Der Lockruf der Champions

Der Lohn für solides Wirtschaften und Erfolge in Europa: Die Bundesliga wird für Topstars zunehmend interessant. Auslandsfans bieten neues Erlöspotenzial.

Einen wie ihn gab es hier schon lange nicht mehr: Matthias Sammer holte 1996 den Titel „Europas Fußballer des Jahres“. Das schaffte nach ihm kein Bundesligaprofi mehr. Wenn man so will: Deutschlands letzter Superstar.

Quelle: PR

Als Spieler gewann Matthias Sammer die Champions League und führte die Nationalelf bei der EM 1996 zum bislang letzten großen Titel. Leistungsfanatiker, das Wort mag er. Der Hunger auf Titel ist unstillbar, auch heute als Vorstand des FC Bayern München. „Beim FC Bayern sind Pokale ebenfalls sein oberstes Ziel“, bringt die Vereins-Homepage Sammers Jobprofil auf den Punkt.

Schon im ersten Sammer-Jahr sind die Bayern auf dem Weg zur erfolgreichsten Saison der Klubgeschichte. Sie sind schon Meister, stehen im DFB-Pokalfinale und im Halbfinale der Champions League. Der Traum vom ersten Triple ist greifbar nahe. Und mit Pep Guardiola haben sie zur neuen Saison den weltweit begehrtesten Fußballtrainer verpflichtet.

Die Fußball-Bundesliga vollzieht den nächsten Entwicklungsschritt. Mit Borussia Dortmund als zweitem Halbfinalisten in der Champions League zeigt die Liga, dass sie zumindest in der Spitze aufgeschlossen hat mit der lange übermächtigen Konkurrenz aus Spanien und England. Dahinter lauern ambitionierte Vereine wie Leverkusen oder Schalke auf ihre Chance.

Quelle: Verein

Die Bundesliga gilt damit nicht nur als Benchmark für die Buchhalter des Fußballbetriebs. Zunehmend gewinnt sie an Sex-Appeal für internationale Topspieler. „Dank ihrer vergleichsweise soliden finanziellen Lage rückt die Bundesliga als attraktiver Arbeitgeber zunehmend ins Blickfeld“, sagt Peter Rohlmann, Inhaber der Sponsoringberatung PR Marketing. Schon jetzt beginnt die Spekulation, welche Spieler Pep Guardiola aus seinem Netzwerk nachziehen könnte.

Finanziell ist der FC Bayern imstande, auch Transfers im mittleren zweistelligen Millionenbereich zu stemmen – im Gegensatz zu den italienischen Topvereinen. Im ehemaligen Lire-Paradies geht vielen Klubs finanziell die Luft aus. Folge: Italien gab 2012 laut Fifa im Saldo 76 Spieler ins Ausland ab.

Bericht zum weltweiten Transfermarkt 2012: Sparkurs bei den Klubs in Südeuropa

Es gab Zeiten, da galt Deutschland als Resterampe im europäischen Spielermarkt, schreibt Branchenexperte Hartmut Zastrow. „Deutschland war auf der Karte der internationalen Topstars nicht präsent. Bei den Transfers waren deutsche Klubs mangels Masse schlichtweg ausgeschlossen.“ Italienische und spanische Klubs der zweiten Reihe hätten noch vor wenigen Jahren mehr Anziehungskraft ausgeübt als ein Bundesligist, so Zastrow. Heute sieht er Anzeichen für eine „goldene internationale Zukunft der Bundesliga“.

Bayern München findet Gefallen an Hochkarätern

Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge kündigte gerade an, dass für das Team künftig selektiv Hochkaräter verpflichtet werden sollen. Man könnte sich auf ein bis zwei überdurchschnittliche Neuerwerbungen beschränken. Dies sei die „Politik der Zukunft“.

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Nicht nur in München fiebern die Fans neuen Topspielern entgegen. Auch in anderen Klubs wächst die Hoffnung, dass die Bundesliga für das Spitzenpersonal des Weltfußballs an Attraktivität gewinnt. Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke will den BVB bis 2020 zum „zweiten Leuchtturm des deutschen Fußballs“ aufbauen.
Der Weg: kontinuierliche Präsenz des Ruhrgebietsvereins in der Champions League. Das bringt im Jahr 30 bis 40 sichere Millionen Euro in die Kasse – und stellt den Verein global ins Rampenlicht. Gerüchten zufolge ist Dortmund bereit, für den spanischen Nationalspieler Alvaro Negredo 18 Millionen Euro zu bezahlen.

„Wir müssen anerkennen: Die Champions League ist das Nonplusultra, wenn es darum geht, die Marke Bundesliga international zu promoten“, sagt der Chef der Deutschen Fußball-Liga (DFL), Christian Seifert. Für die erfolgreiche Auslandsvermarktung forciert er einen Kulturwandel in der Außendarstellung: weg vom Gleichheitsprinzip, hin zur Fokussierung auf Spitzenvereine und Topstars. „Wir müssen unseren Klubs vermitteln, dass es kein Nachteil ist, wenn wir international nur über wenige Klubs sprechen”, sagt Seifert.

Superstars als “sozialer Klebstoff”

Quelle: EBS

Elitenbildung und Personenkult – ökonomisch gibt es gute Gründe, ein paar Superstars in den eigenen Reihen zu haben, sagt Sascha Schmidt, Leiter des Institute for Sports, Business & Society (ISBS) der EBS Universität. „Wer internationale Stars verpflichtet, kauft potenzielle Fangruppen im Ausland gleich mit ein“, sagt der Professor.

Jeder vierte Fußballfan folgt nach seinen Erhebungen neben seinem Lieblingsklub im Inland auch einem Auslandsklub – die gesamte Zahlungsbereitschaft dieser „Fans ohne Grenzen“ taxiert Schmidt auf jährlich 35 Milliarden Euro in den fünf europäischen Fußball-Kernmärkten.

„Globale Spitzenspieler und Trainer mit Promi-Status fungieren zudem als eine Art sozialer Klebstoff und bringen Fans aus unterschiedlichen Ländern zusammen.“ Neue Medienkanäle erlauben es den Vereinen, dieses Interesse auch aus der Ferne zu monetarisieren – etwa über den Verkauf von Klub-TV-Abos und den Absatz von Fanartikeln in Online-Shops.

Thomas Mersch und Stefan Merx für Handelsblatt

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