Schalke 04 öffnet Viagogo die Tür

Auch auf Schalke hat der umstrittene Ticketmarktplatz Viagogo ab der Saison 2013/14 freie Bahn: Fans müssen beim Kartenpreis mit einer Verdopplung rechnen.

Quelle: PR

Ab der Saison 2013/14 wird der Ticket-Zweitmarkt Viagogo auch bei Schalke 04 „offizieller Partner“. Das gaben Verein und Unternehmen am Mittwoch bekannt. Die Online-Plattform, bei der Karteninhaber mit dem Segen des Vereins ihre Tickets zum erhöhten Preis weiterveräußern können, hat damit den achten Partnerverein in der Bundesliga gewonnen.

Schalke ist mit der gut besuchten Veltins-Arena ein besonders attraktiver Partner aus Sicht von Viagogo. Die Kartenknappheit treibt die Preise – und damit die Provision. Viagogo kassiert 25 Prozent von jedem verkauften Ticket. Die Karten dürften für maximal den doppelten regulären Kartenverkaufspreis wiederverkauft werden. Nicht wenige Fans betrachten das als Geldschneiderei.

Auch Hans-Joachim Watzke, Chef des Revierkonkurrenten Borussia Dortmund, machte im JP4-Gespräch deutlich, dass Viagogo als Partner für den BVB nicht in Frage komme.

Teilweise heftige Proteste hatten unlängst beim Hamburger SV für eine vorzeitige Kündigung des Viagogo-Vertrages gesorgt. Während in Hamburg nun ein Rechtsstreit zwischen Verein und Viagogo bevorstehen könnte, sind zuletzt mit dem VfB Stuttgart und Schalke 04 zwei dicke Fische ins Viagogo-Netz gegangen. Aktuell kooperiert Schalke mit der Plattform Fansale.

Schalkes Marketingvorstand Alexander Jobst hat offenbar die Kontroversen in Hamburg genau verfolgt – und dennoch abgeschlossen. In einem schriftlichen Statement lässt er wissen: „Unsere Partnerschaft mit Viagogo haben wir so gestaltet, dass Faninteressen und Vereinsinteressen gewahrt bleiben. Daher konzentrieren wir uns bewusst auf zwei Schwerpunkte: auf das Sponsoringpaket und die Ticketbörse.“

Auch bei Schalke steigt Viagogo in die Erstdistribution ein – mit der möglichen Folge einer faktischen Preiserhöhung. Einige Partien werden ausgeklammert, sagt Jobst: „Wir haben als Verein die Anzahl von Spielen bestimmt, bei denen wir ein kleines, limitiertes Kartenkontingent käuflich anbieten. Diese werden bereits vor Beginn jeder Saison festgelegt. Partien gegen Bayern München oder das Derby gegen Borussia Dortmund mit erfahrungsgemäß riesengroßer Nachfrage werden nicht dazugehören.“

Eine Besonderheit, möglicherweise auch eine Lehre aus den HSV-Protesten: Schalke wird nach eigenem Bekunden keine Extraeinnahmen erzielen aus dem Weiterverkauf. Beim HSV-Modell blieben Medienberichten zufolge 85 Prozent der Mehrerlöse hängen. Jobst sagt: „Am Weiterverkauf der Karten wird der Verein nicht partizipieren. Das möchten wir gegenüber unseren Fans bewusst nicht tun.“

Offen bleibt dabei, über welchen Umweg und in welchem Umfang Schalke kassiert, wenn die Tickets des Revierklubs zum doppelten Nennwert verkauft werden. Im Vertrag enthalten ist ein Sponsoringpaket, dessen finanzielle Ausstattung freilich ungenannt bleibt.

Steve Roest, bei Viagogo für das Neugeschäft zuständig, kommentiert seine Expansionsstrategie so: „So erlangen die Bundesliga-Teams mehr Kontrolle über den Weiterverkauf ihrer Eintrittskarten.“ Auch eine Partnerschaft mit dem Deutschen Fußball-Bund strebe er an, erklärte Roest kürzlich im JP4-Interview.

Stefan Merx für JP4

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