Lutz Meyer: Renommee der Liga ist wichtiger als Steuerersparnis

Lutz Meyer, Partner bei Deloitte, spricht über die Auswirkungen der Reichensteuer auf französische Vereine und sagt, worauf Stars bei neuen Verträgen achten.

Quelle: Deloitte

Lutz Meyer ist Partner im Düsseldorfer Büro der Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte. Zu seinen Mandanten zählen auch ehemalige Bundesligaprofis.

Die sogenannte Reichensteuer in Frankreich soll nun auch für Fußball gelten. Bedeutet die Thematik für die Klubs und Spieler einen Eingriff in den Wettbewerb?

Das war eigentlich immer schon der Fall. Insbesondere bei den Top-Spielern zählt seit jeher nicht das Brutto-, sondern das Nettoeinkommen. Für die Vereine hingegen zählt nur das Brutto. Zwei Faktoren spielen dabei eine Rolle: Die Lohn- und Einkommenssteuer und die Sozialversicherungsabgaben. Wenn ein Spieler netto rechnet, ist der Verein höher belastet, der mehr brutto dafür geben muss.

Die Vertreter des französischen Fußballs sind erbost über angebliche Wettbewerbsnachteile. Selbst von drohender Zweitklassigkeit ist die Rede. Ist es wirklich so dramatisch oder eher ein Scheingefecht?

Frankreich ist, was den Vereinsfußball angeht, tatsächlich schon jetzt deutlich hinter den großen europäischen Ligen zurück. Der einzige Verein, der etwas ausschert, ist Paris St. Germain. Ob die zusätzliche Steuerbelastung den Verein wirklich schädigen wird, oder ob die Eigentümer das dann auf anderen Wegen wieder regeln, muss man sehen.

Und die anderen französischen Klubs?

Das Ganze kommt nur deswegen hoch, weil das Thema in Frankreich sowieso schon die Massen bewegt. Die Reichensteuer betrifft die meisten Vereine in Frankreich gar nicht oder nur in geringem Maße, weil sie ganz wenige Spieler haben, die mehr als die Schlüsselgröße von einer Million Euro verdienen. Da hat Frankreich nicht die Dimensionen wie Bundesliga, die Primera División oder insbesondere die Premier League.

Wie sieht die Situation in Deutschland aus? Werden auch hier die Steuern ein Hebel im Wettbewerb um Stars?

Früher gab es den großen Nachteil in Deutschland, dass wir vergleichsweise sehr hohe Steuersätze hatten. Das hat sich in den vergangenen Jahren etwas abgeflacht, weil der Spitzensteuersatz sich von 53 auf 42 und jetzt wieder auf 45 Prozent verändert hat. Das Steuergefälle konnte man früher durchaus stärker an der Qualität der einzelnen Ligen ablesen, insbesondere vor dem Hintergrund, dass es in Großbritannien Steuervergünstigungen gab.

Ist denn das Abschließen von Nettoverträgen gang und gäbe?

Manche Berater verhandeln nur über Netto-Beträge – auch, um es für die Spieler vergleichbar zu machen. Die stehen ja oft in Konkurrenzverhandlungen mit verschiedenen Top-Klubs auf dem Kontinent. Und die Spieler wollen mit der Steuerveranlagung gar nichts zu tun haben. Das ist nichts Ungewöhnliches im Profifußball – es ist wie bei hochrangigen Managern in Konzernen. Wenn die ins Ausland entsandt werden, wollen die auch nur wissen, was sie am Ende netto erhalten. Da stellen die Firmen die Mitarbeiter frei von administrativen Aufgaben.

Wie stark reagieren die Spieler auf das Nettosalär – ist es der dominierende Faktor? Dann könnten sich so Ligen aus der zweiten Reihe ja attraktiv machen – Beispiel Türkei…

Eingeschränkt ja. Aber an die absoluten Top-Spieler kommen die in der Regel nicht dran, es sei denn, sie haben ein gewisses Alter erreicht, wo sie ihren letzten großen Vertrag unterschreiben. Der Grund: In der türkischen Liga kann man sich nicht so profilieren wie in den anderen Top-Ligen. Die absoluten Top-Spieler kriegen sie da auf dem Höhepunkt ihrer Karriere nicht hin.

Das Renommee der Liga macht den Unterschied?

Ja, denn die wirklichen Top-Spieler erzielen einen Großteil ihres Verdienstes über Werbeverträge und benötigen eine Bühne, wo sich auch für den nächsten lukrativen Vertrag angemessen präsentieren können. Und die kriegen sie nicht, wenn sie in der Türkei spielen. Wenn sie in England oder Deutschland spielen, sind die Spieler jede Woche im Fernsehen. Und sind deshalb nicht nur national, sondern auch weltweit zu sehen.

Herr Meyer, vielen Dank für das Interview.

Manuel Heckel und Stefan Merx für JP4

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