H96-Investor Dirk Roßmann: „Wir denken nicht im Traum ans Verkaufen“

Drittgrößter 96-Eigentümer ist der Drogeriekettenchef Dirk Roßmann. Im Exklusiv-Interview erläutert Roßmann, warum er seinen Lieblingsklub ins Portfolio nahm.

Quelle: PR

Herr Roßmann, Sie gehören zu einem Kreis von Investoren, die Hannover 96 komplett übernehmen wollen. Die maßgebliche Gesellschaft gehört Ihnen heute schon zu fast einem Fünftel. Verbinden Sie Ihren Einstieg mit bestimmten Bedingungen?

Überhaupt nicht. Ich bin der Stadt Hannover verbunden, ich bin Hannoveraner und habe seit meiner Kindheit eine enge Beziehung zu 96. Deswegen ist das Engagement für mich eine Freude.

Der Treiber des Plans ist 96-Präsident Martin Kind. Haben Sie ihn erst über den Fußball kennengelernt?

Nein, wir kennen uns seit vielen Jahren und sind befreundet. Das war nicht so kurzfristig.

Es gibt ja einen konkreten Fahrplan. Wenn 2018 die restlichen Anteile des Vereins übernommen werden, soll die Gruppe der Eigentümer auch bestimmen dürfen über den Verein, sagt Herr Kind. Was bedeutet das für Sie?

Dazu kann ich konkret noch nichts sagen. Ich nehme überhaupt keinen Einfluss, bin zwar Teil der Organisation und Gemeinschaft, aber Martin Kind ist der Chef und gibt die Richtlinien vor. Ich hatte noch nie Grund, da eine abweichende Meinung zu vertreten.

Person und Unternehmen: Dirk Roßmann wurde 1946 in Hannover geboren. Nach Volksschule und Drogistenlehre übernahm er die Verantwortung im kleinen Drogeriegeschäft des früh verstorbenen Vaters. 1972 gründete Roßmann den ersten deutschen Drogeriemarkt mit Selbstbedienung und entwickelte als Pionier die schnell wachsende Drogeriemarktkette ROSSMANN – mit heute 2800 Filialen in Deutschland sowie in Polen, Ungarn, Tschechien, Albanien und der Türkei. 2012 erzielte das Unternehmen mit Sitz in Burgwedel bei Hannover einen Umsatz von 5,95 Milliarden Euro. Auf Basis der mitgeteilten Zahlen lag der Gewinn vor Steuern und Abschreibungen bei 238 Millionen Euro. 2012 stieg der Vater von zwei Söhnen über die Rossmann-Beteiligungsgesellschaft bei Hannover 96 ein.

Die Gemeinschaft aus sieben Anteilseignern bleibt so konstant bestehen?

Genau. Ich habe im Moment keinen Grund, etwas anderes anzunehmen.

Dieses Modell des Investors im Fußball wird ja zum Teil auch kritisch gesehen. Im Beispiel von Dietmar Hopp in Hoffenheim wurde es begleitet von Fanprotesten. Haben Sie Sorge, dass Ähnliches in Hannover eintreten könnte?

Nein, überhaupt nicht. Es geht ja um die Seriosität der Akteure. Da sind die Hannoversche Allgemeine, Detlev Meyer, Martin Kind und ich. Die Hannoveraner und die Niedersachsen haben, glaube ich, großes Vertrauen in uns als Persönlichkeiten.

Also, es gab auch ein paar Äußerungen, hier finde sich die alte „Hannover-Connection“, angefangen mit dem AWD-Gründer Carsten Maschmeyer…

Herr Maschmeyer ist definitiv nicht Miteigentümer, das ist alles ganz transparent, die Eigentümer stehen ja fest. Gregor Baum, der Chef vom Rennverein, ist dabei. Aber Herr Maschmeyer gehört nicht zur Gruppe dazu.

Hätte es für Sie die Option gegeben, einfach als Großsponsor mit Ihrer Drogeriemarktkette Rossmann einzutreten?

Es ist nicht unbedingt unsere Zielgruppe. Bei Rossmann sind es ja mehr die Frauen, die einkaufen, und wir werben mehr mit Prospekten. Für Imagewerbung geben wir eigentlich kein Geld aus, also das ergäbe keinen Sinn. Und ich bin auch gerne Teil von 96, aber nicht eben als Sponsor.

Sehen Sie Ihr Engagement als Mäzenatentum?

Mäzenatentum überhaupt nicht. Es ist ein Fußball-Engagement, verbunden mit einem großen, aber überschaubaren Risiko. Ich habe mich erst beteiligt, als ich wusste, im Notfall kann ich die fünf Millionen Investment auch abschreiben, ohne dass es die Firma Rossmann gefährdet. Ich kann noch Verluste erleiden. Also: Risiko ja, aber deshalb habe ich keine schlaflosen Nächte.

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Müssen Sie nochmals Geld nachschießen, wenn Sie die restlichen Anteile am e.V. mit erwerben?

Nein, für den Kauf der e.V.-Anteile müssen wir kein neues Geld einbringen. Das macht die Gesellschaft mit derzeitiger Liquidität.

Halten Sie die Anteile als Privatmann?

