Philipp Hasenbein: Wir sind bereit, mit dem HSV über Konditionen zu reden

Philipp Hasenbein, Geschäftsführer von Sportfive, spricht im Interview über neue Ideen für die Klubvermarktung und die Partnerschaft mit dem HSV.

Quelle: Sportfive

Philipp Hasenbein leitet die Geschäfte von Sportfive. Die nach eigenen Angaben führende Sportrechteagentur in Deutschland vermarktet sieben Fußball-Erstligisten.

Herr Hasenbein, der Geschäftsführer des FSV Mainz 05, Dag Heydecker, hat jüngst gesagt, dass sich Fußballklubs besser selber vermarkten sollten. Es müsse menscheln bei Verhandlungen mit potenziellen Partnern aus der Wirtschaft. Sind Vermarkter wie Sportfive dafür zu weit weg vom Kerngeschäft?

Im Gegenteil. Wir werden bei den sieben Erstligaklubs, die wir in Deutschland vermarkten, als vollwertige Vereinsmitarbeiter wahrgenommen. Eine Trennung, wie Herr Heydecker sie schildert, gibt es schon lange nicht mehr. Außerdem hat Mainz selbst schon von uns profitiert. Wir haben Coface, den Namenssponsor des neuen Stadions, mit dem FSV zusammengebracht. Das wurde aus unserem Netzwerk heraus vermarktet.

Beim HSV werden hohen Provisionen für Sportfive als Argument angeführt, die Vermarktung möglicherweise wieder selbst in die Hand zu nehmen. Sind Sie zu teuer?

Beim Vertragsabschluss mit dem HSV vor 15 Jahren konnte sich niemand vorstellen, wie positiv sich die Bundesliga wirtschaftlich entwickelt. Es ist ein ordentlicher Provisionssatz vereinbart worden. Aber man darf auch nicht vergessen, dass nur dank der Zusammenarbeit mit Sportfive der Klub für 17 Jahre eine Mietzinsgarantie abgeben konnte, um die Darlehen für das neue Stadion zu bedienen. Wir sind bereit, über die Konditionen zu reden und die Zusammenarbeit neu auszurichten.

Bayer Leverkusen hat eine gemeinsame Vermarktungsgesellschaft mit Sportfive gegründet. Ist das ein vielversprechendes Vorbild für die Zukunft?

Die Zusammenarbeit ist sehr eng und erfolgreich. Aber wie die Vermarktung strukturiert und organisiert wird  ist erst die zweite Frage. In Dortmund funktioniert die Kooperation genauso gut, auch wenn die Visitenkarten anders aussehen.

Der FC Bayern vermarktet sich selbst – bei den Auslandsrechten des Klub-TV aber kommt Ihr Wettbewerber IMG zum Zug. Ist die punktuelle Zusammenarbeit eine Alternative?

Die TV-Rechtevermarktung der Klubs ist ein spezielleres Feld. Für Vereine ist es nicht sinnvoll, diese selber zu übernehmen. Allerdings bin ich überzeugt, dass die Entfaltungsmöglichkeiten am größten sind, wenn die Vermarktung komplett aus einer Hand erfolgt. So lässt sich am besten feststellen, wie eine Erlösoptimierung möglich ist.

Dürfen die Klubs dann ein Rundum-Sorglos-Paket erwarten?

Natürlich ist es wichtig, die Vereine einzubinden. Teil dieses starken Schulterschlusses sind zum Beispiel gemeinsame Termine, bei denen wir den Unternehmen die Wirkungsweise von strategischen Sponsorships aufzeigen. Dabei können wir den Kunden verdeutlichen, dass wir weit mehr als nur Bandenwerbung bieten. Wir sind offen für Kommunikationsmaßnahmen, die den Verein, seine Spieler und das gesamte Netzwerk, das in der Stadt aufgebaut wurde, aktiv einbinden. Das schafft sowohl für  den Verein als auch das  Unternehmen einen klaren Mehrwert. Es gibt Klubs, die der Auffassung sind, dass sie sich besser selber vermarkten können, weil es authentischer ist. Aber keiner dieser Klubs hat bislang das Sportsponsoring wirklich innovativ nach vorne gebracht.

Welche Ideen kann Sportfive für sich beanspruchen?

In den letzten 25 Jahren hat Sportfive mit zahlreichen Innovationen den Sportrechtemarkt bewegt. Wir haben 1994 für Hertha BSC das erste Gesamtvermarktungskonzept in der Bundesliga entwickelt, 2001 mit der AOL Arena das erste Namensrecht für ein Stadion vergeben und wir haben verschiedene innovative Hospitality-Konzepte entwickelt. Und das sind nur einige Beispiele.

Quelle: Sportfive

Wo sehen Sie in Zukunft Erlösmöglichkeiten für Bundesligaklubs?

Für die Vereine bietet sich die Chance, sich weiter zu internationalisieren. Auch in diesem Bereich sind wir ein sehr guter Partner. Insgesamt hat sich das Sponsoring enorm weiterentwickelt. Heute wird noch oft gefragt, welchen medialen Gegenwert ein Sponsorship bietet. In Zukunft wird es viel stärker um die Frage gehen, wie intensiv eine Zielgruppe erreicht werden kann. Und zwar nicht nur durch Präsenz. Es geht vielmehr auch darum, wie ein Sponsor mit den Vereinsmitgliedern kommunizieren kann. Ein großes Entwicklungspotenzial bieten hier die digitalen Medien. Auch das Thema Nachhaltigkeit gewinnt für Sponsoren und Vereine an Bedeutung. Am Beispiel HSV und Imtech zeigt sich sehr gut, wie ein Verein als glaubwürdiger Mittler für nachhaltige Konzepte stehen kann. Dem Gebäudetechnikanbieter Imtech gelingt es als Naming-Right-Partner, das Thema Energieeffizienz über die Partnerschaft sehr gut zu transportieren.

Sie sind neben Infront derzeit als einziger Vermarkter in der ersten Bundesliga aktiv. Konkurrenten wie Ufa Sports oder IMG geben stets zu erkennen, wie sehr sie das Geschäft reizt. Spüren Sie wachsenden Druck?

Sicherlich gibt es Wettbewerb, der deutsche Markt ist hart umkämpft. Aber wir haben Vorteile, die kein anderer Vermarkter hat. Und wir konnten bislang bei jeder Gesamtvermarktungs-Kooperation  die Vermarktungserlöse deutlich steigern. Wir haben ein umfangreiches Netzwerk mit über 100 Verkäufern an 16 Standorten und verfügen über eine Vertriebsdatenbank mit über 120.000 Kontakten. Wir kennen den Markt sehr gut und sind in der Umsetzung sehr individuell. Für jeden Klub haben wir ein eigenes Team vor Ort. Da muss viel zusammen kommen, damit einer sagen kann: Das können wir besser machen.

Herr Hasenbein, haben Sie vielen Dank für das Interview.

Thomas Mersch für HORIZONT / JP4

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