IMG-Chef Mike Dolan: „Es geht allein um Zahlen“

Der CEO der Sport- und Modelagentur IMG spricht im Interview über Basketball als Wachstumsmotor und Online-Modemessen.

Der New Yorker gilt als einer der einflussreichsten Männer im internationalen Sport-Business. Michael Dolan führt IMG Worldwide, die größte Sportagentur der Welt. IMG ist mit 3400 Mitarbeitern in 30 Ländern vertreten. Der Gewinn für 2013 wird auf über 200 Millionen US-Dollar geschätzt – bei einem Umsatz von rund 1,5 Mrd. US-Dollar.

Herr Dolan, IMG vertritt Sportlegenden wie Pelé und Topmodels wie Kate Moss. Beneiden andere Topmanager Sie um Ihren Job?

Ich persönlich treffe keine Fußballstars und keine Models. Am Ende des Tages geht es auch hier um Zahlen. Es muss für Athleten und Models, für die Agenten und natürlich auch für IMG funktionieren.

Quelle: IMG

Sportrechtehändler geraten unter Druck, weil Verbände erkennen, dass sie etwa TV-Rechte selbst vermarkten können und die Provision sparen. Wie lautet Ihre Antwort?

Neben dem Provisionsgeschäft wollen wir stärker auch direkte Beteiligungen eingehen. Das ist bei der indischen Basketballliga der Fall, die im kommenden Jahr starten wird. Diese werden wir gemeinsam mit unserem indischen Partner Reliance Industries veranstalten. Wir sind in Gesprächen mit der US-Profiliga NBA, hier miteinzusteigen. Basketball hat das Zeug, zur globalen Sportart Nummer zwei aufzusteigen nach dem Fußball.

Neben Indien sind Sie auch in zwei weiteren BRIC-Staaten, in Brasilien und China, sehr aktiv. Russland dagegen fehlt. Haben Sie den Zug verpasst?

Wir hatten im Luschniki Park in Moskau Pläne für multifunktionale Sportanlagen. Am Ende ging es nicht voran. Es braucht das richtige Projekt und den richtigen Partner, das ist in Russland noch nicht gelungen. Zu spät aber ist es nicht.

In der Türkei setzen Sie auf ein Joint Venture mit der Dogus Group. Was reizt an diesem Markt?

Wir haben dort vor 60 Tagen unsere Arbeit aufgenommen. Die Türkei möchte die Olympischen Spiele 2020 austragen. Dabei wollen wir sie unterstützen.

Siehe auch Mike Dolan im Videointerview
und Artikel zur IMG-Strategie: Superstars als Kerngeschäft

Mit Erfolg beraten hat IMG schon Katar bei der Bewerbung um die Fußball-WM 2022. Trifft Sie die Kritik um die Vergabe, die immer wieder aufflammt?

Wir haben keine politische Agenda. Unsere Expertise ist eng gefasst: technisches Wissen für Events. Es geht nicht um die politische Frage, wie man eine Bewerbung am Ende zum Erfolg führt.

Mode macht 20 Prozent Ihres Umsatzes aus. Sollen es mehr werden?

Das ist schwer zu sagen. Es entwickelt sich so viel in der Branche, vor allem aufgrund der Digitalisierung. Das Internet sorgt für Verlagerungen vom B2B- zum B2C-Geschäft. Designer brauchen keine Modejournalisten oder Händler mehr, um Kunden zu erreichen.

Ist auch Ihre Messe Berlin Fashion Week bald überflüssig?

Wir wollen Verbraucher mehr einbinden. Oft gehen Kleider, die man auf dem Laufsteg sieht, gar nicht in Produktion. Denkbar ist, die Show im Internet zu übertragen – mit der Möglichkeit, direkt zu ordern.

Herr Dolan, haben Sie vielen Dank für das Interview.

Thomas Mersch und Stefan Merx für das Handelsblatt

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