Martin Kind: Hopp sollte Hoffenheim übernehmen

Investoren erobern die Fußball-Bundesliga: 96-Präsident Martin Kind will mit regionalen Geldgebern den Klub 2017 übernehmen. Parallelen sieht er in Hoffenheim.

Es ist ein Tipp von Unternehmer zu Unternehmer: Mäzen Dietmar Hopp sollte das Kommando bei Hoffenheim übernehmen. Der Ratschlag kommt von Martin Kind, dem Präsidenten von Hannover 96. „Hopp hat sich so umfassend engagiert, dass er dieses Engagement absichern muss. Und ich denke, dass er sicher darüber nachdenkt, die Modifikation der 50+1-Regel zum gegebenem Zeitpunkt umzusetzen”, sagt Kind im JP4-Interview.

Hoffenheim werde nach Kinds Einschätzung der nächste Verein sein, der die inzwischen bestehende Rechtsoption nutzen wird. “Aus meiner Sicht begründet und vernünftig. Es schadet dem deutschen Fußball nicht, aber es hat der Region geholfen”, sagt Kind mit Blick auf die geschätzten 240 Millionen Euro, die der SAP-Mitgründer Dietmar Hopp in den Hoffenheimer Profifußball investiert hat.

Kind hatte nach jahrelangem Konflikt innerhalb der Deutschen Fußball Liga (DFL) im Jahr 2011 einen Kompromiss erzielt, um langjährigen Investoren die mehrheitliche bis vollständige Übernahme von Profivereinen zu ermöglichen. „Die Modifikation der 50+1-Regel bietet jetzt jedem Verein Gestaltungsoptionen, um sich Kapital zu beschaffen. Die müssen mit Verantwortungsbewusstsein genutzt werden”, sagte Kind beim 3. Sportrechtsabend an der Deutschen Sporthochschule Köln.

Quelle: mx

Der Unternehmer plädiert dafür, Fußballvereine konsequenter als bisher als Wirtschaftsunternehmen zu betrachten. In diesem Zusammenhang würdigte Martin Kind das Engagement des Mäzens der TSG 1899 Hoffenheim, Dietmar Hopp. Der Investor erfülle gegenwärtig voll die DFL-Auflagen nach der 50+1-Regel. Schadenfreude sei angesichts der aktuell schlechten sportlichen Leistung der TSG 1899 Hoffenheim keinesfalls angebracht. „Häme hat Herr Hopp überhaupt nicht verdient“, sagt Kind.

Es komme bei der Beurteilung der Geldgeber vor allem auf das Wirken für die Region an, ob in Hoffenheim oder Hannover. “Wirkliche Investoren im Sinne der Spekulation sollten im Fußball nichts verloren haben”, sagt Kind. Nur regionale Gesellschafter stünden auch in einer Krise zum Klub. Mitspracherechte der Investoren, auch bei Transfers, sieht Kind unkritisch. In wenigen Jahren (Kind korrigiert das Datum nach Ende der Video-Aufzeichnung auf das Jahr 2017) würden sieben Investoren bei Hannover 96 den Klub übernehmen.

Kind hält das Modell des verantwortlichen Langzeit-Investors für eine Blaupause für den deutschen Spitzenfußball. 20 Jahre lang muss ein Geldgeber in erheblichem Umfang engagiert gewesen sein, nach dieser Haltefrist ist der Weg frei auch zur Mehrheitsbeteiligung – wie sie beispielsweise bei der VW-Tochter VfL Wolfsburg oder beim zweiten Werksklub Bayer 04 Leverkusen, der von der Bayer AG kontrolliert wird, schon früher per Sonderregelung gestattet wurde. “Dieser Weg zur Kapitalbeschaffung steht nun allen Profi-Vereinen offen”, sagt Kind.

Stefan Merx für JP4

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