Querlesen mit Holzi

Der Kartenzweitmarkt ist bisher alles andere als fanfreundlich. Profiteure missbrauchen das Preissystem der Liga. Klubs sollten eigene Tauschbörsen etablieren – ohne Aufschlag.

Beim Thema Kartenzweitmarkt spaltet sich die Bundesliga derzeit in zwei Lager auf: Es gibt diejenigen, die mit externen „Kartenbörsen“ kooperieren. Das andere Lager besteht aus Klubs, die noch keine Kooperation eingegangen sind oder dies zum Schutz ihrer Fans grundsätzlich ablehnen.

Die Grundidee ist für alle Beteiligten hochinteressant: Tickets weitergeben zu können, insbesondere einzelne Spiele von Dauerkarten, falls man aus verschiedensten Gründen das Spiel nicht besuchen kann. Der Zuschauer bleibt nicht auf seinen Kosten sitzen, das Stadion ist ausgelastet und der Fan am Fernseher, der gerne eine Karte bekommen hätte, muss sich nicht über freie Plätze ärgern.

Doch so fanfreundlich die Grundidee ist, umso erschreckender ist die Umsetzung der Kartenbörsen: Zusätzlich zu den von den Verkäufern oft aufgerufenen horrenden Preisen muss der gemeine Fan eine sogenannte Servicegebühr – je nach Anbieter zwischen zehn und 20 Prozent des dargestellten Kartenpreises – bezahlen.

Es gibt zwei Märkte beim Kartenzweitmarkt, die an ein- und derselben Kartenbörse greifen: Zum einen verkauft – im Vertragsfall mit einem Bundesligisten – die Ticketbörse vertraglich zugesicherte Karten direkt mit einem vereinbarten Aufschlag weiter. Zum anderen animiert die Ticketbörse Privatmenschen, ihre Karten mit einem nicht reglementierten Aufschlag zu veräußern, oder kauft eventuell selbst Karten zu diesem Zweck von Privatleuten auf. Beide Möglichkeiten nehmen bedenkliche Formen an.

Der „graue Markt“ der Privatverkäufer ist schwer einzuengen. Hier arbeiten die Bundesligisten mit einer Kartenkontingentierung sowie oftmals einer personalisierten Eintrittskarte. Gerade bei Spielen gegen hochkarätige Mannschaften schlagen die Kartendealer stark überhöhte Preise auf. Bei Topspielen scheint der freie Markt, wenn man die Preise der Kartenbörsen betrachtet, solch hohe Preise zu akzeptieren.

Eine mögliche Lösung der Klubs wäre es daher, höhere Preise wie in England zu erheben, damit der Umsatz bei den Klubs bleibt. Doch der deutsche Markt hält zu Recht an den fanfreundlichen Preisen fest. Leider gibt es immer wieder Menschen – sogenannte „graue Schafe“ –, die dieses Preissystem für ihre Zwecke missbrauchen.

Kritisch sind auch die Verträge einiger Bundesligisten, die den sogenannten Partnern ein gewisses Kartenkontingent einräumen. Nicht nur, dass durch diese Weitergabe vor allem bei Topspielen, den Fans weniger Tickets mit marktüblichen Preisen zur Verfügung stehen. Nein, der Familienvater muss, um das Spiel im Stadion zu sehen, auf oftmals doppelt so teure Tickets zurückgreifen, die der eigene Verein den Kartenbörsen vertraglich zusichert.

Der private „graue Markt“, wie er derzeit bei einigen Klubs vorhanden ist, ist der falsche Weg. Er führt zu fanunfreundlichen Preisen. Die Klubs sind daher gut beraten, in Form von eigenen IT-gestützten Tauschbörsen den Fans eine Plattform zu ermöglichen, auf der man bei einer Nichtnutzung der Karten – durch Krankheit, anderweitige Termine, Geburtstag, etc. – diese an andere Fans ohne Aufschlag weitergeben kann.

Wolfgang Holzhäuser ist Geschäftsführer des Fußball-Bundesligisten
Bayer 04 Leverkusen.

Kommentar hinterlassen


× 6 = vierzig zwei

© 2012 Pressebüro JP4

Nach oben scrollen