Denksport Breuer

Trittbrettfahren scheint für Unternehmen im Anti-Doping-Kampf opportun zu sein. Förderer brauchen die nötige Anerkennung. Nur so kann sich die Lage bessern.

Warum findet die NADA zu wenige Sponsoren?

Es scheint paradox. In Deutschland und auch weltweit steigern Unternehmen ihre Ausgaben für Corporate Social Responsibility. Sie wollen als „gute Unternehmen“ wahrgenommen werden. Daher versuchen sie, gesellschaftliche Verantwortung auch in Bereichen zu übernehmen, um die sie sich aus reinem Effizienzstreben bislang nicht oder nur wenig gekümmert haben. Gleichzeitig steigt die Attraktivität des Sports als Werbeplattform immer weiter. Viele Teams und Ligen können Rekordumsätze im Sponsoring vermelden.

Doch dazwischen poppt immer wieder die Meldung auf, die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) könne nicht genügend Sponsoren finden, um ihre Arbeit auf solide finanzielle Beine zu stellen. Wie passt das zusammen?

Die Schwierigkeit der NADA, hinreichend Sponsoren zu gewinnen, hängt mit dem Gut zusammen, welches die NADA produziert. Die NADA bekämpft Doping im Spitzensport. Damit verfolgt sie eine wichtige Aufgabe, auch für das Sportbusiness.

Gerade in Mitteleuropa mehreren sich Untersuchungen, wonach die Förderungswürdigkeit von Spitzensport von seiner Glaubwürdigkeit und somit seiner Dopingfreiheit abhängt. Und das ist nicht nur die Perspektive von Politikern, sondern auch die der Bevölkerung – also der Konsumenten.

Warum gelingt es dennoch nicht, für die NADA hinreichend Sponsoren zu gewinnen?

Ein sauberer Spitzensport stellt ein öffentliches Gut dar. Merkmale öffentlicher Guter sind Nicht-Ausschließbarkeit und Nicht-Rivalität im Konsum. Dies bedeutet, dass nicht nur jene Unternehmen von den Erfolgen der NADA profitieren, die sich im Anti-Doping-Kampf engagieren, sondern sämtliche Sportsponsoren.

Gleichzeitig ist der Effekt eines sauberen Sports unabhängig von der Anzahl an Sportsponsoren. Dies bedeutet jedoch umgekehrt, dass Trittbrettfahrer-Verhalten betriebswirtschaftlich betrachtet rational wird, auch wenn dies zu einem volkswirtschaftlich und sportökonomisch problematischen Ergebnis führt. Die Folge ist ein zumindest partielles Marktversagen.

Nicht umsonst fordern zahlreiche Akteure eine staatliche Finanzierung der NADA. Dies wird sicherlich in vielen Bereichen so gehandhabt, die strukturell ähnlich gelagert sind. Man denke etwa die Finanzierung von Feuerwehr, Katastrophenschutz oder Landesverteidigung. Gleichwohl könnte es im Bereich der Dopingbekämpfung auch marktkonformere Lösungen geben. Es gibt ja ein hohes Interesse der Wirtschaft am Spitzensport.

Marktkonforme Ansätze haben jedoch nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn die NADA-Sponsoren in besonderer Weise die Früchte ihres Engagements ernten können. Hier sind kreative Lösungen zu erarbeiten. Die NADA-Sponsoren müssten in besonderer Weise mit Spitzensporterfolgen Deutschlands in Zusammenhang gebracht werden. Doch dies scheint – wie so häufig – in der Theorie einfacher als in der Praxis. Auch wenn die marktkonforme Konstruktion alles andere als trivial ist: Sie hätte deutlich mehr Charme als der schnelle Ruf nach dem Staat.

Christoph Breuer leitet das Institut für Sportökonomie und Sportmanagement an der Deutschen Sporthochschule Köln.

 

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