Superstars als Kerngeschäft

Der weltgrößte Sportvermarkter IMG zielt auf die neue Mittelschicht in Schwellenländern. Die WM in Brasilien soll weiteres Wachstum bringen.

Mike Dolan besitzt kein Auto. Er fliegt von Kontinent zu Kontinent, um internationales Geschäft anzukurbeln. Als Chairman und CEO von IMG Worldwide lenkt er die Geschicke der weltgrößten Sportrechteagentur. Den „mächtigsten Mann des US-Sports“ nennt ihn das „Sportsbusiness Journal“.

Quelle: IMG

Muhammad Ali, Maria Scharapowa, Heidi Klum oder Gisele Bündchen – ehemalige und heutige Sport- und Showgrößen lassen sich vom weltumspannenden IMG-Netzwerk vertreten. Medienrechte am Super Bowl, dem weltgrößten Sport-Einzelereignis, zählen ebenso zum Portfolio wie die Berlin Fashion Week, die IMG gehört. Auch das Trikotsponsoring der Qatar Foundation mit dem FC Barcelona fädelten Dolans Leute ein.

Gespannt wartet die Branche auf Dolans heutigen Auftritt auf Europas größtem Sportbusinesskongress „Spobis“. Der 66-jährige New Yorker ist erst der dritte IMG-Chef in der 53-jährigen Firmenhistorie – nach Gründer Mark McCormack und dem Private-Equity-Pionier Ted Forstmann, der das Unternehmen 2004 für 750 Millionen Dollar kaufte. Dolan bekam von Forstmann kurz vor dessen Tod 2011 einen klaren Auftrag: Nicht verkaufen. Zumindest nicht sofort.

Über die Private-Equity-Gesellschaft Forstmann Little, der IMG gehört, sind vor allen Dingen US-Pensionsfonds beteiligt. Die Investoren könnten bald Kasse machen wollen – über einen Verkauf, Börsengang oder das Einbringen neuer Geldgeber. Dem Vernehmen nach haben sie im Juli 2012 die Entscheidung über die Exitstrategie vertagt, doch lediglich um ein oder zwei Jahre. Es wird also ernst.

“Spekulationen sind unerheblich”

„Wir machen uns wegen der künftigen Besitzverhältnisse nicht verrückt“, sagte Dolan im Gespräch mit dem Handelsblatt, das er am Sonntag kurz nach seiner Landung aus New York führte. „Die Spekulationen sind für uns unerheblich. Wir entwickeln unser Geschäft erfolgreich von Tag zu Tag weiter.“ Dabei nimmt IMG vor allem die Schwellenländer ins Visier.

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Quelle: IMG

Über Zahlen spricht Dolan ungern. Kolportiert werden 170 Millionen Dollar Gewinn (Ebitda) bei einem Umsatz in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar für das Jahr 2012. Bei einem kolportierten Wachstumstempo von 20 Prozent dürfte 2013 die Gewinnmarke von 200 Millionen Dollar überschritten werden. 2,5 Milliarden Dollar, so heißt es in Finanzkreisen, wäre IMG mit diesem Gewinn wert.

Groß ins Geschäft kommen will Dolan in Brasilien, wo 2014 die Fußball-WM und 2016 die Olympischen Spiele stattfinden. Mit dem reichsten Mann des Landes, dem Rohstoffunternehmer Eike Batista, schloss IMG zu diesem Zweck ein Joint Venture, das sich um große Infrastrukturprojekte rund um die Megaevents bemüht. „Vier bis fünf große Stadionprojekte in Brasilien, darunter die Renovierung von Maracana in Rio, werden in Kürze entschieden“, sagt Dolan. Erhält man den Zuschlag, kann IMG dort in die lukrative Vermarktung der neu geschaffenen Logen einsteigen.

Die Partnerschaft mit Eike Batista lässt die IMG-Strategie erkennen: „Auch in anderen Wachstumsmärkten suchen wir immer den Schulterschluss mit lokalen Größen, die die Märkte genau kennen“, sagt Dolan.

Quelle: IMG

„Die Wachstumsperspektiven in der Sportbusinessbranche sind außergewöhnlich gut. In den nächsten fünf Jahren werden 800 Millionen Menschen in die Mittelklasse aufsteigen. Sie wollen nicht nur Kühlschränke und Smartphones, sondern sie wollen auch Lionel Messi im Fernsehen sehen. Das Interesse an Mode und Sport wächst dort massiv.“ Auch in China besteht seit 2008 ein Joint Venture – mit dem Staatsfernsehen CCTV.

In Indien plant IMG sogar gemeinsam mit dem Joint-Venture-Partner Reliance Industries die Einrichtung neuer Topligen im Fußball und im Basketball. „Grassroot-Arbeit“, nennt Dolan das. Entsprechende Rechte hat man den nationalen Verbänden abgekauft, 2014 sollen die beiden Vorhaben in die Tat umgesetzt werden. Selbst europäische Fußballklubs seien interessiert am Indien-Projekt, sagt Dolan.

Thomas Mersch und Stefan Merx für das Handelsblatt

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