Jochen Rotthaus: “Alles dem Klassenerhalt unterordnen”

Die 2. Liga ist für Jochen Rotthaus bislang kein Thema. Vom bisher schlechten Saisonverlauf will sich Hoffenheims Geschäftsführer nicht bange machen lassen.

Jochen Rotthaus ist Geschäftsführer Marketing- und Vertrieb der TSG 1899 Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbH. Ein Gespräch über Emotionen und Strategien im Abstiegskampf.

Herr Rotthaus, die TSG ist angetreten, um gerade über den eigenen Nachwuchs frischen Wind in die Bundesliga zu bringen. Zuletzt standen keine Eigengewächse mehr in der ersten Mannschaft auf dem Platz. Eine Abkehr vom Prinzip?

Quelle: 1899 Hoffenheim

Wir werden an unserem Ursprungsvorgehen festhalten, junge talentierte Spieler – bevorzugt aus der Region – zu entwickeln, an den Leistungssport heranzuführen und bestenfalls in den Bundesligakader zu integrieren. Das ist die Strategie und Vision, die auch und vor allem Dietmar Hopp im Herzen trägt. Da sind wir auf einem guten Weg. Wir brauchen aber Zeit. Wir können Talente nicht auf Knopfdruck produzieren.

Sie stecken im Abstiegskampf. Verändert das gegenwärtig die Prioritäten?

In sportlich schwierigen Situationen wie derzeit sind wir gezwungen, die Strategie kurzfristig an die Gegebenheiten anzupassen. Im Moment müssen wir alle Entscheidungen dem Verbleib in der Bundesliga unterordnen.

Wie sehr belastet die aktuell schwierige sportliche Situation den kommerziellen Bereich, den Sie verantworten?

Die Sponsorenpyramide des Klubs kann sich mehr als sehen lassen. Doch die wirtschaftlichen Perspektiven korrelieren wie bei jedem Verein mit der sportlichen Situation und dem sportlichen Erfolg. Je größer dieser ist, desto besser kann ich vermarkten und kapitalisieren.

Diese Saison, zumindest die Hinrunde, könnte man als den ersten echten Rückschlag betrachten – nach Jahren des Jubels. Wie gelingt Ihnen das Umschalten?

Grundsätzlich ist das Geschäft Bundesliga von starken Emotionen geprägt. Davon lebt man in guten Zeiten, wenn man sportlichen Erfolg hat. Und in schlechten Zeiten muss man gewisse Ausschläge nach unten verarbeiten.

Haben Sie Pläne für den Fall eines Abstiegs in der Schublade?

Wir versuchen alles, um die Klasse zu halten und investieren alle Energie in eine Verbesserung unserer sportlichen Lage. Über die zweite Liga können wir diskutieren, wenn etwas definitiv Entscheidendes vorliegt. Alles andere ist ein Was-wäre-wenn. Wir haben nach wie vor das Ziel, erfrischenden und erfreulichen Fußball zu spielen, aber auch dieses Ziel müssen wir derzeit dem Klassenerhalt unterordnen. Da müssen wir durch – und auf unsere Fähigkeiten und Fertigkeiten setzen.

Der Ex-Manager Ernst Tanner hat den Vorwurf geäußert, dass Spielerberater bei Hoffenheim einen zu großen Einfluss haben.

Spielerberater haben heutzutage generell einen nicht zu unterschätzenden Einfluss. Wichtig ist doch, dass die entscheidenden Personen in den eigenen vier Wänden sitzen. Jeder wäre gut beraten, sich um sein eigenes Geschäft zu kümmern.

Thomas Mersch und Stefan Merx für das Wall Street Journal Deutschland

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