Nein, ich halte sie über die Rossmann-Beteiligungsgesellschaft, die der Familie zu 100 Prozent gehört. Denn zu Rossmann gehören ja nicht nur die Drogeriemärkte, sondern wir halten einen großen Anteil an der Deutschen Beteiligungs AG und an anderen Gesellschaften, etwa Immobiliengesellschaften.

Sie sagten in einem Interview süffisant: Ihre Frau beklagte, Sie würden das Wochenende versauen, wenn Sie zum Fußball gingen. Das wird sich künftig nicht vermeiden lassen, oder?

Das wird nicht mehr und nicht weniger. Ich bin ja nur bei Heimspielen dabei, und ich überspitze manchmal. Meine Frau geht ja auch gerne mit zum Fußball, nur eben nicht so häufig wie ich, und bei schönem Wetter ist auch mal eine Wanderung angesagt. Die Interessen gehen manchmal auseinander, aber das darf man nicht zu ernstnehmen.

Sie würden eine schöne Wanderung nicht einem Heimspiel vorziehen, oder eventuell doch?

Also wenn ich davon ausgehe, dass meine Frau dieses Interview nicht liest, würde ich sagen: Immer das Heimspiel. (lacht)

Quelle: PR

Welche Perspektive sehen Sie für Hannover 96?

Vereine wie Bayern München oder Borussia Dortmund haben einen viel größeren Etat und viel mehr Möglichkeiten als Hannover 96, auch teure Spieler einzukaufen. Insofern hat es 96 schwer. Auf der anderen Seite habe ich großes Vertrauen in das Management, den Sportdirektor, den Trainer und natürlich in Martin Kind. Insofern bin ich tendenziell optimistisch. Fußball ist ein riskantes Geschäft, das ist mir bewusst, aber in der Grundtendenz sehe ich die Entwicklung für Hannover 96 positiv.

Sie sind ja mit drei Anteilseignern sehr dominant: Kind, der frühere Textilunternehmer Meyer und Sie…

… ja, wir halten knapp 73 Prozent zusammen.

Was passiert aber, wenn Sie die Lust verlieren sollten, oder auch nur einer von Ihnen? Würde er seinen beträchtlichen Anteil verkaufen an einen Investor, der vielleicht nicht aus der Region kommt?

Da brauchen Sie nicht allzu viele Befürchtungen zu haben. Detlev Meyer ist eine sehr integere Persönlichkeit, Martin Kind ist über jeden Zweifel erhaben und ich selbst weiß auch mit Verantwortung umzugehen. Es ist uns dreien sehr wichtig, dass nicht nur Geld investiert wird, sondern Solidität, Berechenbarkeit und Beständigkeit da ist. Sonst macht es keinen Spaß. Ich hätte mich nie bei 96 beteiligt, wenn ich nicht ein tiefes Vertrauen und Sympathie für die anderen Teilhaber hätte – insbesondere für Martin Kind und Detlev Meyer. Bei denen weiß ich auch, dass sie nicht im Traum dran denken, in absehbarer Zeit irgendwas verkaufen zu wollen. Das hat eine solide Grundlage.

Wären die Anteile in Ihrem Fall sogar etwas, was Sie an Ihre Söhne noch vererben würden?

Mit Sicherheit. Ich mache Geschäfte fast immer nur langfristig. Bei mir geht es nicht um schnell, schnell. Das ist nicht meine Mentalität. Wir denken bei Roßmann ganz langfristig, wir sind eher dem Geiste Fontanes verbunden als der modernen Hektik der Gegenwart.

War es ein Zufall, dass Herr Meyer und Sie den Einstieg zum selben Zeitpunkt verkündet haben?

Nein, das hat Martin Kind initiiert, er hat uns beide angesprochen. Ich kenne Detlev Meyer gut, weil ich früher im Beirat seines früheren Unternehmens Street One war. Da war immer schon ein freundschaftlicher Kontakt. Insofern hat sich das ganz entspannt und völlig unkompliziert entwickelt.

Glauben Sie, das Investorenmodell, das Sie bei Hannover 96 fahren, könnte auch für andere Klubs ein Vorbild sein?

Da kann ich keine Prognose abgeben. Es geht immer um die Menschen. Wir haben in Deutschland ganz viele Führungspositionen, aber nicht unbedingt so viele Persönlichkeiten mit entsprechenden Qualitäten. Was wichtig ist: Dass Hannover 96 gesteuert wird von Menschen, die Kompetenz haben, die ehrlich sind, die ehrgeizig sind, die offen sind, die auch Gefühl für andere Menschen haben. Das ist momentan so gegeben.

Sie haben ja bewiesen, wie man eine Drogeriemarktkette erfolgreich führen kann. Glauben Sie, dass Ihr Wissen darum auch dem Verein zugutekommen könnte – oder würden Sie sich immer zurückhalten?

Ich beantworte die Frage indirekt: Ich glaube schon, dass Menschen gerne mit mir zusammen sind und gemeinsam mit mir Verantwortung tragen. Also, für eine Gemeinschaft bin ich ein ganz guter Faktor. Aber Fachwissen einbringen in den Fußball? Da muss ich passen. Ich beweise eher emotionale Kompetenz als Fachwissen.

Ein Fußballspiel nimmt sie emotional mit?

Ach, aber tausendprozentig.

Herr Roßmann, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.

Stefan Merx für das Wall Street Journal Deutschland

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