kommt das?

Die stammen von einzelnen Leuten, die es nicht zum Spiel schaffen. Der Weiterverkauf von Karten ist legal in Deutschland. Wir bieten eine sichere Plattform, die den Schwarzmarkt eindämmt. Es kann doch nicht sein, dass die Leute auf der Straße oder bei Ebay Geld verlieren und gefälschte Tickets kaufen.

Der BVB-Chef Hans-Joachim Watzke hat in einem JP4-Gespräch die Zusammenarbeit mit Viagogo deutlich abgelehnt. Das Angebot gehe zu Lasten der Fans…

Ich kenne das Video. Herr Watzke hat nicht ausgeschlossen, in Zukunft mit Viagogo zu arbeiten. Es ist völlig legal, ein Dortmund-Ticket zu verkaufen.

Manche Vereine und Sportverbände wollen den Weiterverkauf durch ihre Ticket-Geschäftsbedingungen unterbinden. Irritiert Sie das nicht bei Ihrem Geschäft?

Auch wenn Vereine in ihren Geschäftsbedingungen den Weiterverkauf untersagen, bleibt der Weiterverkauf weiterhin legal. Die Bestimmungen, die manche Veranstalter gegen den Weiterverkauf einführen, sind zudem nicht im Sinne der Fans. Der Verein soll profitieren, der Fan ist geschützt. Das ist die beste Lösung.

Sie haben in diesem Jahr allein sieben Neuzugänge im deutschen Top-Fußball akquiriert, aktuell kooperieren Sie mit sieben Erstligisten und zwei Zweitligisten. Angeblich steht auch der VfB Stuttgart kurz vor der Unterschrift oder hat bereits unterschrieben. Können Sie das bestätigen?

Dazu sage ich nur so viel: Es ist wahrscheinlich, dass in Zukunft die Vereine, die nicht mit uns arbeiten wollen, in der Minderzahl sein werden.

Wie steht es mit dem Deutschen Fußball-Bund? Sie verkaufen ja auch etliche Länderspielkarten.

Wir streben eine Partnerschaft mit jedem an, auch mit dem DFB. Wir werden in der nächsten Zeit mit dem DFB sprechen und hoffen, dass der DFB einer unser Partner werden wird.

In England haben Sie soeben einen wichtigen Prozess in der letzten Instanz verloren. Der Supreme Court gab dem Rugby-Verband (RFU) das Recht, die Namen von Verkäufern zu erfahren, die Rugbytickets über Viagogo gehandelt haben. Ist das eine Gefahr für Ihr Geschäftsmodell? 

Es handelt sich nur um eine Handvoll Namen. Diese Leute haben kein Gesetz gebrochen, sie haben einfach ein paar Karten auf Viagogo verkauft. Das Thema Kundendaten nehmen wir sehr ernst, es liegt in unserer DNA. Wir haben bis zum Letzten gekämpft, um diese Daten zu schützen. Wir haben alle nötigen Schritte eingeleitet, um in Zukunft so etwas zu verhindern.

Was bedeutet der Fall für Deutschland? Wird die Preisgabe von Namen nun zur Regel?

Nein. Der Weiterverkauf ist in Deutschland legal. Kunden können jetzt für immer und ewig Tickets bei Viagogo verkaufen, ohne das Risiko einzugehen, dass ein Verband oder jemand anders an ihre Daten gelangt.

Herr Roest, vielen Dank für das Gespräch.

Stefan Merx für JP4

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